Drei Monate sind seit der 65. Sandkirchweih vergangen, doch im Rathaus ist nach dem Fest vor dem Fest.   "Wenn wir die Lautsprecheranlage nicht anschaffen, dann wird die Sandkirchweih 2016 nicht genehmigt ", sagt Bambergs Ordnungsreferent Ralf Haupt. Ein einfacher Satz.

Mit Konsequenzen. Vordergründig geht es zwar nur um die Frage, wer die neue Lautsprecheranlage bezahlt, die die Sicherheitsbehörden als Voraussetzung für die nächste Großveranstaltung verlangen. Die Kosten für das Warnsystem im Krisenfall liegen bei rund 100.000 Euro. Doch dahinter steht das große Ganze. Die Frage, ob die bekannteste und besucherträchtigste Veranstaltung in der Stadt Bamberg eine Zukunft hat und wie man es verhindern kann, dass 2016 erstmals eine Absage erfolgt.


Viel Umsatz, kleine Einnahmen?

Ein scheinbarer Widerspruch plagt die Entscheidungsträger in Bamberg: Ausgerechnet die Veranstaltung, die jährlich Hundertausende Menschen in die festlich geschmückten Gassen an der Regnitz lockt, bei der Bier in Strömen fließt, hat eine Finanzlücke, die nicht so leicht zu schließen ist.

Warum das so ist? Die beiden Seiten, die hier am Verhandlungstisch sitzen, haben wenig Spielraum. Da ist zum einen die Sandkerwa Veranstaltungs GmbH. Schon in der Oktobersitzung im Stadtrat hat sie ihre Bilanzen offen gelegt und klar gemacht, dass die finanzielle Decke denkbar kurz ist. Die Standgebühren reichen kaum, um die Ausgaben zu decken. Eine Liquiditätsprüfung durch die Kontrolleure der Stadt hat diesen Sachverhalt nun erneut bestätigt. Die Ergebnissituation habe sich 2015 weiter verschlechtert. Es bestehe ein Defizit, das ohne frisches Geld von außen kaum zu beheben sei. "Sicherheitsreserven für Unvorhergesehenes sind nicht vorhanden", heißt es wörtlich.


Kein Ja ohne Gegenfinanzierung

Keine guten Prognosen für 2016. Doch Geldknappheit ist nicht nur ein Problem, das die Macher der Sandkerwa umtreibt. Auch die Stadt Bamberg tut sich schwer damit, eine Lautsprecheranlage zu kaufen, um das Überleben der Kirchweih zu sichern. Oder auch eine solche Anlage nur zu pachten, was Kosten von 25.000 Euro pro Jahr aufwerfen würde. Das liegt an der besonderen Situation der Stadt mit vielen großen Herausforderungen, aber auch an der Haushaltslogik, dass zusätzliche Zuschüsse für die Sandkirchweih zu Lasten von Beiträgen für andere Kirchweihen erfolgen müssten. Immerhin 25.000 Euro erhält die Sandkerwa pro Jahr.

Die politischen Folgen dieser Bedingungen werden immer deutlicher: Abgesehen von Bambergs Unabhängigen Bürgern haben alle Fraktionen ein eher zwiespältiges Bekenntnis zur Sandkerwa abgelegt. Das Volksfest soll leben, aber bitteschön nicht auf Kosten der Stadt. So war es vor allem Klaus Stieringer (SPD), der sich enttäuscht zeigte über die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Kerwa GmbH um alternative Geldquellen bemüht habe. Natürlich sei es möglich, Eintritt zu erheben oder Sponsoring zu betreiben, widersprach er. Auch der Freie Wähler Dieter Weinsheimer forderte eine Gegenfinanzierung der Lautsprecher und eine Anhebung der Standgebühren. "Erschüttert" zeigte sich Peter Gack von den Grünen über das Desinteresse der Bestandsgastronomie, am Überleben der Kerwa mitzuwirken. Seine Forderung: Wer über Freischankflächen im Sand verfügt, muss an den Kosten für die Sicherheit beteiligt werden.


Eintrittspreise an 15 Zugängen?

Doch hört man den Ordnungsreferenten Ralf Haupt, ist es auch mit viel Kreativität nicht so leicht, das fehlende Geld aufzutreiben. Um alle Chancen auszuloten, hat sein Amt eine ganze Reihe von alternativen Finanzierungsvorschlägen unter die Lupe genommen. Zum Beispiel die Idee, künftig Eintritt für die Sandkirchweih zu verlangen. Kaum zu realisieren, sagt Haupt dazu. Denn die Eintrittsgelder müssten an derzeit 15 (!) Zugangspunkten erhoben werden. Ein riesiger Personalaufwand wäre die Folge.
Auch der Vorschlag, die Sicherheitskosten auf den Getränkepreis umzulegen, erwies sich aus juristischen Gründen als Flop. Eine kommunale Biersteuer sei ebenso wenig zulässig wie eine Schankerlaubnisgebühr. Nicht zuletzt scheint der Ansatz, "diskretes Sponsoring" zu betreiben, wenig erfolgversprechend. Ganz abgesehen davon, dass Geldgeber bekanntlich nicht diskret werben wollen, hat die Sandkerwa GmbH Sponsoring bislang abgelehnt. Grund: Es widerspreche dem Charakter einer Kirchweih.

Was also bleibt, um die Sandkirchweih nach monatelangen Debatten endlich auf sichere Beine zu stellen. Das weiß zur Zeit auch Gisela Bosch, Vorsitzende des Bürgervereins Sand, nicht. Sie verließ den Sitzungssaal wenig erfreut. Denn ihr ist klar: Ohne zusätzliches Geld keine Lautsprecheranlage, ohne Lautsprecheranlage keine Sandkerwa.