Wer die schummrig beleuchteten und klimatisierten Ausstellungsräume in der Staatsbibliothek Bamberg betritt, lässt die adventliche Glühweinseligkeit schnell hinter sich. Von brutalen Verbrechen kündet diese Präsentation "Zeugen eines Massenmordes". Die originalen Hexenprozessakten in den Vitrinen berichten von einem bedrückenden Kapitel der Bamberger Geschichte: Hunderte von schuldlosen Männern und Frauen wurden zwischen 1616 und 1631 im Hochstift Bamberg hingerichtet, weil sie unter Folter ausgesagt hatten, mit dem Teufel einen Pakt geschlossen und Schadenszauber ausgeübt zu haben.

Große Resonanz
"Hexen" lassen die Bamberger auch nach dem Ende der Themenwochen im Oktober nicht kalt. Ungebremst ist das Interesse, sodass sich Bibliotheksdirektor Professor Werner Taegert zu einer Verlängerung der Ausstellung entschlossen hat: "Die Resonanz ist groß", sagt er. Davon sprechen auch die zahlreichen Einträge ins Gästebuch, die etwa die "ausgesprochen professionell aufgearbeitete Geschichte" loben. Oder die Präsentation als "sehr informativ und erschreckend" würdigen.

Ein Besucher schreibt: "Schockierend, wie die kirchlichen Herren wüteten. Endlich hat man die Möglichkeit, Informationen zu erlangen." Ein anderer ist "beeindruckt von der Aussagekraft, aber auch der Neutralität dieser Ausstellung. Dem Besucher bleibt genügend Raum, sich eigene Gedanken zu machen".

Sehr hilfreich sind dabei die ausgezeichneten Beschriftungen der Exponate, an denen Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold wesentlichen Anteil hat. Dennoch erscheint es wünschenswert, wenn einige Schriften des 17. Jahrhunderts transkripiert worden wären. Für den ungeübten Leser ist so manche Quelle kaum zu entziffern. Beispielsweise der erschütternde Brief des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius vom 24. Juli 1628 an seine Tochter Veronica. Darin beklagt er, dass er unschuldig ins Gefängnis gekommen und unschuldig gemartert worden ist, unschuldig sterben muss. Gleichwohl zählt dieser Brief auch ohne detaillierte Übertragung zu den herausragenden Dokumenten dieser Ausstellung.

Der Betrachter muss sich vergegenwärtigen, dass er hier den wichtigsten Quellenbestand zur Geschichte der Bamberger Hexenprozesse vorfindet, darunter die Protokolle der "peinlichen" Verhöre unter Folter. Dass diese überhaupt in der Staatsbibliothek erhalten sind, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken: Die Prozessakten wurden im frühen 19. Jahrhundert als Altpapier verkauft. In verschiedenen Partien gelangten sie 1821 in die damalige Königliche Bibliothek Bamberg. Zwei Schenkungen des Weinwirts Johann Adam Messerschmitt und seines Sohnes Pius Ferdinand - etwa 40 Aktenstücke - kamen 1854 und 1875 hinzu. Seither dienen die Akten in der Staatsbibliothek der seriösen Forschung als Quelle. So zeigt die Ausstellung auch Beispiele für historisch fundierte Forschungsarbeiten vom 19. bis 21. Jahrhundert. Ebenso zeitgenössische Bücher, die das Thema Hexenverfolgung literarisch aufgearbeitet haben.

Ebenso wenig fehlen die Werke wie der "Hexenhammer" des Dominikaners Heinrich Institoris, der die Grundlage für die Hexenprozesse lieferte, und die Gegenstimme "Cautio criminalis" des Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld.

Himmlers Hexenkartothek
Eine eigene Vitrine widmet sich dem Interesse des Nationalsozialsozialismus an der Hexenverfolgung. "Himmlers Hexenkartothek" belegt das Bestreben des Reichsführers-SS, Propagandamaterial gegen die katholische Kirche zu erlangen. Offenbar glaubte Himmler ferner, durch die Prozesse seien Reste germanischer Religionen unterdrückt worden, deren Spuren sich in den Aussagen der Opfer fänden.

Die Ausstellungsmacher scheuen jedoch nicht davor zurück, die Tatverantwortlichen im 17. Jahrhundert in Wort und Bild bloßzustellen: Radierungen geben die Konterfeis der Bamberger Fürstbischöfe Johann Gottfried von Aschhausen und Johann Georg II. Fuchs von Dornheim wieder. Der erläuternde Text dazu schlüsselt auf, wie die hohen Herren mit größter Brutalität gegen Menschen vorgingen, die vermeintlich mit dem Teufel im Bund standen. "Menschliche Unvernunft und religiösen Wahn" bescheinigt ein Besucher diesen Altvorderen. Die Ausstellung "sollte jeder Bamberger gesehen haben", fordert ein anderer.

Öffnungszeiten Die Ausstellung "Zeugen eines Massenmords - Die Hexenprozessakten der Staatsbibliothek Bamberg" ist bis zum 21. Dezember bei freiem Eintritt zugänglich. Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr.