Entsetzen bei den Nachbarn: Das Haus Schützenstraße 23, Ecke Ottostraße, vielen bekannt als "Herold-Haus", weil lange Zeit auf dem Dach das Schild der Versicherung Deutscher Herold prangte, soll grundlegend verändert werden. Der neue Eigentümer, die EMImmobilien GmbH mit Sitz in Stegaurach, hat bei der Bauverwaltung der Stadt den Umbau und die Nutzungsänderung bis in die fünfte Etage beantragt.


Morgen im Bausenat

Der Antrag soll am Mittwoch im Bausenat behandelt - offenbar in nicht-öffentlicher Sitzung. Der Bürgerverein Mitte ist über die amtliche Bekanntmachung für die Nachbarbeteiligung aufmerksam geworden.Der Veröffentlichung im Rathaus-Journal war zu entnehmen, dass im Erdgeschoss sowie im ersten Stock des Gebäudes ein Hotel entstehen soll. In den Obergeschossen Zwei bis Fünf will der Bauherr Ferienwohnungen einrichten - so steht es im Rathaus-Journal.

Der Bürgerverein hat inzwischen mit einem Schreiben an das Bauamt reagiert. Zweiter Vorsitzender Reiner Dietz spricht von rund 30 Wohnungen, die auf diese Weise für die ohnehin an Wohnungsmangel leidende Stadt Bamberg verloren gehen würden. "Vor dem Hintergrund des derzeitigen Wohnungsmarktes ist eine solche Entscheidung absurd!" Obwohl selbst kein Nachbar des Objekts sehe sich der Bürgerverein zu einer Stellungnahme aufgerufen, weil hier Belange des Gemeinwohls berührt seien.

Der Bürgerverein lehnt die Nutzungsänderung in ein Hotel und Ferienwohnungen aus zwei Gründen ab. Zum einen kritisiert er die Umwandlung von Wohnraum in Gewerberaum: "Der Mangel an Wohnraum zu erschwinglichen Preisen in Bamberg ist dramatisch bei immer noch steigender Tendenz. Bisher standen in der Schützenstraße 23 etwa dreißig Wohnungen in bester Lage zur Verfügung. Durch die geplante Umnutzung des Großteils in Hotelzimmer und Ferienwohnungen wird der bereits jetzt vollkommen überspannte Wohnungsmarkt erneut stark und ohne Not belastet." Die Genehmigung des Wegfalls von Wohnungen in dieser Größenordnung ignoriere die katastrophale Situation und wäre ein völlig falsches Signal.

Zum Zweiten sorgt sich der Bürgerverein um die Verkehrssituation in der Ottostraße. Dadurch, dass die Schönborn- und die Sodenstraße keinen Durchgang zum Heinrichsdamm mehr hätten, sei die Kapazität in der Ottostraße bereits jetzt erschöpft. Eine weitere Belastung nicht nur durch die Nutzer des Hotels und der Ferienwohnungen, sondern auch durch den Verkehr, der durch die Ver- und Entsorgung des Hotelbetriebs entstehen werde, sei nicht hinzunehmen. Der Bürgerverein schließt seinen Brief mit der Bitte, "die Planung im Sinn unserer Einwände nochmals zu überdenken".

Horst-Peter Müller, Geschäftsführer der EMImmobilien, die das 44 Jahre alte Gebäude 2013 erworben hat, tritt diesen Befürchtungen entgegen und betont, der Antrag sei nicht auf Umwandlung in Ferienwohnungen (wie im Rathaus-Journal zu lesen), sondern in Stadtappartements gestellt worden. Beabsichtigt seien Angebote für das "Wohnen auf Zeit", für das es in Bamberg mit vielen global agierenden Firmen wie Brose und Bosch großen Bedarf gebe. Das bedeute aber nicht, dass Mietern gekündigt worden sei oder dies beabsichtigt werde.
Vor dem Hintergrund eines immensen Sanierungsstaus - sämtliche Wasser- und Abwasserleitungen seien defekt und die Dacheindeckung könne nicht mehr ausgebessert werden - verfolge man einen langfristigen Plan, der ohne Kündigungen durchgeführt werde, betont Müller.

Immer dann, wenn ein Mieter das Haus verlasse, werde man die jeweilige Wohnung in zwei Wohneinheiten teilen und sanieren. Die künftigen, jeweils nur kurzfristigen Mietverträge für das "Wohnen auf Zeit" erlaubten es dem Hausbesitzer zu einem späteren Zeitpunkt, größere Teile des Hauses für eine umfassende Sanierung frei zu halten. Auf diese Weise werde man 20 der insgesamt 25 Wohnungen ohne Kündigungen in 36 Wohneinheiten umwandeln. Müller betont: "Die Situation ist nicht vergleichbar mit den 300 nicht genehmigten Ferienwohnung in Bamberg."

Zum Thema Verkehr hält er die Befürchtung, der Verkehr in der Ottostraße werde zusammenbrechen, für abwegig. Es seien oberirdisch und in der Tiefgarage 77 Stellplätze vorhanden, womit nicht nur der Stellplatzpflicht für das Hotel mit seinen 31 Zimmern Genüge getan werde, sondern auch den Nachbarn Parkplätze angeboten werden könnten. "Die derzeitigen Nutzer kommen und fahren ab wie Hotelgäste, nur in umgekehrter Reihenfolge. Würde die EMI an ein Ärztezentrum mit Patientenfrequenz vermieten, würde tatsächlich zusätzlicher Verkehr entstehen." Da lediglich ein Hotel Garni geplant sei - "mit dem Anspruch, sich mit einem Frühstück durch regionale Produkte auszuzeichnen" -, fänden Anlieferung von regionalen Erzeugern nur in Kleintransportern statt und nicht durch Lastwagen.