Von wegen Punk ist destruktiv! Seit drei Jahren engagieren sich drei Hardcore-Fans im Bamberger Raum für Ideale wie Toleranz und Nächstenliebe. Dabei dreschen Andreas Eckschmidt, Johannes und Christian Lurz keine leeren Phrasen, sondern lassen hehren Worten Taten folgen. Gleich am 13. Juni veranstalten die Drei wieder ein Benefizkonzert, dessen Erlös minderjährigen Flüchtlingen zukommt. Vier Bands aus Dresden, Schweinfurt und Antwerpen unterstützen mit ihrem Auftritt im Jugendzentrum den guten Zweck.

Flucht vor Gewalt und Elend
"Aus Eritrea, Somalia, Sierra Leone, Gambia und Afghanistan kommen die acht Jugendlichen, die wir derzeit in unserer Wohngruppe ,Mogli' betreuen", berichtet Lukas Parzych als Leiter der Einrichtung des Don Bosco Jugendwerks, der die Spendengelder zufließen. Die 15- bis 18-jährigen Asylbewerber flohen vor Gewalt, Verfolgung und Elend aus der alten Heimat. Sie verloren ihre Familien. "Jetzt warten alle darauf, wie's weiter geht, nachdem bis zur Entscheidung über einen Asylantrag meistens zwei bis zweieinhalb Jahre vergehen."

Quälende Ungewissheit
Eine Phase quälender Ungewissheit, in der das Don Bosco Jugendwerk die entwurzelten jungen Leute auffängt und ihnen ein Zuhause gibt. "Viele sind traumatisiert und sollen endlich wieder positive Erfahrungen machen", meint Parzych. Als Sozialpädagoge unterstützt er die Flüchtlinge im Alltag bis hin zu schulischen Belangen. Vor allem aber möchten die Betreuer den traumatisierten Jungen helfen, Erlebnisse zu verarbeiten und sich Schritt für Schritt eine Zukunftsperspektive aufzubauen.

Spenden sind in dieser Situation willkommen. Wobei der Konzerterlös vom 13. Juni in Freizeitaktivitäten fließen soll. Zwei weitere Flüchtlingswohngruppen des Jugendwerks sind Parzych zufolge übrigens im Aufbau, um noch mehr Minderjährigen in der Fremde beizustehen.

"Unfassbar traurig"
"Unser Land hat ein funktionierendes Sozialsystem, von dem alle Deutschen profitieren, die in Not sind", meint Christian Lurz. So will er sich mit seinen Mitstreitern der Initiative "Hardcore for a positive lifestyle" stattdessen derer annehmen, die "alles verloren haben, fern ihrer Familie auf sich alleine gestellt sind und oft noch angefeindet werden". Unfassbar traurige Lebensgeschichten hätten die Flüchtlinge, die fast im gleichen Alter wie die Konzertveranstalter sind. Das bewog Eckschmidt, Lurz & Lurz schon im März, ein Konzert im Freiraum zu organisieren, bei dem erstmals Spenden für "Mogli" gesammelt wurden.

Erstes Konzert im Mophclub
2012 hatte sich die Initiative "Hardcore for a positive lifestyle" in Bamberg mit ersten Flyer-Aktionen zu Wort gemeldet. "Rassismus, Sexismus, Homophobie und Hass haben in unserer Welt nichts verloren", ist die Botschaft des damals gegründeten Trios, das 2013 im Morphclub sein erstes Benefizkonzert zugunsten des Migranten- und Integrationsbeirates der Stadt veranstaltete. Auch die Bands, die nun im JuZ zugunsten minderjähriger Flüchtlinge spielen, teilen die Philosophie der Hardcore-Fans. "Sie schreiben selbst sozialkritische Texte, die die Botschaft unseres Konzertes unterstreichen", so Eckschmidt, der im Brotberuf als Finanz- und Versicherungskaufmann tätig ist, während seine beiden Freunde studieren.

"Das negative Denken ist heute in Politik und Gesellschaft allgegenwärtig", meint Christian Lurz. "Irgendwann denkst du selbst nur mehr das Schlechte. Dagegen wollen wir mit unserer Initative auch in den kommenden Jahren ankämpfen."


Auf einen Blick
Am 13. Juni steigt im Bamberger Jugendzentrum am Margaretendamm 12 a das Benefizkonzert zugunsten der Don-Bosco-Jugendwerks-Wohngruppe "Moglia". Als Vorbands spielen ab 20 Uhr No Surrender und Thousand Yard Stare aus Schweinfurt. Danach betreten Risk It aus Dresden und The Setup als belgische Hardcore-Punk-Band die Bühne.