Der Stadtrat stimmte in seiner Sitzung am Mittwochabend mit 13:6 dem Neubau der seit drei Jahren diskutierten und projektierten "Marktscheune" auf dem Areal des 2005 geschlossenen Rewe-Marktes zu. Die Stadtmitte soll dadurch wieder einen Nahversorgungsmarkt mit rund 700 Quadratmetern Verkaufsfläche erhalten; das Obergeschoss des Gebäudes soll zu einem Kulturraum ausgebaut werden. Als Bauherr des mit 8,83 Millionen Euro kalkulierten Projekts tritt die Stadt Hallstadt auf. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, den Bauantrag sowie die Genehmigungsplanung und die Ausschreibung für den Neubau vorzubereiten. Für das Vorhaben sind im einstimmig verabschiedeten Haushaltsplan 2012 bereits 42 5000 Euro ausgewiesen.

Für sechs Stadträte kam der Startschuss zu früh. CSU-Fraktionsvorsitzender Thomas Söder erinnerte an die zuletzt in der Bürgerversammlung geäußerte Skepsis und Kritik vieler Hallstadter an dem Projekt. Seine Hauptsorge besteht darin, keinen leistungsfähigen Betreiber als Zentralmieter des Einkaufsmarktes zu bekommen und dass die Bürger zu wenig Interesse haben könnten, sich finanziell zu engagieren. Wie am 21. September berichtet, hat die Stadt in Wolfgang Gröll von der Starnberger Firma New Way (Betriebs- und Wirtschaftsberatung GmbH) einen Berater gewonnen, der eine Betreiberform entwickeln soll. Die Rede ist von einer Art Dorfladen-Konzept, von Regionalvermarktung, ja von einem Leuchtturmprojekt.

Erforderlich ist ein Startkapital zwischen 50 000 und 250 000 Euro. Für Thomas Söder sind dabei noch zu viele Fragen offen. Er warnte: "Wir setzen die Steine aufeinander, bauen und hoffen, dass sich ein Betreiber finden lässt. So können wir nicht handeln. Das ist Plan- und nicht Marktwirtschaft." Für sich und einige der CSU-Stadträte erklärte Söder, unter diesen Umständen nicht zustimmen zu können, so schön der Traum von einer Belebung der Stadtmitte durch die Marktscheune auch sei. Aber man könne nicht so viel Geld investieren und dabei riskieren, dass das Gebäude schließlich leer stehe.

Zweiter Bürgermeister Ludwig Wolf (FW) machte Mut, den Traum zu leben, nach vorne zu blicken und das Projekt anzugehen. Alle wollten doch die Stadt beleben und für eine innenstadtnahe Versorgung eintreten. Wolf: "Deshalb muss der erste Schritt heute getan werden! Packen wir es an, sonst wird nie etwas draus!"
Sämtliche Risiken könne man nicht von vornherein ausschließen, gab der SPD-Fraktionsvorsitzende Udo Hofmann zu bedenken. Um eine Betreiberform für den Einkaufsmarkt zu finden, sei doch bereits ein Arbeitskreis gebildet; nun könne man nicht mehr stehen bleiben. Außerdem bestünde auch noch gute Hoffnung, einen Partner für das Lebensmittelgeschäft zu interessieren. "Dieses Vorhaben bringt unsere Innenstadt nach vorn," betonte Hofmann. Je mehr Zeit verrinne, um so weniger werde man erreichen.

Hans Partheimüller (CSU) sieht nicht nur die kaufmännische Seite des Vorhabens. Mit Blick auf die städtebauliche Funktion der künftigen Marktscheune entschloss er sich im Gegensatz zu seinen Fraktionskollegen, das Projekt mitzutragen.