Die kleinste Glocke war die einzige, die bis zum Schluss läuten durfte. Doch Anfang November ist schließlich auch sie verstummt. Ist die Erlöserkirche zukünftig etwa ein Gotteshaus ganz ohne Glockenklang? Nein. Anette Simojoki, Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, gibt Entwarnung: Die vollkommene Stille sei den laufenden Renovierungsarbeiten im Glockenstuhl geschuldet gewesen.

Betonung auf gewesen. Denn just vor drei Tagen war es wieder da, das laute "kloooong" - und zwar aller vier Glocken. Der Baudynamiker hat seine Messinstrumente aufgestellt und geprüft, ob die Sanierung des Glockenstuhls erfolgreich war. "Wir waren bis zum Ende nervös", sagt Hochbautechniker Bernd Kullak, der Bausachverständige der Gesamtkirchengemeinde - das ist der Zusammenschluss der sechs evangelischen Kirchengemeinden in Bamberg.

Eine Glocke nach der anderen durfte schwingen, am Schluss alle vier zusammen. Das Ergebnis war sogar besser als erwartet: Heute bewegt sich der Turm mit einem "Schwingweg" von nur noch 0,4 Millimetern. Dafür gab es das offizielle "ok" vom Baudynamiker. Zum Vergleich: Vor den Baumaßnahmen hatte sich der Turm bis zu 11 Millimeter in jede Richtung bewegt.

Das hatte ein Gutachten ergeben, dessen Folge der Stillstand der Glocken war - eine Sicherheitsmaßnahme. Das Ingenieurbüro schrieb laut Kullak, dass diese Turmbewegung die Obergrenze dessen war, was bei 350 Kirchtürmen gemessen wurde. "Hauptgrund war, dass die vier Glocken die sogenannte Eigenschwingfrequenz des Turmes angeregt haben", erklärt Waldemar Hans aus dem Kirchenvorstand.


Glocken schwingen nun unterschiedlich schnell

Bernd Kullak erläutert, warum das nun nicht mehr passieren wird: "Wir haben die zwei großen Glocken verlangsamt und die kleineren schneller gemacht. Auch die Schlagzahlen wurden geändert." Das bedeute, dass bei den großen Glocken der Klöppel nicht mehr so häufig gegen den Klangkörper schlägt wie ursprünglich. Die Glocken schwingen damit nicht mehr in der Frequenz des Turmes.

Und dann ist da noch der Glockenstuhl aus Stahl - "einer der letzten", wie Waldemar Hans anmerkt. "Den kann man nicht einfach rausnehmen." Also wurde er umgebaut. Um etwa Platz zu schaffen für die Aufhängung der Glocken, sogenannte Joche. Ehemals aus Stahl, sind sie nun ersetzt durch schweres Eichenholz. Das größte Holzteil hat allein eine Höhe von 1,38 Metern und erreicht mit Glocke 3,22 Meter. Außerdem hat die Glockenbaufirma die Antriebsmotoren und Steuereinheiten angepasst.


70 000 Euro Eigenanteil der Gemeinde

Rund 140 000 Euro hat die Sanierung insgesamt gekostet. Einen Teil trägt die Landeskirche, einen weiteren die Gesamtkirchengemeinde und der letzte "Batzen" bleibt für die Erlösergemeinde - 70 000 Euro, von denen 50 000 bereits dank Spenden auf dem Konto sind. Für die restlichen 20 000 Euro ist Pfarrerin Simojoki zuversichtlich, dass auch diese noch zusammenkommen. Wer einen Teil dazu beitragen möchte, kann auf folgendes Konto überweisen: Kirchengemeinde Erlöserkirche Bamberg, Sparkasse Bamberg, IBAN: DE90 7705 0000 0000 0044 65.

Die vier Glocken kann man auch selbst ganz nah erleben - sofern man sich nicht scheut, die Treppe im Innern des 51 Meter hohen Turms hinaufzusteigen. Kirchner Rolf Lang bietet Führungen an, im Gemeindebrief werden die Termine bekannt gegeben: Der erste ist Mitte Dezember.