Eigentlich heißt es ja "Schnupperfliegen". Weil die internationale Fliegersprache aber eine andere ist, spricht man heute auch im Merkendorf von "Try & Fly". Aber ganz unabhängig von Titeln könnte es sein, dass der Motorfliegerclub Merkendorf am Samstag sein letztes Schnupperfliegen oder auch sein letztes Try&Fly veranstaltet hat. Denn das Vereinsgelände des MfC Merkendorf soll einem Windpark weichen, und Windräder und Modellflugzeuge vertragen sich bekanntlich nicht.

Flugmodellsport im Aufwind

Weil es aber noch nicht soweit ist, hatte der MfC Merkendorf noch einmal zu seinem "Schnupperfliegen" eingeladen, und "Try & Fly" lockte ungeachtet der unsicheren Zukunft wieder Kinder, Jugendliche und Junggebliebene an.

Erfahrene Modellflieger, darunter gestandene Wettbewerbs piloten, zeigten den Teilnehmern den Umgang mit den Steuerknüppeln - schließlich will so ein Flugmodell genau so gesteuert werden wie ein "echtes" Flugzeug.
Der Flugmodellsport befindet sich seit geraumer Zeit im Aufwind.

Die technische Entwicklung der Fluggeräte und Fernsteuerungen macht den Einstieg in dieses Hobby immer preiswerter und leichter. So widmet sich der MfC, der seit über 30 Jahren sein Fluggelände auf der Anhöhe zwischen Merkendorf und Starkenschwind betreibt, seit jeher der Jugendarbeit und "Nachwuchspflege" - mit Erfolg.

Kai Brückner (19) gilt als einer der besten RC-Helikopterpiloten Deutschlands, Johannes Stöhr (13) fliegt erfolgreich bayernweit in der F3K-Wettbewerbsklasse mit. Das jüngste Mitglied ist der neunjährige Michl Schmidt, der seine Segelflugzeuge so souverän durch die Merkendorfer Luft steuert wie mancher "alter Hase".

Vorsichtige Kritik

Allen gemeinsam ist die Sorge um ihren Modellflugplatz. Er liegt mitten im Windkraftanlagen-Vorranggebiet Starkenschwind-West. Und alle drei Youngsters wundern sich - wie auch die älteren Vereinsmitglieder - über das Vorhaben, dort oben Windkrafträder aufzustellen. Sollte es dazu kommen, müsste der MfC sein Gelände samt schmuckem Vereinshaus schließen - Modellflug und Windkrafträder vertragen sich nicht.

Vorsitzender Guido Hannich formuliert seine Kritik dennoch vorsichtig. Man merkt: Er ist bei aller Emotionalität um Sachlichkeit bemüht. Mit Spannung erwarten die Hobbypiloten die Ergebnisse der Windmessungen. Schließlich kennen die Flieger die dortigen Windverhältnisse seit Jahrzehnten sehr genau. Mit ihren Modellen fliegen sie täglich in Höhen über 150 Meter, und sie wissen: der Wind streicht eher gemächlich über die beschaulichen Anhöhen. Wie damit ein wirtschaftlicher Betrieb von Windrädern möglich sein soll, ist Hannich ein Rätsel.

Im MfC weiß man natürlich, dass der Windkraftanlagenausbau politisch gewollt ist. Der Verein sieht sich in der Defensive, aber man fragt sich, ob es da nicht eine Diskrepanz gibt zwischen den Versprechen der Windkraftanlagenbauer und der tatsächlich möglichen Leistung. Darüber hinaus wundert man sich, wie es überhaupt zur Ausweisung des Vorranggebiets kommen konnte. Die Anhöhe liegt genau einen Kilometer Luftlinie von den Merkendorfer Wohngebieten entfernt. Inzwischen spricht sich sogar Ministerpräsident Seehofer für einen Mindestabstand von 1500 Meter aus.

Planungssicherheit zunichte

"Wenn die Windräder kommen sollten, war das diesjährige Schnupperfliegen das letzte", sagt Hannich. Erst vor wenigen Jahren hat der MfC sein Fluggelände dem Verpächter abgekauft - der Verein wollte damit Planungssicherheit schaffen. Die ist durch das Vorranggebiet zunichte gemacht. Es würde für den Verein sehr schwierig werden, ein neues Fluggelände zu bekommen.

Vorstandsmitglied Peter Stöhr, Informatikprofessor an der Hochschule Hof, ist überzeugt, dass es auf eine "Loose-Loose-Situation" hinausläuft: "Der MfC wäre Geschichte, die Landschaft wäre verschandelt, und die Windmüller hätten ihre Invesitionen in den Schwachwind gesetzt."

Noch ist keine Entscheidung gefallen, und die Modellflieger betreiben weiter ihr Hobby, wenn auch mit einer gewissen Beklemmung. Auch der kleine Michl Schmidt steuert weiter seine Flugzeuge über den Wiesen und Feldern. Er hat durchaus begriffen, was auf dem Spiel steht, und hat sich eine Meinung gebildet: "Sogar ich weiß, wie hier der Wind weht", sagt er selbstbewusst. Er ist sicher, dass es auch nächstes Jahr ein Schnupperfliegen geben wird, und freut sich darauf, seinen Altersgenossen zu zeigen, wie's funktioniert.