Skeptiker seien gleich beruhigt: Die bildlichen Gegenstände und Figuren auf den künftigen Glasfenstern der St.-Elisabeth-Kirche haben keine Ähnlichkeit mit der Bronzestatue "Apoll" an dem Gotteshaus im Sand. Davon konnten sich die vielen Besucher der Vernissage im Kunstraum Kesselhaus schon einmal überzeugen. Markus Lüpertz, einer der renommiertesten deutschen Gegenwartskünstler, zeigt im Maßstab 1:1 auf Papierkarton seine Entwürfe für die acht Fenster.

Allein schon diese Werke seien "mit ihrer visuellen Kraft ein außerordentlich beeindruckendes künstlerisches Statement", betonte Barbara Kahle, Vorsitzende des Kunstvereins Bamberg, und sprach von "expressionistischer Formensprache mit ausdrucksstarken Bildern". Diese seien jedoch nicht in erster Linie als autonome Bilder zu betrachten, sondern darauf angelegt, sich im individuellen Kirchenraum mit dessen Lichtverhältnissen und Proportionen zu entfalten: "Das sollte immer mit bedacht werden, bevor die öffentliche Diskussion losbricht", mahnte Kahle.

Der Kunstverein hatte gemeinsam mit der Dompfarrkirchenstiftung St. Peter und St. Georg zur Ausstellungseröffnung eingeladen, unterstützt vom Architektur-Treff Bamberg, dem Diözesanmuseum und dem Förderverein Kunstraum-Jetzt. Dieses breite Bündnis steht sozusagen für die Umsetzung des Projektes, zeitgenössische Glasmalerei in einem historischen Kirchenraum zu etablieren. St. Elisabeth ist die ehemalige Spitalkirche einer bürgerlichen Sozialstiftung. Der Chor wurde um 1400 errichtet, das bestehende Langhaus knapp 100 Jahre später. Bei der Instandsetzung des Inneren am Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch das erhaltene Chorscheitelfenster gestiftet, während die anderen acht Fenster ohne bildnerischen Inhalt blieben.

Die Kirche, die sich im Eigentum der Stadt Bamberg befindet und von der Dompfarrei liturgisch genutzt wird, unterzieht sich derzeit einer umfassenden Sanierung. Die künftigen monumentalen Glasfenster werden weit über den Kirchenraum hinaus eine Strahlkraft entwickeln. Und zwar nicht nur durch Licht, Form und Farbe, sondern auch wegen ihrer religiös-theologischen Botschaft. Markus Lüpertz thematisiert Szenen aus dem Leben der Kirchenpatronin Elisabeth, denen jeweils Werke der Barmherzigkeit zugeordnet werden. "Es sind Bilder des Glaubens und einer Heiligen, die mit ihrer überzeitlichen Forderung nach Nächstenliebe aktueller ist denn je", erklärte Hans Lyer, einer der Glasfenster-Initiatoren und Pfarrer der Gottesdienst-Gemeinde St. Elisabeth.


Aufwertung für die Kirche

Auch Erzbischof Ludwig Schick, mit Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) Schirmherr der Ausstellung, würdigte diese Kunstwerke von Markus Lüpertz, weil sie "den Geist der Nächstenliebe, der Solidarität, der Barmherzigkeit, der Menschenwürde erhalten". Die Heilige Elisabeth habe in das damalige Deutschland mit ihrer "Karriere nach unten Wärme in die soziale Kälte gebracht", so der Erzbischof. Er freue sich, dass mit diesem Projekt etwas für die Kultur und die Stadt Bamberg getan werde, "die freundlich und liebenswürdig bleibt".

OB Starke ist sich sicher, dass die St.-Elisabeth-Kirche nach der Sanierung ein Anziehungspunkt sein wird und durch die Glasfenster eine Aufwertung erfährt. Starke erinnerte daran, dass Markus Lüpertz bereits 2006 mit seiner Ausstellung von Großplastiken in Bamberg Spuren gelegt habe. Ein dauerhafter Fußabdruck sei eben der "Apoll" vor der Kirche im Sand.

Malerfürst Lüpertz selbst räumte ein, dass die "Werkstattgeschichte Entwürfe Fantasie braucht, um sich Fenster vorzustellen und hinter den Kartons Licht zu sehen". Daher sei er mit klopfendem Herzen ins Kesselhaus gekommen: "Papier ist ruppig", meinte er. Lüpertz bezeichnete Malerei als ein "intelligentes Metier", das er als "Traditionalist mit aktuellem Anspruch" ausfülle. Er werde alles tun, dass die Fenster großartig werden: "Das bin ich mir selbst schuldig für die Ewigkeit".

Die Initiatoren der Glasfenster verhandeln noch mit Markus Lüpertz über die Endsumme für das Projekt, die sich im sechsstelligen Euro-Bereich befinden wird. Dafür werden Spender und Sponsoren gesucht.

Die Ausstellung "Glasfenster für die Kirche St. Elisabeth im Sand" von Markus Lüpertz ist im Kesselhaus, Untere Sandstraße 42 (Eingang Leinritt) bis zum 29. November zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr.