Hatschi! Jetzt hilft's noch nicht. Nicht bei der mords-Erkältung, die sich da im Dunstkreis des Termins mit vielen Ärzten und Medizinstudenten entwickelt hat. Oder war es einer unserer Bürgermeister, der mir beim Händeschütteln was mitgegeben hat? Egal. In ein paar Jahren zumindest soll dieser Termin jedenfalls dauerhafte (Ver-) Besserung bringen: Ein Landarzt, der auch in 30 Kilometer Entfernung von Bamberg greifbar ist. Hatschi!

Die Diagnose hat sie richtig gestellt und gleich die richtige Therapie gewählt, unsere Gesundheitsministerin: Dem Landärztemangel hat sie eine "Werbekur" verordnet. Die Ursache: "In Oberfranken ist bald jeder dritte Hausarzt über 60." Mit dem Verein Oberfranken Offensiv hat Melanie Huml die Verbindung zum Lehrstuhl für Allgemeinmedizin der Uni Erlangen hergestellt und versucht, den medizinischen Nachwuchs mit einer geballten Dosis an Informationen dafür zu begeistern, Allgemeinarzt auf dem Land zu werden.

Über 20 Erlangener Medizin-Studentinnen und -Studenten unterzogen sich dem Infotag unter dem Motto "Meine Zukunft als junger Hausarzt auf dem Land". Den praktizierten Oberfranken Offensiv und der Bezirksverband Oberfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes gemeinsam. Das Leben als Landarzt in der Region Bamberg schmackhaft machen - dazu gehörten natürlich auch eine Dosis Bamberger Hörnla und eine Mixtur aus Landkreis-Landschaft. So war die Busfahrt überland nach Zapfendorf ihrerseits Bestandteil der groß angelegten Werbeveranstaltung, die aus verschiedenen Besichtigungen, Fachvorträgen und Diskussions teilen bestand. Die Scheßlitzer Juraklinik durfte dabei freilich auch für sich als Ausbildungsstation im Rahmen des Medizinstudiums werben.


Aufwartung gemacht

In der Juraklinik erfuhren die Studierenden (aus dem fünften Semester und aus dem Praktischen Jahr ), wie begehrt sie bereits jetzt sind: Landrat Johann Kalb und eine stattliche Anzahl an Landkreisbürgermeistern sowie Vertreter des öffentlichen Lebens artikulierten die Beschwerden: In der Region kündigt sich ein Gesundheitsproblem an, weshalb man rechtzeitig Prophylaxe betreiben und damit tätig werden möchte.



74 Gäste, 20 Studenten - "Sie sind das Objekt der Begierde", stellte der Landrat klar und: "Wir umwerben Sie und zeigen uns von unserer schönsten Seite".

Nicht weniger engagiert als Kalb versuchte Dr. med. Petra Reis-Berkowicz (Allgemeinmedizinerin in Gefrees) für das Landarzt-Dasein zu werben. Sie griff dabei auf den Selbstversuch zurück - 25 Jahre praktizierte Allgemeinmedizin, die "Königsdisziplin" der Medizin. Abwechslungsreiche Familienmedizin, die den ganzen Menschen betrifft, vom Säugling bis zum Senior. Stichwort Familie: Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei beim Allgemeinmediziner auf dem Land gut praktizierbar.

Krippen, Kindergartenplätze, niedrige Lebenshaltungskosten, hohe Lebensqualität, Natur, Sport, zitierte die Ärztin wichtige Positionen auf der Positivliste. Aus dem Negativ-Image strich sie 60-Stunden-Wochen und ausufernde Bereitschaftsdienste heraus. Dafür beleuchtete sie das Spektrum der Möglichkeiten, innerhalb derer man praktizieren kann. "Das System hat sich flexibilisiert". Sie empfahl diverse Fördermöglichkeiten auch während des Studiums. "Die Menschen brauchen Sie", legte sie den angehenden Medizinern als Fazit ans Herz.


Rekrutierungsversuch

Landrat Kalb fackelte nicht lange. "Sie nehmen wir", versuchte er scherzhaft eine Gruppe Studenten schon jetzt für den Landkreis zu verpflichten. Etwas dezenter, aber nicht weniger überzeugt in der Sache ging Helmut Krämer zu Werk. "Ist Ihnen das zu aufdringlich?", wollte der Heiligenstadter Bürgermeister wissen. Ein Zehntsemester analysiert die Angelegenheit rein wissenschaftlich: "Ich sehe die Möglichkeit, es mir aussuchen zu können." Allerdings sieht er sich seiner Heimat Hof verpflichtet.

Auf jeden Fall sei man intensiv informiert worden, resümmiert Johanna Mühldorfer (23). Fest steht nur, dass die Erlangerin raus aus dem Ballungsraum will. Im fünften Semester habe sie sich aber noch nicht endgültig festgelegt. Dennoch, dieser Informationstag sei "sehr motivierend" gewesen.
Melanie Huml will auch im Jahr 2016 wieder motivieren. Gut so, darauf ein kräftiges Hatschi!