Allzuviele Sentimentalitäten sind nicht drin. "Das ist nun mal so, wenn man Schafe hält und auch ihr Fleisch vermarktet", sagt Jürgen Beil. Und so müssen 20 bis 25 der etwa 60 Lämmer, die er bis Ostern in seiner Herde erwartet, den Weg nach Bamberg antreten. In die Lichtenhaidestraße.

Der Meedensdorfer Landwirt ist dabei, wenn aus den kleinen Coburger Fuchsschafen, Merinos, Landschafen, Dorber und Heidschnucken (beziehungsweise den Gekreuzten) Bratenfleisch wird.

Immer montags von 4 bis 10 Uhr legt er im Schlachthof bei seinen Tieren selbst Hand an, denn er hat die theoretische Prüfung für den Sachkundenachweis zum Schlachten schon bestanden, braucht aber noch einige Praxisstunden. Im Sommer soll dann das EU-zertifizierte Schlachthaus auf seinem Hof in der Ortsmitte von Meedensdorf fertig sein.


Schaf-Mädchen leben länger

Das Geschlecht spielt eine Rolle beim Aufwachsen-Dürfen. Außerdem Körperbau und die Fellbeschaffenheit. Für die meisten Böckchen ist das Leben eher kurz. "Wir setzen nicht auf Wolle, sondern auf Fleischqualität", erklärt Jürgen Beil. Direktvermarktet wird das ganze Jahr über - seit einigen Wochen jetzt im ganz neuen Hofladen. Vor Ostern hat die Nachfrage nach Lammfleisch Hochkonjunktur.

Die Herde der Familie Beil , in der auch Burenziegen, Deutsche Edelziegen und Milchziegen mitlaufen, liefert jedoch nicht nur Fleisch, sondern sondern hat noch eine ganz andere Aufgabe: die Landschaftspflege. Sie ist eingebunden ins BayernNetzNatur-Projekt "Blühender Jura im Landkreis Bamberg", dessen Ziel es ist, die landschaftsprägenden Trockenbiotope auf dem Jura zu erhalten und die langfristige Pflege und Bewirtschaftung zu sichern.

Ab Mai weiden die Tiere unter anderem bei Königfeld und Wölkendorf, aber auch mal am "Börstig" in Hallstadt. Bis sie an ihrem "Arbeitsplatz" sind, ist das eine ganz schöne Fahrerei.

20 Vierbeiner passen in den Transportanhänger. Jeden Tag muss Jürgen Beil dann nach seinen Schafen und Ziegen schauen, sie tränken und nachsehen, ob alles sind Ordnung ist. Nun gibt es auf dem Fränkischen Jura keine Wölfe oder Luchse, die den großen und kleinen Herdenmitgliedern gefährlich werden könnten.


Ziegen sind die Polizei

Bei allen anderen Bedrohungen weiß Jürgen Beil seine Tiere in guten Händen (Klauen): "Die Böcke passen da schon auf. Denen sollte keiner zu nahe kommen. Und die Hörnerziegen. Oh ja. Das sind die Polizistinnen. Die können richtig giftig werden", schmunzelt er.

"Wenn die Trockenmagerrasen nicht gemäht oder beweidet werden, verbuscht alles", erklärt Projektleiterin Christine Hilker vom Landschaftspflegeverband Landkreis Bamberg. "Dann verlieren die daran angepassten Pflanzen ihren Lebensraum."

Ein Wanderschäfer aus dem Nürnberger Land und drei Landwirte mit Ziegen und Schafen in Koppelhaltung erhalten Geld aus Landschaftspflegemitteln, wenn ihre Herden auf Flächen im Projektgebiet unterwegs sind. Dazu kommt die Beweidung durch Tiere anderer Bauern im Rahmen des normalen Wirtschaftsbetriebs.
"Wichtig für die Landschaftspflege ist, dass in den Herden auch Ziegen mitlaufen, weil die die Pflanzen ganz anders verbeißen", so Christine Hilker.

Bis auf die ganz kleinen, die noch ausschließlich Muttermilch trinken, "arbeiten" die jungen Schafen und Ziegen schon fleißig mit.


Die Hälfte bleibt übrig

Rund siebeneinhalb Kilo bleiben übrig von einem Milchlamm mit einem Lebendgewicht von 15 Kilo. Bei denen, die beim Schlachten 40 Kilo schwer sind, nimmt Jürgen Beil zwischen 18 und 21 Kilo aus dem Schlachthof wieder mit heim.

Zartes Fleisch zum Braten und und Lammbratwürste entstehen aus den jungen, Hartwurst und Krakauer aus den älteren Schafen.

Und doch gibt es Tiere auf dem Beil-Hof, die nicht unters Messer kommen. "Die, die ich mit der Hand aufgezogen habe", sagt Tanja Beil, deutet auf ihre ehemaligen Flaschenkinder in der Herde und nennt ihre Namen.
Ein bisschen Sentimentalität darf doch sein.