Der Fasching lärmt landauf und landab seinem Höhepunkt entgegen. Bunt treiben's die Narren, um die Partygesellschaft bei Laune zu halten. Während sich viele Kabarettisten und andere kreative Köpfe, die das Publikum normalerweise bespaßen, ein Päuschen gönnen. Einige Bühnen in und um Bamberg aber bieten ein Alternativprogramm für Zuschauer, die sich dem reglementierten Frohsinn entziehen und trotzdem amüsieren wollen.



Beginnen wir mit einer "literarischen Wundertüte", die auf dem einstigen Schaeffler-Gelände am Rosenmontag zu erleben ist: Wiglaf Droste, begleitet von Ralph Schüller mit Gitarre und Gesang. Zuschauer erwartet ein satirischer Polemiker, dessen Lyrik Liebe und Leben, Essen und Trinken, Politik und Kultur mit Heiterkeit und "fröhlicher Härte" besingt. "Erstmals präsentieren wir in der Alten Seilerei mit Droste einen berühmten Dichter", sagt Jakob Fischer als Programmleiter. Man habe "mit dem ,Tucholsky der Gegenwart' ganz bewusst einen Schriftsteller eingeladen, der nicht auf Bestsellerlisten oder großkalibrigen Literaturevents erscheint - aber ein bewundernswertes Gefühl für Wort und Witz beweist". Zumal der groteske Humor Drostes geradezu ideal in die Faschingszeit passe.



Flucht vorm Kölner Karneval

Dem Fasching in der Weltliteratur spürt Martin Neubauer am Brentano-Theater mit Carl Herbert Braun nach. So entflieht der in Köln lebende Regisseur und Akteur der "Fünften Jahreszeit" am Rhein, um sich an der Regnitz dem närrischen Geschehen mit Wortgewalt zu widmen. "Jenseits des Lärms, von Helau und Humtata erwarten Zuschauer wirbelnde Maskenzüge, bizarre Fratzen, phantastische Figuren und schillernde Scherze", so Neubauer als Brentano-Theater-Prinzipal. Zum poetischen Fastnachtstreiben würden sich auch Hans Sachs, Mozart, E.T.A. Hoffmann, Wagner, Ringelnatz, Tucholsky, Goethe und andere Größen gesellen. "Die Alltagskleider abgetan!" lautet das Motto, unter dem die Akteure am Rosenmontag und Faschingsdienstag Abgründiges, Hochkomisches und Skurriles bis hin zu einem "Ascherdonnerstagsmärchen" servieren.



Ein karnevalistisches Special, das ebenfalls nichts mit dem Pappnasen-Standardprogramm gemein hat, ließ sich das Ensemble Ernst von Leben für den Faschingsdienstag einfallen. Im Stilbruch veranstaltet die Impro-Theatertruppe eine Parade mit Kostümen und Requisiten, für die das Publikum sorgt. "Wir nehmen alle Mitbringsel auf und improvisieren daraus Szenen", sagt Felix Forsbach. "Clownsnasen, Lederhosen, Schaukelpferde? Bunsenbrenner, Salatschleudern und Wählscheibentelefone? Bitte vorbeibringen!" Und was sich dann unter dem Motto "Ernst die Kleider, dann das Vergnügen" in der Obere Sandstraße 18 ergibt, bestimmt das Publikum beim Knallbonbon der Impro-Shows am Veilchen-Dienstag.

Beim "Bamberger Literaturfestival" gastiert am Faschingssamstag Helmut Schleich. Und wer sich noch rechtzeitig Tickets sichern konnte, erlebt im Kulturboden Hallstadt das sechste Soloprogramm des Kabarettisten: "Ehrlich." Wobei der streitbare Polit-Polterer und Strauß-Imitator den "Vertrauensvampiren zwischen Bayern, Berlin und Brüssel auf die Zähne fühlt".



Viele Anspielungen auf Bamberg

Am E.T.A. Hoffmann Theater können sich Faschingsmuffel am letzten Faschingswochenende "Krähwinkel in Aufruhr" ansehen: Noch gibt's Karten für die Provinz-Posse mit vielen Anspielungen auf Bamberg. Im Großen Haus erlebt man die zeitgemäße Variante von August von Kotzebues Lustspiel "Die deutschen Kleinstädter", uraufgeführt in Wien 1802.


Leichen ruhen

Das Ensemble des Wildwuchs-Theaters macht sich während des Karnevalsendspurts rar. Der Club Kaulberg verwaist seit dem letzten Januartermin der Lesereihe "Leichen im Keller". Totenstill ist's - nicht anders als im Theater am Michelsberg. Auch die Akteure des Theaters im Gärtnerviertel erweisen sich als Faschingsmuffel. "Schauspieler verkleiden sich so oft, drum steht ihnen nicht der Sinn danach, sich noch im Privatleben zu kostümieren", meint Heidi Lehnert. Allerdings begleitet die Regisseurin Bela, ihren fünfjährigen Sohn, zum Kinderfasching. Als Tiger verkleidet sich der Knirps, für den Lehnert auch "kostümbildnerisch tätig wird".



Musikalische Alternativen zu Trommelwirbel, Tusch und Täterä bieten die Schweineohren am "unsinnigen" Donnerstag im Pelikan: seit Jahren ein Muss-Termin für etliche Funk- und Soulfans. Für eine Gute-Laune-Show sorgen IZE im Live Club am Rosenmontag. Fünf Mittelfranken fegen über die Bühne, um mit fetten Beats die Stimmung steigen zu lassen. Am Faschingsfreitag und -samstag heißt's mit der United Beatband im Jazzkeller: "Let's dance!" Musikalische Erinnerungen an große Rock- und Beatsongs der 60er und 70er Jahre sollen aufleben.


Termine und Infos auf einen Blick

Faschingslesung mit Wiglaf Droste und Ralph Schüller (Musik), Alte Seilerei (Schaeffler-Gelände), Rosenmontag, 8. Februar, 19 Uhr. Karten gibt's über den BVD-Ticketservice.

Fasching in der Weltliteratur präsentiert von Carl Herbert Braun und Martin Neubauer unter dem Motto "Die Alltagskleider abgetan", Brentano-Theater (Gartenstraße 7), 8. und 9. Februar, jeweils ab 20 Uhr. Plätze kann man sich unter 0951/ 54528 reservieren lassen.

"Das Knallbonbon der Impro-Shows" am Faschingsdienstag mit dem Ensemble Ernst von Leben unter dem Motto "Ernst die Kleider, dann das Vergnügen" im Stilbruch, Obere Sandstraße 18, 20 Uhr

Gute-Laune-Show im Live Club mit IZE (Popmusik trifft auf Funk) am 8. Februar ab 21 Uhr, Obere Sandstraße 7 (freier Eintritt)

"Krähwinkel": Eine Provinzposse mit Schlagermusik am E. T. A. Hoffmann Theater: 5. Februar (20 Uhr), 6. und 7. Februar (19.30 Uhr), Tickets via Homepage.

Party mit SOS im Pelikan: Funk und Soul bieten die Schweineohren am "unsinnigen" Donnerstag, 4. Februar, ab 21 Uhr in der Unteren Sandstraße 45.

"Meet the Beat" heißt's am 5. und 6. Februar mit der United Beatband ab 21 Uhr im Jazz-Keller (Obere Sandstraße 18)