Die Montessori-Schule Bamberg zieht zum Schuljahr 2016/2017 möglicherweise für fünf Jahre in Teile der ehemaligen Bach-Schule. Der Montessori-Trägerverein wäre dann Untermieter der Arbeiterwohlfahrt, die das Gebäude seit Beginn des Schuljahrs langfristig von der Stadt Bamberg gemietet hat. Der AWO-Kreisverband plant dort ein Bildungshaus für Migration, wäre aber bereit, befristet Räume an die Montessori-Schule abzutreten.


Noch kein Durchbruch

Das ist das Ergebnis eines Gesprächs, zu dem sich zwei Tage vor Weihnachten die politische Spitze der Stadt Bamberg mit Vertretern von AWO und Montessori-Verein trafen. Der Durchbruch, auf den Schulreferent und Bürgermeister Christian Lange wohl insgeheim gehofft hatte, ist nicht gelungen, bedauerte er. Was man geschafft habe, sei, ein Raumprogramm auszuhandeln.

Zwei wichtige Fragen sind aber offen geblieben, sagte Lange gestern auf Anfrage über den Ausgang der Unterredung, die hinter verschlossenen Türen stattfand. Knackpunkte der Gespräche, die gleich im Januar weitergehen sollen, sind demnach die Mietkonditionen und die Frage, welche bauordnungsrechtlichen Auflagen bei einer gemeinsamen Nutzung des historischen Gebäudes zu erfüllen sind. Und: wer die Kosten dafür tragen soll.

Martin Ammermann vom Trägerverein der Montessori-Schule äußerte sich nach dem Gespräch denn auch nicht euphorisch, sondern vorsichtig optimistisch über den Stand der Dinge. Er würdigte das Bemühen von Oberbürgermeister und Bürgermeister, der Schule zu helfen, und hält eine Zwischenlösung im Vorderen Bach grundsätzlich für machbar.

Räumlich käme man klar: Die Grundschulklassen würden im jetzigen Montessori-Standort am Jakobsberg bleiben, die in Container an der Erlöserschule ausgelagerte Sekundarstufe würde in die alte Bach-Schule verlagert.


Bundespolizei hat Vorrang

Noch bis vor wenigen Wochen konnte der Verein davon ausgehen, dass ihm ab Februar 2016 die ehemalige US-Highschool zur Verfügung steht. So war es mit der Stadt schon länger vereinbart.

Die aktuellen Entwicklungen machten einen Strich durch die Pläne der Montessori-Schule: Der Bund reklamiert inzwischen auch die leer stehende Highschool auf der Konversionsfläche für seine neue Bamberger Polizei-Akademie. Der Verein hat das Nachsehen und muss mehrere Vorhaben, mit denen die Schule weiter entwickelt werden sollte, erst einmal auf Eis legen.

Schulreferent Lange wie Ammermann betonten, sie seien "sehr dankbar", dass sich AWO-Kreisgeschäftsführer Werner Dippold bereit erklärt habe, Räume abzutreten. Aus Ammermanns Sicht stellt aber vor allem die Finanzierungsfrage eine "große Hürde" dar.

Der Verein könne eine ortsübliche Miete bezahlen, sei aber nicht in der Lage, sich mit viel Geld an Sanierung oder Umbau der alten Bach-Schule zu beteiligen: "Die Politik muss sich schon noch was überlegen."

Womit er auch Land und Bund anspricht und ausdrücklich die Abgeordneten gefordert sieht, sich auch jetzt für die Montessori-Pädagogik in Bamberg einzusetzen, da sie in Nöten sei. "Der Zulauf ist weiter erheblich." Die Hiobsbotschaft von den geplatzten Highschool-Plänen habe sich nicht negativ auf die Nachfrage ausgewirkt.

Der Bürgermeister verknüpft mit der angedachten Interimslösung im Bach die Hoffnung, dass Politik und Verwaltung dann fünf Jahre Zeit haben, einen neuen Standort für die Montessorischule auf dem Konversionsgelände zu finden.

Auch der Verein, für den Ammermann spricht, will langfristig seine Absicht verwirklichen und in den Osten der Stadt ziehen.

Der AWO-Kreisvorsitzende Werner Dippold war am Dienstag für die Lokalredaktion leider nicht erreichbar.