Ostern, dasFest der Auferstehung, das Frühlingsfest. Heuer ließen die äußeren Bedingungen kaum Frühlingsgefühle aufkommen; die Gedanken tendierten mehr zu Weihnachten und Glühwein.

Trotzdem: Die Christenheit feierte das Osterfest, Bamberg erlebte den ersten Touristen-Ansturm der Saison und Besucher wie Bewohner trotzen Schneeflocken und eisigen Temperaturen beim traditionellen Osterspaziergang.

Bis zur Stirn gegen die Kälte und den schneidenden Wind geschützt besuchen die einen die Sehenswürdigkeiten der Stadt, während die anderen durch den Hain spazieren. Nicht in großer Menge, aber doch bemerkenswert viele trotzen der widrigen Witterung.

Auch die Ausflugsschiffe sind wieder auf der Regnitz unterwegs und aus dem Lautsprecher ist die Stimme zu hören, welche die einzelnen Touristenattraktionen erklärt.

In der Osternacht feiert im Dom Erzbischof Ludwig Schick mit zahlreichen Gläubigen den Auferstehungs-Gottedienst. Vor dem Fürstenportal wird das Osterfeuer entzündet und feierlich in das dunkle Gotteshaus getragen.

Von Kerze zu Kerze reichen die Gottesdienstbesucher das Licht weiter. "Das Licht", so der Erzbischof, "ist die Quelle des neuen Lebens". Brot, Wasser, Licht, Friede, Glauben, Hoffnung und Liebe sind für ihn die Quellen des neuen Lebens und in seiner Predigt ruft Ludwig Schick dazu auf, "achtsamer mit diesen Quellen umzugehen".
Und er ergänzt: "Wir haben keine materiellen Probleme in Europa, sondern geistige, geistliche Probleme."

Die Domkantorei unter der Leitung von Domkapellmeister Werner Pees begleitet den Gottesdienst und als Höhepunkt erklingt in Begleitung von Domorganist Markus Willinger das "Halleluja" aus dem "Messias" von Georg Friedrich Händel. In diesem feierlichen Rahmen erhält in der Osternacht eine erwachsene Frau das Sakrament der Taufe.

Zu den österlichen Bräuchen zählt die Segnung der Speisen. Vor dem Altar steht in dieser Nacht eine ansehnliche Zahl von Körben mit unterschiedlichen Speisen.

Auch Rita und Hans-Joachim Wagner haben ihren Korb dort abgestellt. Darin befinden sich neben Ostereiern und Osterkerzen ein eigens für das Fest gebackener Kuchen und eine Flasche Rotwein. "Nehmen Sie Gottes Segen mit in ihren Alltag", hatte Erzbischof Ludwig Schick die Gottesdienstbesucher verabschiedet.

"Wir sind eine große Familie und möchten Gottes Segen mit in unseren Alltag nehmen", erklärt das Ehepaar auf die Frage, warum es diese Speisen segnen lässt. Der Kuchen wird am Ostersonntag mit den vier Kindern gegessen, den Rotwein wollen sie nach dem Auferstehungsgottesdienst zu Hause genießen.

Am Ostersonntag stellt sich nach dem Gottesdienst und vor dem Osterspaziergang in manchen Familien die Frage, wo heuer die Eiersuche stattfinden soll. Draußen pfeift der Wind und Schneeflocken tanzen. Für Tanja Amon ist es keine Frage: "Wir sind hart, wir suchen bei jedem Wetter die Ostereier draußen."

Schon immer versteckt die Bambergerin die Osternester für ihre Kinder im Garten; sie müssen sich halt dick eingepackt auf die Suche machen. Auch ihre knapp zweijährige Tochter "wird ein Ei auf der Terrasse finden", verrät die dreifache Mutter.

Die Osternester sind mit bemalten Ostereiern, kleinen Süßigkeiten und Schokolade gefüllt. "Nichts Großartiges, das irgendwie ausartet", so Tanja Amon. Einzig ihr Sohn erhält als "besonderes Geschenk" ein Leselampe, damit er im Auto schmökern kann.

Für Alexandra Raab steht dagegen fest: In diesem Jahr werden die Osternester in der Wohnung versteckt. "Wir haben keinen Garten und müssen uns darum auf die Suche in der Wohnung beschränken," so die zweifache Mutter.

Allerdings müssen die Verstecke zunehmend schwieriger werden, etwa in der Truhe, hinter dem Schrank oder weit unter dem Sofa. Die Kinder sind schon 17 und 18 Jahre, wünschen sich jedoch immer noch Nester, die sie suchen können, obwohl sie die "gewöhnlichen Plätze" längst kennen.

Früher hat ihre Familie die Suche auch schon in den Hain verlegt. Ihr Mann sei dann vorausgegangen, habe die Ostereier "fallen gelassen", so dass die Kinder sie "zufällig" im Moos oder auf dem Laub am Boden fanden, erinnert sich Alexandra Raab.