Die A 7 ist mit fast 1000 Kilometern die längste nationale Autobahn Europas, führt von der dänischen Grenze bis runter nach Österreich und bringt auch Doris Schumann aus Jena ihrer Tochter in Friedrichshafen näher. Am Steuer sitzt ihr Manfred, wie Doris Schumann erklärt. "Wir sind aber nicht verheiratet." Sie lächelt Manfred Lasotta verschwörerisch an. Sie 71, er 75 Jahre alt: entspannte Rentner, die gern unterwegs sind. Nach dem Familienbesuch soll's noch ein paar Tage ins Allgäu gehen.


Die Sonnenseite der A 7

Jetzt gibt's erst einmal ein Ei. Und ein Pausenbrot im Grünen, an einem sonnigen Tisch am Rastplatz nahe Gnötzheim, wo ich mich den beiden als Reporterin vorstelle. Ich bin hier, weil ein Dartpfeil die Landkarte im Kreis Kitzingen neben der Autobahn getroffen hat.
Vom Satellitenbild weiß ich, dass in der Nähe ein Solarpark sein muss, denn der Pfeil landete an einer Stelle, an der die A 7 von Photovoltaik-Modulen gesäumt ist. Das Kraftwerk Gnötzheim besteht aus fünf Solarparks mit gut zehn MWp Nennleistung. Es kann Strom für 4000 Haushalte produzieren.


Dorfidylle mit Getreide- und Stromfeldern

In Martinsheim, der Gemeinde, zu der Gnötzheim gehört, leben 1000 Menschen. Gnötzheim selbst, das ich später als außerordentlich hübsches Dorf mit viel Sandstein, Holz und liebevoll bepflanzten Vorgärten entdecken werde, hat nur 300 Einwohner, blickt aber auf eine 1000-jährige Geschichte zurück. Es hat eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit einem ungewöhnlichen romanischen Portal. Über die Ortsgeschichte informiert eine Tafel vor der 500 Jahre alten Zehntscheune. Und selbst auf den historischen Fachwerkgebäuden: schwarzblauglänzende Solarmodule.
Bereits auf der Fahrt hierher sind mir die Leitungen aufgefallen, die immer wieder die zweispurige Autobahn kreuzen. An der A 7 wachsen Wein und Getreide, aber auch Strom wird geerntet. Am frühen Nachmittag werde ich über einen Feldweg an dem Punkt ankommen, den der Pfeil auf der Karte markiert hat: zwischen einem Weizen- und einem Photovoltaikfeld. Surrende Transformatoren und Verkehrsrauschen. Ich werde hinter einer Mauer aus Gebüsch die Führerhäuser vorbeidonnernder Lkw aufblitzen sehen und begreifen, dass die Photovoltaikmodule zu flach sind, um vom Rastplatz aus gesehen zu werden.


Planlos hinterm Grünstreifen

Aber in der Mittagshitze auf der anderen Seite des Grünstreifens, als ich bei Doris Schumann und Manfred Lasotta stehe, ist mir ein Rätsel, wo das Solarkraftwerk ist. "Mögen Sie eine Cola?", fragt die nette Frau mit Thüringer Dialekt, während ich überlege, ob es möglich ist, 45 000 Photovoltaikmodule zu übersehen. lch lehne die Cola ab, möchte noch einen Abstecher auf die andere Seite des Rastplatzes machen, bevor ich den Solarpark suche.


Rast und Zwangspause

Urlauber und Berufsfahrer sind auf der Autobahn so nah beieinander - und doch in völlig verschiedenen Welten. Lkw rechts, Pkw links. Auf dem Rastplatz haben sie getrennte Parkplätze. Kaum Berührungspunkte, höchstens mal eine Begegnung im Toilettenhaus. Autofahrer machen Pausen in der Sonne, weil sie das wollen. Laster stehen, weil sie Standzeiten einhalten müssen.
Michael Bächmann kniet vor seinem Lkw. Er stellt die Radabdeckungen nach. "Ist alles noch neu", erklärt er. "Den Lkw habe ich erst am Montag bekommen." Seine Begeisterung für das neue Fahrzeug hält sich aber in Grenzen. "Aus dem Alter bin ich raus." Seit über 30 Jahren ist der 51-Jährige als Berufskraftfahrer auf deutschen Straßen unterwegs. Die gravierendste Veränderung sei, das heute alles reguliert werde. Nicht nur vom Staat, auch bei den Kunden würden die Vorschriften mehr.


Die A 7 und die Katastrophen-A 3

Im Vergleich zu vielen seiner Kollegen ist der Brummifahrer aus Erlangen-Höchstadt gut dran. Er macht Tagestouren, muss nicht übernachten, "Das ist heute meine zweite Fahrt", sagt er. "Palettenware." Er fährt Putz vom Zementwerk in Karlstadt am Main zur Baywa nach Bad Windsheim. Genau wie die Rentner aus Thüringen ist er auf der A 7 gut durchgekommen. Keine großen Baustellen, kein Stau. "Meist bin ich auf der A 3 unterwegs. Die ist eine Katastrophe! Da leiten sie dich wegen einer Baustelle auf eine Parallelstrecke um - und da ist dann die nächste Baustelle." Lkw-Fahrer schauen immer auf die Zeit. Termine schaffen. Ruhezeiten einhalten. Bächmann muss bei Gnötzheim Pause machen. Er drückt an den Radabdeckungen herum, während er vom Alltag auf der Autobahn berichtet. Gekochte Eier und Schnittchen gibt's in seiner Pause nicht.

Im siebten Teil der Serie berichtet Peter Groscurth am Dienstag, was er in Hohenholz entdeckt hat.

Und auch Manfred Lasotta und Doris Schumann rasten nahe Gnötzheim im Kreis Kitzingen. Fotos: Natalie Schalk