Es war ein Antrag der SPD-Fraktion, der jetzt in nicht öffentlicher Sitzung leise, still und heimlich beerdigt werden sollte. Darin beantragte Stadtrat Thomas Fischer (SPD), die ökologisch wertvollsten Teile des Flugplatzes Bamberg, insgesamt 38 Hektar Rasenflächen, zum Naturschutzgebiet zu erklären.

Was im Oktober 2011, kurz nach dem Beschluss über die Verbreiterung der Landebahn auf 20 Meter als politisch gewünscht erschien, ist es heute offenbar nicht mehr. Eine Diskussion in nicht öffentlicher Sitzung endete mit einer klaren Niederlage für die Grünen. Auch die SPD stimmte gegen ihren eigenen Antrag - bis auf Thomas Fischer.

Ein Versuch von Ursulas Sowa (GAL), die Debatte in die öffentliche Sitzung zu ziehen, scheiterte. Die Stadt fürchtet offenbar Nachteile in den Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, wenn über den Flugplatz gesprochen wird. Dabei war es das wichtigste Argument der Grünen neben dem Naturschutz: Durch die Errichtung eines Schutzgebiets könnte der Verkaufswert des Flugplatzes gegen null gesetzt werden.

Doch offenbar gibt es Gewichtigeres als diese Erwägungen. Die Firma Brose, die an der Breitenau und damit in unmittelbarer Nachbarschaft des anvisierten Schutzgebiets einen neuen Standort mit bis zu 1200 Arbeitsplätzen schaffen will, mag sich durch Naturschutzauflagen offenbar nicht einengen lassen, so verlautete es jedenfalls in der Sitzung. Und merkwürdiges Zusammentreffen: Auch die Regierung von Oberfranken, die die Naturschutzpläne anfangs mit Nachdruck verfolgte, hat zwischenzeitlich Abstand genommen.

Doch es droht Widerstand: Bund Naturschutz, die Naturforschende Gesellschaft sowie die Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz wollen beim Flugplatz eine Absage an den Naturschutz nicht akzeptieren. "Wir fürchten, dass Brose immer wieder neuen Erweiterungs- und Flächenbedarf anmelden wird", sagte BN-Chef Heinz Jung unserer Zeitung. Man muss wissen: Der Flugplatz beherbergt die wertvollsten zusammenhängenden Magerrasenflächen der Region. Hier leben viele selten Pflanzen- und Tierarten.

Doch muss nach dem Beschluss im Stadtrat nicht befürchtet werden, dass der Flugplatz überbaut wird. Nicht nur die Firma Brose braucht ihn. Auch die Stadt Bamberg steht zur Nutzung der 90 Hektar großen Fläche als Sonderlandeplatz. Deshalb hat der Bausenat vor Kurzem eine Veränderungssperre verfügt. Der Beschluss fand eine Mehrheit, weil die Festschreibung auch die vorhandenen Pflanzengesellschaften vor Zerstörung schützt.