Am Samstag, 1. Oktober, lädt Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) rund 1000 Flüchtlingshelfer nach München ein. Der Empfang soll ein Dankeschön an die Ehrenamtlichen sein. Doch nicht alle werden der Einladung folgen - aus Protest gegen die Asylpolitik der Staatsregierung. Florim Gashi aus Bamberg dagegen hat die Einladung nicht in den Papierkorb geworfen: Der 41-Jährige geht hin und will dort eine Botschaft überbringen.

Warum engagieren Sie sich so stark für Flüchtlinge?
Florim Gashi: Das hat einen einfachen Grund: Ich bin 1992 selbst als Flüchtling aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Außerdem habe ich Kontakte zu vielen Menschen in der Stadt. Ich sehe mich als Vermittler zwischen den Flüchtlingen, den Behörden und Ärzten. Für mich war immer klar, dass ich Menschen helfe. Deshalb organisiere ich mit dem Migrationsbeirat der Stadt auch das Fußballturnier "Miteinander statt gegeneinander", weil Sport die beste Möglichkeit ist, um Menschen zu integrieren.

Sie sind vor allem in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken als ehrenamtlicher Helfer engagiert. Wie oft sind Sie dort?
In der Woche bin ich über 20 Stunden für die Leute in der Aufnahmeeinrichtung da. Ich bin der Ansprechpartner, weil ich mehrere Sprachen spreche. Außerdem trifft sich das Ombudsteam der Stadt Bamberg jeden Freitag auf dem Gelände. Das Team macht das, was eigentlich Aufgabe der Asylsozialberatung gewesen wäre, die es jetzt erst gibt.

Sie haben einen tiefen Einblick: Was ist aus Ihrer Sicht das Hauptproblem in der Einrichtung im Bamberger Osten?
Das Hauptproblem? Es gibt viele Probleme. Von der Essensversorgung über die Betten bis hin zu der Abschiebepraxis am frühen Morgen. Ich habe immer gesagt: Macht es bitte menschlich. Dass es funktioniert, habe ich selbst schon erlebt. In der Vergangenheit haben wir erreicht, dass alle Flüchtlinge aus den Balkanstaaten, die in der Stadt verteilt waren, freiwillig wieder ausgereist sind. Das ging nur, weil ich es den Betroffenen erklären konnte.

Viele Helfer wollen dem Empfang im bayerischen Landtag fern bleiben. Sie gehen trotz Kritik hin. Warum?
Naja, ich bin erst einmal froh, weil es eine Anerkennung von Seiten des Freistaats ist. Bisher haben wir überhaupt keine Anerkennung erfahren. Ich möchte bei der Gelegenheit aber auch eine Botschaft in Form eines Wunsches überbringen.

Was wünschen Sie sich denn von der Politik?
Es gibt so viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, aber die Regierung nimmt keine Rücksicht auf sie. Wenn ich jemandem, der krank ist, helfe und mit ihm zu den Ärzten fahre, dann wünsche ich mir, dass der Staat bei den wenigen humanitären Einzelfällen zeigt, dass er auch menschlich und großzügig handeln kann.