Bamberg"Ich erinner' mich noch an Omas guten Sonntagsbraten, weil Fleisch damals zu teuer war, um's öfter zu verzehren", erzählte Bambergs dritter Bürgermeister, Wolfgang Metzner, als er die Ausstellung "Ran an den Speck" im Foyer des Bamberger Rathauses am Maxplatz eröffnete. Es geht dabei um die Konsequenzen des "Fleischhungers der Menschheit". "Ran an den Speck" ist noch bis 4. Dezember zu sehen.

Welche ökologischen und sozialen Auswirkungen zieht unsere jetzige Ernährungsweise nach sich? Welche Alternativen in Richtung einer nachhaltigeren Fleischproduktion und individueller Konsumveränderung gibt es? Die EU-geförderte Ausstellung will zum Nachdenken anregen und stellt alternative Handlungsmöglichkeiten für jeden Einzelnen vor. Denn laut einer Hochrechnung der Welternährungsorganisation FAO wurden 2012 mehr als 300 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Der Pro-Kopf-Konsum lag im globalen Durchschnitt bei 42,5 Kilogramm im Jahr, Tendenz stark steigend.

Der deutsche Bundesbürger liegt mit ca. 60 Kilogramm deutlich darüber, was vier Mal so viel Fleisch wie noch zur Mitte des 19. Jahrhunderts und doppelt so viel wie vor 100 Jahren bedeutet.


Getreide wird verfüttert

Während etwa eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat, werden rund 15 000 Liter Wasser für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch benötigt. Aktuell hungern etwa 840 Millionen Menschen weltweit. Gleichzeitig verfüttern wir etwa die Hälfte der globalen Getreideernte und rund 80 Prozent der Sojabohnen an Tiere. All dies wird den Besuchern der Ausstellung auf illustrierten Bannern nähergebracht und regt so zum Nachdenken über das Kosumverhalten der Deutschen an.

Unterstützt wird die Ausstellung auch von der Stiftung "selbst bewusst sein", dem Agenda-21-Büro der Stadt Bamberg und dem Vegetarierbund Deutschland (Vebu) sowie der Regionalgruppe Bamberg.

Karl Fischer vom Bamberger Umweltamt hofft auf einen bewussteren Umgang mit Fleisch und einer Zusammenarbeit zwischen der Gastronomie und den Gärtnern: In Bamberg könnten nämlich frische Qualitätsprodukte von Bamberger Gärtnern und Bauern direkt an Gastronomiebetriebe geliefert und so eine regionalere, fleischfreiere Küche etabliert werden.


Nachdenken statt Vorgaben

Doch Manfred Lamm von der Stiftung "selbst bewusst Sein" betont, der Sinn der Ausstellung sei nicht das Auferlegen von Vorgaben. Es solle lediglich auf die Frage aufmerksam gemacht werden, wie man nachhaltig mit sich selbst und der Umwelt umgehen könne.

Lamm ist von der Notwendigkeit eines Gesellschaftsvertrags der Nachhaltigkeit überzeugt, da die temporären Bedürfnisse dieser Generation bereits die Ressourcen der nächsten verbrauchen.

Auch der dritte Bürgermeister Bambergs, Wolfgang Metzner, wundert sich: Er sei kein Kostverächter und kaufe sein Fleisch deshalb immer "beim regionalen Metzger um die Ecke" und ist immer wieder erstaunt über die Billigfleisch preise. Metzner betont, dass das Konsumverhalten der Deutschen als Nachfrage das Angebot bestimme und deshalb Handlungs- und Aufklärungsbedarf bestehe.


Was hilft wirklich?

Ergänzend fand dazu am Mittwochabend der Vortrag "Mit Messer und Gabel die Erde retten? Wege zu einer nachhaltigen Ernährung" vom Ernährungswissenschaftler und Ökotrophologen Markus Keller im Stephanshof statt. Im Mittelpunkt standen dabei die Fragen, wie wir zu einem nachhaltigeren Ernährungsstil kommen? Müssen wir alle Vegetarier werden? Ist Bio die Lösung? Oder sollten wir nur noch regionale Lebensmittel kaufen?