Ronald Rinklef hört ausschließlich Filmmusik. Ihn begeistert das Genre, seit er als Zehnjähriger eine Schallplatte mit der Musik zu "Krieg der Sterne" bekam. Samstag ist der Bamberger Zeitungsfotograf 48 Jahre alt und einer der größten Kenner der Szene. Aber obwohl er 7000 Scheiben zu Hause hat, kennt er nicht jede Komposition von Ennio Morricone.

Was ist das Besondere an Morricone?
Ronald Rinklef: Er hat Musik für über 500 Filme komponiert - das ist wahnsinnig viel, sogar für einen Filmmusik-Komponisten. Wobei er ein riesiges Archiv hat und vieles aus altem Material zusammenbastelt. Das ist gang und gäbe in der Branche. Bei dieser Masse sind viele italienische B-Filmchen dabei, vieles davon kenne ich gar nicht. Aber Morricone hatte eben auch immer sehr bekannte Filme der jeweiligen Zeit: so wie "Ein Käfig voller Narren" oder "Blutspur" in den 1970ern. Anfang der 80er war er mit der Musik zu "Der Profi" wochenlang in den Charts. Er hat viele Ohrwürmer gemacht. Weltweit hat er über 50 Millionen Alben verkauft. Das ist faszinierend.

Ist er wegen der Ohrwürmer so berühmt?
Ich denke schon. Warum er so hochgelobt wird, verstehe ich teilweise nicht. Es gibt Filmmusikkomponisten, die ich persönlich mehr schätze als Morricone.Wenn Morricone ein Konzert dirigiert, machen alle einen Kniefall: Der Meister kommt. Das merkt man dann auch am Preis. Morricone läuft unter Kunst - alle anderen einfach unter Filmmusik.

Trotzdem bekommt er erst jetzt einen Stern auf dem Walk of Fame. Warum?
Vom Bekanntheitsgrad her ist es erstaunlich, dass zum Beispiel der deutsche Komponist Hans Zimmer schon einen Stern hat und auch einen Oscar für den "König der Löwen". Der Stern für Morricone ist überfällig. Er ist jetzt 87 Jahre alt. Ich denke, es geht auch darum, dass er noch schnell die wichtigsten Ehrungen bekommen soll. Er hat Grammys für "Die Unbestechlichen" und "Die Legende vom Ozeanpianisten" - beides ist wirklich schöne Musik. Sein Lebenswerk wurde auch mit einem Oscar gewürdigt. Aber einen Oscar für eine seiner Kompositionen hat er nie bekommen, das fehlt ihm noch. Jetzt ist er mit dem Tarantino-Film "The Hateful Eight" wieder nominiert.

Ist die Musik zu dem Tarantino-Western oscarwürdig?
Nein. Was nicht bedeuten muss, dass er keinen Oscar bekommt. Es gab grauenhafte Musik, die in den vergangenen Jahren ausgezeichnet wurde. Musikalisch sind die Entscheidungen oft nicht nachvollziehbar, da geht's um andere Sachen. Den Altersbonus hat aber nicht nur Morricone: John Williams ist mit dem neuen "Star Wars" nominiert. Es kann gut sein, dass eine dieser Kompositionen den Oscar bekommt, obwohl beide nicht herausragend sind.

Was sind Morricones herausragende Werke?
Das Herausragendste hat er am Anfang seiner Karriere geschaffen: "Spiel mir das Lied vom Tod" und dann auch noch die Musik zu "Für eine Handvoll Dollar". Die Musik, mit der er berühmt wurde, gemeinsam mit Sergio Leone, diese Musik aus den 60er-Jahre-Western macht den typischen Morricone-Stil aus. Es ist diese spezielle Art der Instrumentierung, die Trompeten sind sehr speziell. Wer sich mit Filmmusik beschäftigt, erkennt daran sofort: Das ist Morricone. Der Stil ist jahrzehntelang gleich geblieben. Auch der neue Tarantino klingt so. Das Problem bei Morricone ist, das die Musik für Vorspann und Nachspann melodisch gut ist. Das dazwischen passt zum Film, ist aber für sich alleine eigentlich nicht hörbar. Aber bei den Melodien hat man den Film vor Augen. Das ist bei den modernen Kompositionsfabriken Hollywoods anders. Bei Hans Zimmer macht es heute fast keinen Unterschied mehr, ob die Musik für "Superman" oder "Der kleine Prinz" komponiert wird.

Das Gespräch führte Natalie Schalk.