Dieser Vorfall ist bis dahin einer der heftigsten: Ein 23-Jähriger nimmt am 18. November gegen 0.30 Uhr den Nothammer in die Hand und zerstört eine Scheibe des Stadtbusses. Daraufhin lässt der deutlich alkoholisierte Mann die Beine aus dem kaputten Fenster baumeln. Der Fahrer reagiert, hält unterwegs eine Streife der Bamberger Polizei an und meldet den Schaden. Die Beamten nehmen den rabiaten Fahrgast in Gewahrsam. Er muss mit 2,26 Promille die Nacht in der Ausnüchterungszelle verbringen.

Seit längerem macht den Stadtwerken eine bestimmte Personengruppe Probleme, zu denen auch der 23-Jährige gehört. Das bestätigt Sprecher Jan Giersberg gegenüber unserer Zeitung. Demnach hat die Gruppe nach dem Vorfall mit der Scheibe erneut randaliert, auch das Fahrpersonal der Linie wurde tätlich angegriffen. "Dank des besonnenen Verhaltens unserer Mitarbeiter und unbeteiligter Kunden konnten die Fahrgäste an die Polizei überstellt werden", erklärt Giersberg. Man wolle die Vorkommnisse konsequent verfolgen lassen. "Wir haben Strafanzeige gestellt."


"Sicherheit hat oberste Priorität"

Die Stadtwerke beschließen nach diesen Vorfällen, einen Sicherheitsdienst für die Nacht-Linie 935, die auch am Bambados hält, einzusetzen. "Für uns hat das Präventionscharakter. Die Sicherheit der Fahrgäste und Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität", sagt Giersberg. Seit dem vergangenen Wochenende fahren nun die ersten Sicherheitsleute im Bus mit. Bestimmten Personen werde die Beförderung untersagt.

Schnell schießen nach Bekanntwerden dieser Maßnahme die Spekulationen ins Kraut: Gerüchte zur Herkunft der Personengruppe, die mehrfach aggressiv aufgefallen ist, machen auf Facebook die Runde. Der Verdacht, dass es sich hierbei um Bewohner der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) im Bamberger Osten handelt.

Eine Nachfrage bei den Stadtwerken und der Polizei ergibt ein anderes Bild: "Der Vorfall steht in keinem Zusammenhang zur Aufnahmeeinrichtung", erklären unisono Stadtwerke-Sprecher Giersberg und Holger Düring von der Polizei. "Es handelt sich nicht um Bewohner der Einrichtung, sondern um Studenten." Diese nutzen die Linie, um zu ihrem Studentenwohnheim zu fahren: Wie von der Polizei zu erfahren war, sollen es konkret junge Austauschstudenten aus Spanien sein, die sich nicht zu benehmen wissen.


Bereits früher auffällig

Holger Düring, Sprecher der Polizei Bamberg-Stadt, betont, dass die Beamten eine fünfköpfige Gruppe beobachte. Schon einmal ist diese der Polizei aufgefallen. "Gegen einen Teil wird ermittelt", erklärt der Hauptkommissar. Auch, weil die Studenten bereits am 26. Oktober auf ihrem Nachhauseweg mehrere Roller und Mülleimer umgetreten hatten. Auch hier stehen Studenten der fünfköpfigen Gruppe im Verdacht, die Sachbeschädigungen begangen zu haben. Sie wurden damals vorläufig festgenommen.

Die Polizei will nun mehr Präsenz entlang der Buslinie 935 zeigen. Die Stadtwerke setzen vor allem am Wochenende bis auf Weiteres private Sicherheitsleute ein, bis sich die Lage beruhigt hat. "Ich denke, wir bekommen das in den Griff", betont Holger Düring.


Kommentar von Sebastian Martin:

Der Fall zeigt, wie empfindlich die Öffentlichkeit auf Vorkommnisse reagiert, die sich nur ansatzweise mit der Aufnahmeeinrichtung (AEO) im Bamberger Osten in Verbindung bringen lassen könnten. Straftaten werden in den sozialen Netzwerken reflexartig den Bewohnern der AEO in die Schuhe geschoben. Fest steht: Eine Gruppe unter den Bewohnern ist in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen. Ein großes kriminelles Potenzial scheint bei ihr vorhanden. Wir brauchen deshalb konsequente Aufklärung, keine Frage. Doch sind Ermittlungen Sache der Polizei. Liegen Ergebnisse vor, kann reagiert werden. Das Gegenteil passiert auf Facebook: Ein Gerücht verbreitet sich, die Reaktionen sind pauschal. Schnell geraten alle Bewohner der Aufnahmeeinrichtung unter Generalverdacht. Ohne jeden Beweis. Vorsicht ist in vielerlei Hinsicht angebracht. Vorurteile dagegen nicht. Doch sind diese da. Und sie sind unerträglich.