Ein vom Kollegen geschnorrtes Zigarillo und ein Feuerzeug, ein rosa Prinzessinnenkleid für 4,99 Euro, Baumwollwatte, Alleskleber und ein Eimer voll Wasser. Eigentlich war nicht geplant, dass das alles in dieser Geschichte vorkommt.

Nur ein Spaziergang durch die Bamberger Geschäfte sollte es sein. Um zu schauen, ob Faschingsfans mit großen Kleidergrößen tatsächlich nichts anderes übrig bleibt, als sich in Umhänge, Ponchos, Kaftane oder sackartige Clown-Overalls zu hüllen. Aber die Recherche zu einem munteren Service-Thema hat unversehens eine ganz andere Wendung genommen.

Stoff zwischen den Fingern reiben, Nase dranhalten, abschätzen, ob die Größenangabe der Realität entspricht - und immer wieder feststellen, dass man fast nichts anderes als Chemiefasern in den Händen hält. In bauschige Tüll-Wolken greifen, an vielen losen Enden aus feinem Gewebe zupfen. Man muss kein Hasenfuß sein, um sich dabei über Gefahren Gedanken zu machen.


Die Mitschülerin angezündet

Nicht, wenn ein grauenhaftes Unglück, das vor zehn Monaten in Deutschland durch die Presse ging, noch so lebhaft im Gedächtnis ist. Im März 2015 entsetzte die Nachricht von einem Unfall in Bottrop nicht nur Schüler und Eltern. Ein 17 Jahre altes Mädchen hat schwere Brandverletzungen erlitten, als sein aus Watte bestehendes Kostüm für eine Abiturienten-Mottowoche - wie es zunächst hieß - mit der brennenden Zigarette eines Schulkameraden in Berührung kam. Später stellte sich heraus, dass der 18-Jährige mit einem Feuerzeug herumgespielt hatte.

Dass es sich bei der Feier um keine Faschingsveranstaltung gehandelt hat, ist zweitrangig; ebenso, dass das Kostüm der Schülerin eine selbstgebastelte Verkleidung war.

Auch wenn man im Fachhandel viele Faschingskostüme bekommt, die aus schwer entflammbaren Materialien bestehen - es gibt andere Bezugsquellen, wo das nicht der Fall ist. Und dass es nicht gerade die beste Idee ist, ein Kostüm mit Sprühlack oder Glitzerspray aufzuhübschen, darauf kommt auch nicht jeder. Panik ist nicht angebracht, aber Vorsicht (und Verstand).


Alkohol macht leichtsinnig

Schickt man sein Kind also besser nicht im Prinzessinnen-Kleid vom Discounter zum Feiern? Kaum etwas dürfte so sicher sein, wie ein Kinderfasching. Jeder verantwortungsvolle Veranstalter (auch im privaten Kreis) wird darauf achten, das jegliche Zündquellen fern der Reichweite aller kleinen und auch der etwas größeren Narren sind. Als Mutter oder Vater sieht man sich sowieso erst gründlich im Raum oder der Halle um, bevor man seinen Sprößling zum Partymachen dalässt.

Und wo es nichts anderes zu trinken gibt als Apfelsaft, Wasser und Cola scheidet eines schon mal aus: der durch Alkoholgenuss bedingte Leichtsinn.

Auch wer nicht sturzbetrunken ist sondern nur "angeheitert" , kann sorglos und unvorsichtig werden. Wem der Promillepegel diktiert, dass zum Schmusesong beim Faschingsball Feuerzeugschwenkerei angebracht erscheint, der kann im Handumdrehen das Engelshaar der Sitznachbarin zur giftig kokelnden Masse machen.
An die Öffentlichkeit gelangen immer nur die ganz schlimmen Fälle. Ungezählt sind die "Gerade-noch-mal-gut-gegangen"-Ereignisse, bei denen Schaden an der Kleidung oder kleinere Brandwunden entstanden sind.


Viel zu wenig Warnungen

Mit alldem im Hinterkopf, hat das Stöbern in den Geschäften einen zweiten Aspekt bekommen: Wird auf den Produktinformationen am Kostüm auf die schnelle Entflammbarkeit der Stoffe hingewiesen?

Viel zu wenig. Stattdessen sind auf mehreren Plastikverpackungen die üblichen Warnungen vor Erstickungsgefahr für Kleinkinder (durch die Tüte) und vor der Verschluckbarkeit von Kleinteilen zu lesen.

Wo nicht gewarnt wird, da dürfte auch nichts schnell brennen, oder? Auf der Pappumhüllung des zweiteiligen rosa Kinderkostüms, das für unser Brandexperiment herhalten muss, wird auf eine Schadstoffprüfung hingewiesen. Immerhin. Aber das war's dann auch.

Die obere Lage Tüll am Rock verzieren wir auf der Vorderseite mit fünf weißen Bällchen aus Baumwollwatte, festgemacht mit Alleskleber. Welches Ergebnis die Anzündeversuche hatten, sehen Sie im Video:




Unfälle mit Kostümen und Feuer

Es sind vor allem Kostüme aus Chemiefasern - aber nicht nur - die im Fall eines Kontakts mit Feuer die Träger in Lebensgefahr bringen können. Auch andere zarte Gewebe mit großem Volumen werden von den Flammen schnell verzehrt.

2010 kam beim Faschingszug in Ganderkesee (Niedersachsen) ein elfjähriger Junge mit seinem Kostüm, an dem sich Stroh befand, in die Nähe eines mit Gas betriebenen Heizstrahlers. Das Stroh geriet in Brand. Einige Erwachsene versuchten sofort, das Feuer zu löschen. Der Junge und ein 32 Jahre alter Helfer erlitten dabei schwerere Verletzungen. Drei weitere Erwachsene wurden ebenfalls verletzt.

Bei einer Faschingsfeier im Hof eines Anwesens in Lützelbach-Breitenbrunn (Odenwaldkreis) ist eine 19 Jahre alte Frau 2013 mit ihrem Bärenkostüm einer Tonne mit offenem Feuer zu nahe gekommen. Auch sie wurde schwer verletzt. Die Polizei in Höchst hat hier ein Fremdverschulden ausgeschlossen.

Ein 43-Jähriger hat 2013 in einem Lokal in Innsbruck Brandverletzungen erlitten, weil sein Faschingskostüm Feuer fing. Laut Polizeibericht entzündete der Mann bei einer Faschingsaufführung ein bengalisches Feuer. Dabei geriet sein imprägniertes Kostüm in Brand. Begleiter halfen dem Mann, das brennende Kleidungsstück in einem Brunnen vor dem Lokal zu löschen.

In einer Spezialklinik behandelt werden musste auch ein 22-Jähriger, der im März 2011 im Anschluss an einen Faschingszug in der Neusser Innenstadt schwer verletzt wurden. Er trug ein selbstgebasteltes Kostüm aus Papier, Watte und Sprühkleber. Als er sich mit einem brennendem Stück Pappe eine Zigarette anzünden wollt