Wo hätte es das gegeben vor 30 Jahren. "Von guten Mächten..." in der evangelischen Fassung bei einer Wallfahrt! "Das hätte uns damals möglicherweise eine Meldung beim Domberg eingebracht, zu der Zeit, als der Anton angefangen hat", lacht Lorenz Schlund.

Mittlerweile ist dieses Lied nach einem Text von Dietrich Bonhoeffer fester Bestandteil des Programms beim Pilgergang der Pfarrgemeinde St. Bartholomäus Buttenheim zur Basilika Gößweinstein. Am 24. Juni ist es wieder so weit.

Anton Nüßlein erinnert sich: "Es hat uns sogar mal einen neuen Mit-Wallfahrer eingebracht, zu dem die unbekannte Melodie beim Kirschenpflücken herüber schallte, und der sich uns im nächsten Jahr angeschlossen hat."

Seit drei Jahrzehnten ist der 75-Jährige Wallfahrtsführer in Buttenheim. Mit neun Jahren hat er seinen ersten Pilgergang angetreten. "Damals war es üblich, dass die ganz jungen Leute nur die halbe Stecke gelaufen sind." Nur ein einziges Mal hat er - aus Krankheitsgründen - die Wallfahrt ausfallen lassen müssen.


Etwas kürzer treten

Heuer wird der Ketschendorfer Kirchenpfleger sich einige Teilstrecken fahren lassen müssen. Das gefällt ihm zwar nicht, doch es geht nicht anders. "Die Gesundheit macht nicht mehr alles mit, was ich gern hätte. "

Seit 15 Jahren hat Nüsslein mit Lorenz Schlund jemanden, der ihn bei den Vorbereitungen unterstützt und mittlerweile einen großen Teil der Aufgaben übernommen hat.

"Jetzt machen wir das schon so lange und haben trotzdem letztes Jahr zusammen den vom Erzbistum angebotenen Lehrgang für Wallfahrts- und Pilgerführer gemacht", sagt der ehemalige Geschäftsführer einer Steuerberatung. "Vermittelt wurde dort anderem, wie man Wallfahrten zeitgemäß gestaltet."

Das passiere in Buttenheim schon seit längerem, sagt Lorenz Schlund. Er sieht vor allem darin den Grund, dass vermehrt wieder jüngere Leute zum Kreis der Buttenheimer Gößweinstein-Pilger stoßen. "Man muss immer mal andere Impulse bieten und nach und nach Neues ausprobieren."

Das gilt auch für den Wallfahrtsweg, der im Laufe der Zeit immer wieder kleinere Veränderungen erfahren hat und der heuer 30,5 Kilometer lang ist. Seit dem vergangenen Jahr ist er etwa einen Kilometer länger, dafür aber sicherer. Jetzt führt das letzte Teilstück von Moggast bis Gößweinstein nur noch über Flurwege.

"Das war ganz anders, als ich jung war," wirft Anton Nüßlein ein: "Da sind wir ausschließlich auf der Landstraße gelaufen. Zum Problem wurde das erst, als der Autoverkehr immer mehr zugenommen hat."


Nur auf der Landstraße gelaufen

Heute haben die Buttenheimer ihre Feuerwehr dabei, die mit einem Fahrzeug vorn und einem hinten die Wallfahrt absichert. Die Wehrleute sind auch das "Fachpersonal", wenn es darum geht, kurzfristig den Verkehr zu regeln. "Nach der Straßenverkehrsordnung darf eine Zivilperson nämlich nicht die nicht die Verkehrsregelung übernehmen", erklärt Lorenz Schlund. In den Autos ist auch Platz für Wallfahrer, die sich schwierigere Teilstrecken, wie zum Beispiel den Jura-Aufstieg bei Ebermannstadt doch nicht zumuten wollen oder können.

Anton Nüßlein: "Bei uns gehen auch über 80-Jährige mit - und zwar die ganze Distanz. Jeder weiß, was er sich zumuten kann." Und zu Hause bleiben muss niemand: Einen Bus-Dienst gibt es auch.

Seit über 250 Jahren existiert die Buttenheimer Wallfahrt zur Heiligen Dreifaltigkeit nach Gößweinstein. Zum großen Jubiläum 2010 kam auch Erzbischof Ludwig Schick und hat das Wallfahrer-Amt gehalten. Doch es existieren schon ältere Nachweise als die vor 257 Jahren: In Form von einzelnen Abrechnungsbelegen für die Verköstigung für Pfarrer, Fahnenträger, Vorbeter, Schullehrer und Kirchenpfleger.

Heute muss jeder für sein Essen und Trinken bei der Morgenrast und am Wallfahrtsort selbst ins Portemonaie greifen. Unterwegs jedoch bringen oft gute Geister aus der Pfarrei eine Stärkung vorbei. "Die kommen mit dem Auto, machen den Kofferraum auf und da ist dann alles voller Kuchen."

Zwischen 15 und 20 Mitglieder der Jugendblaskapelle Buttenheim sind nicht nur für die traditionellen Lieder zuständig, sondern auch für die Unterhaltung in den Gaststätten. Und auf einem Hohlweg im Wald spielen sie das Frankenlied. "Jeder wartet da drauf", schmunzelt Lorenz Schlund.


Neue Elemente kommen dazu

Er bemüht sich, in den Wallfahrtsablauf mehr und mehr moderne geistliche Lieder einzubauen. Und meditative Gebete. "Das zieht die jüngeren Leute an." Von der Anmeldung der Wallfahrt beim Landratsamt über die "heiße Phase" der Vorbereitungen, bis zum Start nach dem Reisesegen in der Kirche, hat ein Wallfahrtsführer 20 bis 30 Stunden Arbeit hinter sich gebracht, rechnet Schlund zusammen.

"Seit 15 Jahren sind wir zu zweit. Anton Nüßlein hat alle Kontakte - er kennt am Domberg fast jeden - und ich kümmere mich um alles Schriftliche. Außerdem gibt es noch einen Dritten im Bunde als Vorbeter, der wächst jetzt in alles mit rein."


"Ein besonderer Tag"

"Die Wallfahrt ist ein besonderer Tag im Jahreslauf," sagt der Buttenheimer. "Man hält inne, dankt in der Gemeinschaft für das vergangenen Jahr und bittet für das neue. Viele Leute, die mitgehen, haben ganz konkrete Gebetsanliegen. Für manche spielt auch die Herausforderung, dass sie die Wegstrecke (noch) schaffen, eine Rolle."

Letzteres ist für den 67-jährigen Ruheständler, der läuft und wandert, schwimmt und - jetzt nicht mehr so oft - Fußball spielt, kein Problem. Doch für ihn steht das Herauskommen aus der Hektik des Lebens im Vordergrund. "Das fängt schon beim nicht alltäglichen Start in den Tag bei Dunkelheit an."

Die vertrauten Wallfahrtslieder, Fürbitten und Impulse, abwechselnd mit dem Marschieren im Schweigen, versetzen ihn, der auch auf dem Weg mit dafür verantwortlich ist, dass alles klappt, in meditative Stimmung. "Früher hat ma fünf oder sechs Rosenkränze gebetet und sonst nichts. Heute nur noch einen. "Er bringt mich in den Laufrhythmus und in eine monotone Gelassenheit."


Jubiläum mit dem Erzbischof gefeiert

Zwischen 120 und 140 Teilnehmer fanden sich in den letzten Jahren durchschnittlich zum Pilgergang nach Gößweinstein ein. Bei der Jubiläumswallfahrt waren es 160. "Es ist immer auch ein Treffpunkt für diejenigen, die schon lange aus Buttenheim weggezogen sind, und die sich zu diesem Termin wieder hier einfinden. Mindestens 15 bis 20 Leute. Wir haben stets auch Gruppen aus den ehemaligen Filialgemeinden Seigendorf und Friesen dabei." Das Teilnehmerverhältnis Frauen zu Männer liegt bei 60:40.

Auch Anton Nüßlein freut sich wieder auf viele alte Bekannte, die er nur zu diesem Anlass trifft. Er liebt die Geselligkeit und ist immer "auf Achse". Der 75-jährige gelernte Maurer, der vor der Rente einige Jahre bei Bosch arbeitete, ist jetzt Shuttle-Fahrer beim VW-Zentrum und hat viel mit Kunden zu tun.

Wer ihn kennt, hat ihn auch schon im Fernsehen und auf der Kinoleinwand gesehen. In "Resturlaub", "Die drei Musketiere" und dem zweiten "Sams-Film" beispielsweise oder in einer TV-Episode von "Pfarrer Braun" war er ebenso Statist, wie bei Calderon-Festspielen vergangener Jahre in Bamberg - und das keineswegs nur in stummen Rollen. "Ich hatte mich einmal beworben, wurde genommen und jetzt bin ich halt drin in der Kartei," sagt er bescheiden.