Knapp ein Vierteljahr nach der Inbetriebnahme der Aufnahme- und Rückführungseinrichtung (ARE) auf dem ehemaligen US-Kasernengelände gibt es dort erstmals so etwas wie Schule.

"Wir sind gerade dabei, ein Unterrichtsangebot aufzubauen", berichtet auf Anfrage Barbara Pflaum, die Fachliche Leiterin der Staatlichen Schulämter in Stadt und Landkreis Bamberg. Zwei Lehrer und ein Dolmetscher kümmern sich nach ihren Angaben um derzeit 90 schulpflichtige Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren. Man hat sie - nach Alter - in fünf Gruppen eingeteilt.

"Die Kinder kommen gerne", lautet die Erfahrung der Schulamtsdirektorin nach der ersten Unterrichts-Woche. Ihrer Behörde und den Lehrern wird an der Birkenallee räumlich und personell viel Improvisationstalent abverlangt.

Pflaum rechnet damit, dass bald noch sehr viel mehr Mädchen und Jungen im schulpflichtigen Alter kommen und zusätzliche Räume und Lehrkräfte benötigt werden.


"Geht um Wiedereingliederung"

Planen lässt sich der Unterrichts-Bedarf nicht. Er kann sich ständig durch die begonnenen Umsiedlungen (siehe obigen Beitrag), durch Abschiebungen und Ausreisen ändern. Je nach Stand der Asylverfahren halten sich manche Familien schon mehr als drei Monate in Bayern auf, so dass ihre Kinder der Schulpflicht unterliegen.

Beim Unterricht für ARE-Kinder steht nicht etwa das Erlernen der deutschen Sprache im Mittelpunkt. Den Grund nennt Oliver Hempfling, der Sprecher der Regierung in Oberfranken: "Es geht um die Wiedereingliederung daheim."

Es würden vor allem musische und handwerkliche Dinge vermittelt, Englisch und Mathe. Die Kinder und ihre Eltern stammen durchweg vom Balkan; weil ihre Herkunftsländer als sicher gelten, droht ihnen die Abschiebung.

Sehr froh über das neue Schulangebot zeigt man sich beim Verein "Freund statt fremd", der sich um Flüchtlinge kümmert. Er kritisiert seit Bestehen der ARE, dass es keinerlei professionelle Betreuung für Kinder gibt bzw. gab.