Bange Blicke auf Briefkästen gehören ab sofort der Vergangenheit an. Nach 52 Tagen Streik sind die Briefzusteller der Post wieder unterwegs. Catharina Beyer, Einzelhändlerin in der Langen Straße in Bamberg, hatte gleich einmal Grund zur Freude. Im Briefkasten lag nämlich Dienstagvormittag ein wichtiges Schreiben ihrer Rentenversicherung. "Alle meine Daten sind in Ordnung", erzählt Beyer strahlend. Geschäftspost kam meist pünktlich an - dank der Zustellung durch Postbeamte, die nicht streiken durften. "Nur zuhause kamen einige Sendungen verspätet an", meint die Geschäftsfrau. Ansonsten sei der Arbeitskampf fast spurlos an ihr vorbei gegangen.

Nicht alle Stadtteile betroffen
Ähnliches schildert Werner Renz, Inhaber einer Schuhreparatur auf der anderen Seite der Langen Straße. "Ich bekomme nicht so häufig wichtige Post ins Geschäft", so Renz. Bamberg bildete wohl eine Oase der Zustellung inmitten der zähen Tarifverhandlungen bei der Deutschen Post. Nur im Bereich der Nürnberger Straße, am Kunigundendamm oder der Wunderburg warteten Bürger oft vergeblich auf wichtige Briefe oder Päckchen an.

Beamte mussten mehr arbeiten
Laut Angaben der Gewerkschaft Verdi hätten sich etwa 120 Postbeschäftigte von insgesamt 280 Beschäftigten am Ausstand in Stadt und Landkreis Bamberg beteiligt. Vor allem verbeamtete Zusteller hätten durch Mehrarbeit einspringen müssen, damit sich die Auswirkungen in Grenzen hielten. So wie etwa Hans-Jürgen Endres, der mit seinem gelben Wägelchen durch die Augustenstraße läuft und die Briefkästen bestückt.

Endres hat durchgearbeitet, ist aber trotzdem zufrieden, dass sich Post und Gewerkschaft endlich geeinigt haben, wie er gesteht: "Viele Menschen haben mich täglich auf den Streik angesprochen. Jetzt wird sich unsere Arbeit wieder normalisieren." Schließlich gibt es in den Verteilzentren viel unsortierte Post. Diese Briefberge müssen nun nach und nach ausgeliefert werden.

Hat sich der ganze Aufwand dann überhaupt gelohnt? Für die betroffenen Beschäftigten anscheinend schon. Er sei erleichtert, sagt ein Postangestellter, der seinen Namen nicht nennen möchte und der in den vergangenen Wochen im Bereich Bamberg im Streik war. Erleichtert über die Einigung zwischen Verdi und seinem Arbeitgeber. Für weitere vier Jahre sei für ihn nun gesichert, dass er nicht in eine andere Gesellschaft des Post-Konzerns mit schlechterer Bezahlung ausgelagert werde. 20 Prozent weniger Gehalt hätten gedroht, "das ist ein Haufen Geld", fügt der Familienvater an.

Fünffache Menge an Briefen
Gerade auch im Hinblick auf die zunehmende Belastung. Immer mehr Pakete seien in den vergangenen Jahren dazu gekommen. Darunter Sendungen mit schweren Hantelbanken oder Tierfutter, die oft bis in den dritten Stock geschleppt werden müssten. Bis zu 80 Pakete, schätzt der Austräger und Verbundzusteller, müsse er am Tag ausliefern. In der Weihnachtszeit seien es bis zu 150 Pakete. An manchen Tagen reiche die Arbeitszeit kaum aus, um alles zu erledigen. Und nun nach vier Wochen Streik sei auch in seinem Bezirk einiges liegen geblieben.

"Die Pakete sind nicht so das Problem, diese wurden durch Vertretungen ausgefahren", schätzt der Zusteller. Vielmehr seien jedoch Briefe in fünffacher Menge liegen geblieben. Gemeinsam mit einer Aushilfe stellt der Postler nun die Sendungen zu. Dennoch wird er wohl die ganze Woche brauchen, bis er auf dem normalen Stand sei. Deshalb würde nun zunächst die wichtige Post ausgetragen werden, also frankierte Umschläge und Einschreiben. Infobriefe würden erst einmal vernachlässigt. Der Austräger ist froh, "dass die Kunden jetzt ihre Post wieder regelmäßig bekommen. Die Reaktionen waren am Dienstag überwiegend positiv."

Post kommt nach zwei Jahren an
Manch kuriose Anekdote halten die Nachwehen des Streiks aber dennoch bereit. So schrieb eine FT-Leserin, dass sie nach drei endlosen Wochen wieder Post im Briefkasten hatte. "Ich muss sagen, irgendjemand räumt anscheinend mal gründlich den Laden auf!" Denn der Brief, den sie erhalten hat, wurde bereits am 29. Juli 2013 abgeschickt. "Er fand nach schlappen 702 Tagen den Weg doch noch zu mir." Was ein Foto des Rechnungsbelegs dokumentiert. "Wen nun auch noch aktuellere Sendungen den Weg zu mir finden, würde ich mich sehr freuen", schreibt die Postkundin voller Hoffnung.
Zu was ein Streik doch alles gut sein kann.