Oliver Hoßbach steht am Bahnhof in Bamberg und freut sich wieder einmal diebisch auf die Zugfahrt nach Würzburg. Dabei hat der 47-Jährige die Strecke schon unzählige Male zurück gelegt. Stets ganz vorne, mit bester Aussicht von einem äußerst bequemen Sitz aus. Hoßbach ist Lokführer, seit 25 Jahren.

Gelangweilt geht er die Routinefahrt aber nicht an. Ganz im Gegenteil: Wenn Hoßbach in sein Führerhaus steigt, dann packt ihn der Ehrgeiz. Der Triebfahrzeugführer möchte die Fahrgäste nicht nur sicher und pünktlich ans Ziel bringen, er will auch stets seine Fahrweise optimieren. "Energiesparendes Fahren" lautet das Motto. Auch bei der Bahn.

Auf der Strecke Richtung Würzburg hat Hoßbach die verschiedene n Bildschirme deshalb ständig im Blick. Wann muss ich bremsen? Wo kann ich die Geschwindigkeit reduzieren? Wann kann ich rollen lassen? "Wie im Straßenverkehr geht es auch hier um vorausschauendes Fahren. Ich finde das hochinteressant", sagt Hoßbach, der als Fahrausbilder auch seine Kollegen sensibilisiert. "Man könnte sich auch hier reinsetzen und den Tempomat einschalten. Aber es geht doch auch um unsere Arbeitsplätze."


Bergab den Schwung nutzen

Aus Sicht der Deutschen Bahn (DB) sind Mitarbeiter wie Oliver Hoßbach Gold wert. Das Unternehmen hat schon länger erkannt, dass mit der energiesparenden Fahrweise nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch eine Menge Geld gespart werden kann. Ein Rechenbeispiel: Ein Zug von Bamberg nach Würzburg braucht circa 580 Kilowattstunden Strom, auf Hin-und Rückfahrt können bis zu 240 Kilowattstunden eingespart werden. Zum Vergleich: Eine vierköpfige Familie verbraucht circa 4000 Kilowattstunden pro Jahr.

Über 22 000 DB-Lokführer wurden bereits geschult, unter anderem durch Fahrsimulator-Training. Der Lokführer hat es nämlich selber in der Hand, wie viel Energie die Motoren aus dem Netz ziehen - und wie viel sie einspeisen. Beispielsweise kann man kurz vor Erreichen einer Bergkuppe die Leistung abschalten und bergab den Schwung nutzen. Oder auf gerader Strecke mit Vollgas anfahren und dann den Zug rollen lassen. "So lange man im Zeitplan unterwegs ist", betont Hoßbach.


Pünktlich in Schweinfurt

Energiesparzähler erfassen den Verbrauch einer jeden Fahrt. Die Lokführer können so ihre eigene "Leistung" überprüfen. Anonymisierte Ranglisten lassen sogar den Vergleich mit Kollegen zu. "Es ist schon wie ein kleiner Wettkampf. Und man lernt die Strecke durch den Vergleich besser kennen", erklärt DB-Transportkontrolleur Stefan Schramm.

Oliver Hoßbach kennt die Route Bamberg-Würzburg aus dem Effeff. Schon ab Oberhaid nimmt er immer wieder die Leistung raus, lässt den Zug rollen. Die Höchstgeschwindigkeit nutzt er nie, trotzdem fährt der Zug pünktlich am Bahnhof in Schweinfurt ein. "Man sieht: Pünktlichkeit hat wenig damit zu tun, wie viel Gas man gibt", freut er sich.