Die Leser-Reaktionen kamen prompt, und sie sind geteilt: Vor gut zwei Wochen war an dieser Stelle ein Artikel erschienen, der die ADAC-Studie "Das ,Elterntaxi' an Grundschulen" aufgriff und die Frage nach der Situation in Bamberg stellte. Ergebnis: Laut städtischer Pressestelle seien "Auswirkungen bekannt", allen voran seien die Sternwartstraße und der Torschuster neuralgische Punkte - morgens, zwischen viertel acht und acht.
Dann bringen viele Eltern auf einmal ihren Nachwuchs mit dem Auto. Die Polizei sagt: Besser sei es, die Sprösslinge den Schulweg selbst oder in der Gruppe absolvieren zu lassen, "um Verkehrserfahrung zu trainieren", wie Polizeihauptkommissar Holger Dremel empfahl.

Doch viele der Eltern, die in der vom ADAC beauftragten Studie befragt wurden, empfinden den Schulweg ihres Kindes als unsicher. Konkrete Anmerkungen dazu kommen von einem Bamberger Vater, der sich nach Erscheinen des Artikels zunächst auf Facebook geäußert hatte. Er beklagt etwa "Beschleunigungsrennen fahrende Berufsschüler" und spricht das Angebot an Mittagsbetreuungen an, "das viele Eltern zwingt, ihr Kind eben nicht an der Schule um die Ecke anzumelden".

Weiterhin beklagt er im FT-Gespräch "50 Zentimeter breite Fahrradspuren durch Unterführungen" sowie Schulen, die den Kindern verbieten würden, mit dem Rad zu kommen - bevor am Ende der vierten Klasse die Verkehrsprüfung abgelegt wird. Der Bamberger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bringt nach eigenen Angaben seine zehnjährige Tochter meistens mit dem Fahrrad zur Schule. Er stellt jedoch klar: "Ich behalte mir trotzdem vor, mein Kind bei schlechtem Wetter oder, wenn wir spät dran sind, mit dem Auto zur Schule zu fahren."

Zum Aufgreifen des Themas "Elterntaxis an Schulen" sagt er: "Da wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben." Jeder schimpfe auf die sogenannten Helikoptereltern, "aber wenn's so gefährlich ist, warum passiert dann eigentlich so wenig?" In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Schulwegunfälle schließlich zurückgegangen.
Laut Polizei waren das 2015 in Bamberg sechs, wobei diese teilweise von den Schülern mitverschuldet waren. Zur Versicherungsfrage sagt Verkehrserzieher Klaus Fuß: "Für Schulkinder besteht durch den kommunalen Unfallversicherungsverband Versicherungsschutz - unabhängig von der Art, wie der Schulweg zurückgelegt wird."

Allerdings würde auch Fuß davon abraten, ein Kind vor Ablegen der Fahrradprüfung in der vierten Klasse alleine losfahren zu lassen. "Das hängt mit dem Alter zusammen. Erst ab etwa zehn Jahren können Kinder - abhängig vom Entwicklungsstand - Entfernungen und Geschwindigkeiten einschätzen." In Begleitung der Eltern sei das Radeln dagegen kein Problem. Generell sagt Fuß: "Der Schulweg ist so gefährlich, wie ich ihn übe. Der sicherste ist nicht unbedingt der kürzeste."

Wird das Kind mit dem Auto gebracht, mögen die Eltern den Nachwuchs nicht direkt vor dem Schulhaus herauslassen, sondern vielleicht an der nächsten Ecke, wo etwas mehr Platz ist.


Halten mitten auf der Straße

Gerade in der Sternwartstraße, der Zufahrt zum E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium, ist das schwierig. Dort parken Erwachsene vor Unterrichtsbeginn regelmäßig im absoluten Halteverbot - oder sogar mitten auf der Straße und lassen das Kind "nur schnell raus", wie das obige Foto zeigt.

Verkehrserzieher Fuß erinnert sich an einen Vorfall, bei dem ein Auto rückwärts aus der Straße fuhr und fasst einen Fahrradfahrer erwischte, der den Oberen Stephansberg hinab düste. Um die "zugespitzten Verkehrssituation" zu entlasten, testet die Polizeiinspektion Bamberg eine veränderte Verkehrsführung, wie es in einer Mitteilung der Stadt heißt. Aus der Sternwartstraße darf man nur noch nach rechts auf den Oberen Stephansberg abbiegen. Grund seien unzureichende Sichtverhältnisse beim Linksabbiegen. Die neue Regelung ist jedoch offenbar umstritten. Claus Reinhardt aus dem städtischen Baureferat teilte mit: "Eine Klärung wurde bereits seitens des ETA-Hoffmann-Gymnasiums eingefordert."

Reinhardt äußert sich auch zum Vorwurf des Vaters betreffend schmaler Fahrradspuren: "Unsere Unterführungen sind alle relativ knapp. Es ist ein Kampf um Zentimeter." Doch in Zukunft soll sich etwas tun: Die Bauwerke müssten früher oder später erneuert werden. Wann die Stadt tätig wird, hängt von der Entscheidung beim Bahnausbau ab. Diese soll voraussichtlich im Frühjahr 2017 fallen.

Der sogenannte "Schutzstreifen" für Radler in der Unterführung Memmelsdorfer Straße ist laut Reinhardt inklusive Markierung zirka 1,15 Meter breit - "ein Kompromiss". Der Mann aus dem Baureferat ruft im Verkehr zu allererst zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf. Wie auch die Polizei. Und der Vater. Darin sind sich alle einig.