Rechtzeitig zur Sandkerwa sind die Außengerüste an der St. Elisabeth-Kirche gefallen. Nicht nur dass eine Baustelle das Fest im Sand hätte trüben können. Nein, die Weihe dieses Gotteshauses im Eigentum der Stadt Bamberg, das liturgisch zur Dompfarrei gehört, ist ja auch der eigentliche Anlass für die Sandkerwa. Was viele Festbesucher vermutlich gar nicht präsent haben.

Das Kirchlein mit seinem spitz zulaufenden Satteldach gehörte zum 1328 gestifteten Elisabethenspital. Es war wohl direkt mit den Spitalräumen verbunden, so dass die Kranken auch vom Bett aus an der Messe teilnehmen konnten. An Stelle des jetzigen Langhauses der Kirche stand der ursprüngliche Spitalbau. Zu dem gehörte ein Keller, der bis heute erhalten ist. Über ihm wurde der westliche Teil des Langhauses errichtet, der die verschobene Form des Kellers übernimmt und auf diese Weise den Winkel neben dem Chor ausbildet, in dem der "Apoll" von Markus Lüpertz seine Heimat gefunden hat. Dieser Chor wurde erst um 1400 an das alte Spitalgebäude angefügt. Fast 100 Jahre später entstand das jetzige Kirchenlanghaus (1493). Darüber ist der älteste liegende Dachstuhl Bambergs bis heute in Funktion. Optische Veränderungen der Kirche ergaben sich 1878, als das Portal mit dem Rundfester neugotisch gestaltet wurde.



Bestand des Denkmals dauerhaft sichern
Trotz einiger Restaurierungsmaßnahmen in den vergangenen 130 Jahren rief die St. Elisabeth-Kirche nach Überholung. Statische und bauphysikalische Probleme an Dach, Fassade und Innenraum müssen behoben werden, um den Bestand des Denkmals dauerhaft zu sichern. Für die weitere Nutzung als Kirche sind ebenfalls die Elektro- und die Sanitärinstallation zu erneuern. Diese Notwendigkeiten erkannte auch eine Expertenkommission, die die Auswahl der Projekte für das "Investitionsprogramm nationale Unesco-Welterbestätten" zu treffen hatte. Aus dem Konjunkturpaket I kommt St. Elisabeth also in den Genuss einer vom Bund mit mehreren Hunderttausend Euro geförderten Sanierung.

Bertram Felix, Finanzreferent und Immobilienmanager der Stadt Bamberg, verfolgt die Arbeiten an der Kirche mit Herzblut. Er tritt für die Stadt als Bauherr auf. Felix ist froh, dass die ersten beiden Bauabschnitte reibungslos über die Bühne gingen. Das Dach und das Tragwerk sind saniert: "Die Kirche bekam ein Korsett, weil sie in allen Richtungen auseinander riss", fasst Felix zusammen.

Der nächste Schritt galt der Außenfassade, deren Putz durch "extrem hohe Salzkonzentration" geschädigt war. Frostschäden und Feuchtigkeit hatten die Fenstergewände in Mitleidenschaft gezogen. Neuer Putz, frischer Anstrich, vom Steinmetz hergerichtete Fenstergewände: Die St. Elisabeth-Kirche erstrahlt wieder zu ihrem Anlass Sandkerwa.

Für Nutzung noch geschlossen
Dennoch bleibt die Kirche für eine Nutzung noch geschlossen. Denn ein dritter Bauabschnitt widmet sich dem Inneren. "Erst gibt es Voruntersuchungen an der Innenraumschale", erklärt Bauherr Felix. Er geht davon aus, dass diese Untersuchungen nicht die ganz großen Überraschungen ergeben, so dass voraussichtlich im nächsten Jahr die Sanierung in Angriff genommen werden kann.

Gelassen reagiert Bertram Felix auf das sich hartnäckig haltende Gerücht, dass er gegen die künstlerische Gestaltung der Kirchenfenster durch Apoll-Schaffer Markus Lüpertz sei. "Ein Für oder Wider hat nichts mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun", betont Felix. "Es ist noch vieles offen", wie zum Beispiel die fehlende denkmalpflegerische Abstimmung oder die Finanzierung. Denn fest steht nach Aussagen des Finanzreferenten, dass "der städtische Haushalt nichts zur künstlerischen Gestaltung der St. Elisabeth-Kirche beiträgt, das wären falsche Prioritäten".

Skeptisch bewertet Felix die ursprünglich zugesagten Gelder aus einer Privatinitiative für Lüpertz-Fenster. "Bisher sind 500 Euro an Spenden eingegangen". Doch benötigt werde ein sechsstelliger Betrag.