Es ist die Geschichte einer unglaublichen Verwandlung: Die kleine Kirche St. Johannis unter den Linden befand sich bis vor wenigen Jahren durch die Nutzung als Lagerhaus in einem jämmerlichen Zustand. Am Samstag wurde mit der Eröffnung der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kapelle als kleines Kulturzentrum am Stephansberg ein Schlussstrich unter die jahrzehntelangen Bemühungen des Freundeskreises St. Johannis zur Rettung dieses Baudenkmals gezogen.

Vom Ergebnis dürften vor allem jene Besucher beeindruckt gewesen sein, die das Bauwerk noch in seinem ruinösen und durch zahlreiche Einbauten verunstalteten Zustand kannten.

Ulrich Bauer-Bornemann, der Vorsitzende des Freundeskreises St. Johannis, erinnerte an die vielen Schwierigkeiten, die seit der Gründung des Vereins durch engagierte Bamberger Bürger vor 22 Jahren zu bewältigen waren. Er würdigte dabei vor allem den Einsatz von Irene Hottelmann-Schmidt, die die Rettungsaktion für St. Johannis angestoßen hatte. Für Irene Hottelmann-Schmidt, die nicht anwesend sein konnte, gab es lang anhaltenden Beifall.

Verein ist weiter gefordert

Die 1,6 Millionen Euro teure Sanierung gelang nicht zuletzt dank vieler Spenden und Zuschüsse, vor allem aus dem Investitionsprogramm für nationale Unesco-Welterbestätten. Der Freundeskreis ist dennoch weiter gefordert, denn als Eigenanteil müssen noch 150 000 Euro aufgebracht werden. So freute sich Ulrich Bauer-Bornemann über einen Spendenscheck in Höhe von 2500 Euro, den Gerhard Will namens des Bürgervereins Stephansberg überreichte.

Die Besucher der Eröffnungsveranstaltung bekamen dann auch gleich einen Vorgeschmack auf die neue kulturelle Nutzung der profanierten Kirche: Der von Ingrid Kasper geleitete Gospelchor von St. Stephan und die Musica Canterey unter Leitung von Norbert Köhler zeigten, dass das kleine Kirchenschiff eine gute Akustik hat. Heiner Kemmer und Künstlerhaus-Direktorin Nora Gomringer rezitierten. Und schließlich war an den Wänden eine kleine Kunstausstellung mit Werken von Künstlern aus dem Stephansberger Viertel zu sehen.