Es gibt noch vereinzelt Kunden, die sich noch lebhaft an das Warenhaus Tietz erinnern können. Für die meisten Bamberger jedoch ist das Kaufhaus am Grünen Markt nach wie vor der Hertie - auch 20 Jahre nach der Übernahme durch den Karstadt-Konzern.

Gegründet wurde das Warenhaus am 19. April 1886 von Hermann Tietz und seinem Neffen Oscar, welche die Vision hatten, ein Geschäft zu betreiben, das auf dem Prinzip von heutigen Discountern beruhte: Massenware zu möglichst niedrigsten Preisen zu verkaufen. Obwohl sie damit ihrer Zeit weit voraus waren, gab ihnen der Erfolg recht. Denn auch 130 Jahre später floriert ihr gegründetes Kaufhaus noch immer an Ort und Stelle und ist aus Bambergs Innenstadt nicht mehr wegzudenken. Lediglich der Name sowie das Sortiment haben sich geändert.

"Angefangen hat damals alles mit Stoffen und Kurzwaren auf einer Verkaufsfläche von 450 Quadratmetern. Seitdem hat sich die Erfolgsgeschichte des Hauses in Bamberg kontinuierlich weiterentwickelt", schilderte Karstadt-Geschäftsführer Alfons Distler im Rahmen einer Pressekonferenz. Einen ersten Einschnitt erhielt das Kaufhaus im Jahre 1938. Denn auch Tietz fiel der Reichskristallnacht zum Opfer und musste sein Geschäft schließen. Daher diente das Haus am Grünen Markt während der NS-Zeit als Gefängnis und Versorgungslager.


Verkehr brach zusammen

Erst nach dem Krieg, 1951, wurde das Gebäude wieder zum Kaufhaus. Damals unter dem Namen Hertie. Der Andrang am Eröffnungstag war, wie alte Fotografien zeigen, derart riesig, dass der Verkehr in der Innenstadt (zu jener Zeit war der Grüne Markt noch keine Fußgängerzone) zusammenbrach. Tausende von Menschen drängten in das neu eröffnete Warenhaus.

Aber auch sonst sorgte Hertie im positiven Sinne immer wieder für Schlagzeilen. So konnte beispielsweise im Jahre 1954 die erste Rolltreppe in Bamberg eingebaut werden. 1970 wurde die Tiefgarage unter dem Maxplatz errichtet. "1996 wurde das Haus komplett für rund 30 Millionen Euro umgebaut. Und bereits im Jahre 2011 erfolgte ein weiterer Umbau sowie eine Neuschichtung unter Berücksichtigung der Marktsituation", erinnerte sich Distler.

Besonders stolz ist der Geschäftsführer jedoch auf seine Aus- und Weiterbildungsangebote. So habe man in den letzten 130 Jahren weit mehr als 1000 junge Menschen ausbilden können.

Der Kunsthistoriker und Betriebsratsvorsitzende von Karstadt Bamberg, Matthias Liebel, erinnerte derweil auch an schwierigere Zeiten: "Neben der schrecklichen Zeit des Weltkrieges machte dem Haus die Rezession in den 70er Jahren zu schaffen und auch die Monate 2009 und 2010 waren für uns infolge massiv sich veränderter Märkte sehr schwierig." Allerdings, so Liebel, hätte man gerade in dieser Zeit einen unglaublichen Rückhalt in der Bevölkerung erfahren. Viele hätten den Mitarbeitern Mut gemacht und nach einer Unterschriftenaktion gefragt, in die sie sich für den Fortbestand des Hauses eintragen wollten. Denn die Bamberger fühlten sich stets sehr verbunden mit "ihrem Kaufhaus".

"Viele Kunden erinnern sich heute noch gern zurück an den Scherengitteraufzug, an den großen Kronleuchter, der einst über drei Etagen hinweg von der Decke hing, oder an die spektakulären Dekorationen zur Weihnachtszeit", schilderte der Betriebsratsvorsitzende.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bescheinigte dem Karstadt eine zentrale Schlüsselposition in der Bamberger Einkaufsstadt. "Karstadt trägt nicht nur zur Attraktivität der Innenstadt bei, sondern besitzt auch eine starke Magnetfunktion und ist zeitgleich ein Arbeitgeber für mehrere Hundert Beschäftigte", sagte er.

Aktivitäten zum Jubiläum
Vom 20. April bis 10. Mai plant das Kaufhaus Karstadt mehrere Aktivitäten aus Anlass des 130. Jubiläums des Hauses:

Rund um die Rolltreppe zeigt eine Ausstellung die Chronik des Standortes Bamberg in historischen Bildern.

Am morgen Mittwoch erhalten die ersten 130 Kunden je eine Rose. Diese Aktion mit den 130 Rosen wird im Laufe der Aktionszeit mehrmals wiederholt.
Kinder können an einem Malwettbewerb im Restaurant teilnehmen und erhalten zudem Luftballons. In der Zeit von 11 bis 12 Uhr und von 14 bis 15 Uhr kann man am Glücksrad drehen und die Tasse Kaffee gibt es im Restaurant im Aktionszeitraum für 130 Cent.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Aktionen; welche es sein werden, erfahren Kunden tagesaktuell in den Schaufenstern und Haupteingängen.