Elektronische Sounds mischen sich in den Klang klassischer Instrumente. Die Grenzen zwischen E- und U-Musik verschwimmen. Widersprüchliche Welten bringt die Neo-Klassik-Bewegung in Einklang, was in Bamberg am 23. Oktober wieder zu erleben ist. So holt "kontakt - das Kulturprojekt" zwei renommierte Vertreter an die Regnitz: Carlos Cipa und Poppy Ackroyd, die im Irmler Musiksaal auf dem Erba-Campus bei freiem Eintritt (!) spielen. "Am liebsten würden wir eine Neoklassik-Reihe in Bamberg etablieren. Nur fehlen uns dazu bislang die räumlichen Möglichkeiten", berichtet Felix Forsbach als einer der Organisatoren.


Bamberger Kulturförderpreis

Gerade erst wurde "kontakt" mit dem Deutschen Bürgerpreis auszeichnet. Und am 4. November erhält der Verein den mit 6000 Euro dotierten Kulturförderpreis der Stadt. Ja, an Anerkennung mangelt es dem Projekt nicht, das Bamberg seit über einem Jahrzehnt mit innovativer Kunst und Kultur bereichert. Nur scheitern viele Ideen bislang am Mangel an geeigneten Veranstaltungsorten, wie Forsbach erläutert: "Eine Live-Club-Miete können wir uns nicht leisten. Und die Kapazitäten eines Irmler Musiksaals sind begrenzt." Mehr als 200 Konzertbesucher könne die Location nicht fassen.


"Kultur braucht Raum"

"Kultur braucht Raum" ist das Motto, unter dem der Verein dafür kämpft, sich in Bamberg weiter entfalten zu können: Mehr Angebote jenseits des Mainstreams und des Kommerzes möchten die Verantwortlichen etablieren. Was nach dem Aus des Morph Clubs, der Großstadtflair an die Regnitz brachte, wünschenswert wäre. "Wir haben uns schon vieler kultureller Nischen angenommen - wie nun auch der Neoklassik-Bewegung." Beim kontakt-Festival, das heuer in der Lagarde-Kaserne unterkam, vertraten Piano interrupted das Genre.


Der Konvention verweigert

Als Künstler, die klassische Musik im zeitgenössischen Kontext bieten, kommen nun also Carlos Cipa und Poppy Ackroyd nach Bamberg: Auf der einen Seite ein Münchner Komponist, der grenzüberschreitend improvisiert und experimentiert. Auf der anderen Seite eine gebürtige Londonerin, die sich nach einer klassischen Ausbildung am Piano und der Violine der Konvention verweigerte. Statt Altbewährtes neu zu interpretieren, becirct Poppy Ackroyd das Publikum mit eigenwilligen Kompositionen, bei denen sie Instrumente auch auf denkbar ungewöhnliche Weise zum Einsatz bringt.

"Wir sind froh, das Konzert im Irmler Saal veranstalten zu können", meint Forsbach. Auf ersten Ankündigungen hätte der Veranstaltungsort noch gefehlt, nachdem eine Genehmigung auf sich warten ließ und keine andere geeignete Location in Sicht war. "Es ist in Bamberg ja leider auch schwierig, eine Zwischennutzung leer stehender Räume zu erreichen."


Noch Zukunftsmusik

So bleibt vieles bislang noch Zukunftsmusik, was sich die Mitglieder von Kontakt für Bamberg wünschen. Wie die Neoklassik-Konzertreihe, "die man neben den ,Tagen für Neue Musik' präsentieren könnte", so Forsbach. Zumal es mehr Spielarten des Genres gibt. "Nehmen wir Bands wie Brandt Brauer Frick oder etwa Francesco Tristano, die Technomusikstrukturen mit klassischem Instrumentarium bieten."


Das Konzert am 23. Oktober findet im Irmler Musiksaal auf dem Erba-Campus (an der Weberei 5) ab 20 Uhr statt. "Der Eintritt ist frei, Spenden aber sind erwünscht!" Weitere Infos, Hintergründe und Veranstaltungen von "Kontakt" sind im Netz zu finden.