Dass die Bamberger Gärtner fromme Leut' waren und sind, ist bekannt. Dass sie aber ihre Arbeit bis in die 1970er Jahre hinein sogar kniend vollbracht haben, weiß sicher nicht jeder.

"Des war a Blaach, ganze Daach lang beggen. Da hadd mer gwusst, was mer gedaan hadd", brachte ein heute 76-jähriger Zunftvertreter mögliche Kopfbilder vom innigen Beten der Gärtner zwischen Wirsing und Zwiebeln ins Wanken. Am späten Sonntagnachmittag konnten sich Besucher in der dezentralen Veranstaltung zum Tag der Franken im Gärtner- und Häckermuseum über die auf den Knien rutschenden Gärtner schlau machen.



Patente ohne Patent

Museumschef Hubertus Habel präsentierte passend zum Motto des Frankentags "Patente Franken - Fränkische Patente" Bamberger Spezialitäten: das Beggfreeda und die Haggfreede. Nach den Worten Habels sind das "Bamberger Patente ohne Patent" und "die Ikonen der Bamberger Gartengeräte".

Jenseits lokalpatriotischer Überhöhung gelang es Habel, seinem staunenden Publikum die zentrale Rolle des Beggfreeda und der Haggfreede in der kulturellen Tradition der Bamberger Freilandgärtner zu vermitteln. "Durch die jahrhundertelange Anwendung dieser Geräte und durch die entsprechende Beetstruktur haben die Bamberger Gärtner die gärtnerische Kulturlandschaft der Stadt geprägt", erklärte der Museumsleiter.

Die lokalen Dialektnamen der Werkzeuge seien zudem mit dem Anwendungswissen und der technischen Form prägnante Verbindungen eingegangen.

Das Beggreedla ist - rein wissenschaftlich bezeichnet - ein Krehl in Form einer Blattziehhacke mit kurzem Griff. Das nur 3,7 Zentimeter breite, für eng stehende Kulturen wie Schwarzwurzeln oder Gelbe Rüben geeignete Blatt hat einen Anstellwinkel von 40 Grad. "Beggen" heißt im fränkischen Dialekt hacken, schlagen und speziell um Bamberg: den Boden um Kartoffelpflanzen herum lockern, um Unkraut zu entfernen - und zwar auf den Knien durch die Reihen des Gemüses fortrutschend.


Harte Arbeit

"Freeden" leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen vreten, vretten für "wund reiben" ab und bedeutet bildlich so viel wie quälen, plagen. Hubertus Habel zitierte aus dem Buch "Die Bamberger Gärtnerei" (1866): "Diese Arbeit, die für die jungen Pflanzen die dringendste, aber auch zugleich die anstrengendste ist, weil sie oft Tage lang hintereinander gebückt verrichtet werden muss, gibt den Gärtnern einen gebückten Gang schon in den besseren Jahren."

Mit der langstieligen Schwester des Beggfreedlas, die Haggf reede, musste sich zum Glück kein Gärtner so abmühen. Sozusagen am lebenden Objekt demonstrierte Habel auf dem Freiland-Marktfeld des Museums die Besonderheiten dieser Ziehhacke mit ihrem über zwei Meter langen Stiel: Ohne das Beet zu betreten - was zu einer Verdichtung des Bodens geführt hätte - zog Habel das Blatt mit der scharfen Schneide nahezu waagerecht über die Erde.

Weil die Hacke nur gering im Boden arbeitet, "bleiben tiefer liegende Unkrautsamen im Untergrund und keimen nicht", führte der Museumschef aus. "Draamol ghaggd is aamol gossen", nannte Habel obendrein eine Weisheit der Bamberger Gärtner aus Zeiten, in denen es noch keine mechanische Bewässerung gab.

Das Beggfreedla und die Haggfreede sind längst museumsreif. Neben Exemplaren in der Dauerausstellung zeigt das Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße 34 bis zum 16. Oktober (mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr) eine sogenannte Studioausstellung zum Thema.

Auf Text- und Bildtafeln ist alles Wissenswerte über diese Gartengeräte zu finden. Eine wichtige Ergänzung dazu ist der Urkatasterplan von 1822, der das fischgratartige Muster der Gärtnereiflächen erkennen lässt. Genau für diese 4,5 Meter breiten, zum Längsweg schräg stehenden Beete ohne Zwischenwege war die langstielige Haggf reede gedacht. Mit einem Zug konnte die halbe Beetbreite bearbeitet werden. Die andere Hälfte wurde vom gegenüberliegenden Weg gehackt.


Wissenschaftliche Anerkennung

Agrarwissenschaftler Heinrich Steinmetz führte in den 1920er Jahren dafür die Bezeichnung "Bamberger Hackverfahren" in die Gartenliteratur ein.