Wer bei Bernhard und Doris Strohwald in Lisberg Schäfchen zählt, dem fallen nicht die Augen zu. Im Gegenteil, sie werden immer größer, je mehr Krippen ins Blickfeld kommen im Flur des Einfamilienhauses in der Nachbarschaft der Schule.

75 oder gar mehr? Wieviele sind es denn nun auf der moosbedeckten Hügellandschaft in der Ecke neben der Tür zum Wohnzimmer? Bernhard Strohwald will sie mal in Ruhe zählen, denn diese Frage könnte durchaus nochmal jemand beantwortet haben wollen - zeigt der Sammler und Bastler seine Schätze doch gern auch interessierten Besuchern.


Mit 19 die erste Krippe gebaut

125 Krippen und Krippendarstellungen hat er in fast allen Räumen des Hauses aufgebaut und ausgestellt. Auf dem Boden, den Treppenstufen, Treppenabsätzen, Fenstersimsen, Anrichten, Regalen und in Glasvitrinen.

Seit er mit 19 Jahren seine erste Krippe gebaut hat, ließ ihn das Thema nicht mehr los. "Inspiriert hat mich mein Vater. Der macht das auch - und darüber hinaus sind filigrane Laubsägearbeiten seine Spezialität, die wir auch auf Weihnachtsmärkten, zum Beispiel in Trabelsdorf und Trunstadt, verkaufen."

Richtig intensiv geworden ist die Krippen-Leidenschaft vor rund zehn Jahren, rechnet der Lisberger zurück. Etwas später entdeckten er und seine Frau in Neunkirchen am Brand etwas, das ihnen sehr gut gefiel: Dort wurden Privathäuser für Besucher geöffnet, damit diese sich die Hauskrippen anschauen können.


Immer auf der Suche

Auf Material-Suche für seine Krippen ist Bernhard Strohwald eigentlich immer. Selbst dann, wenn er nicht deswegen loszieht.

"Beim Spazierengehen fällt mir garantiert irgendwas in die Hände, was ich mal brauchen kann: eine interessante Wurzel, ein besonderer Stein oder getrocknete Pflanzenteile, aus denen sich etwas machen lässt."
"Er findet immer was", sagt Doris Strohwald, die für die Sammelleidenschaften ihres Mannes viel Verständnis hat.

Auf Weihnachts- und Flohmärkten wird er fündig, wenn es um die Figuren geht. Das Stöbern und Einkaufen im Internet ist nicht sein Fall. "Ich möchte die Sachen von Nahem anschauen und sie befühlen können."

Winzig bis imposant sind seine Arrangements. Und alle größeren Aufbauten mit viel liebe zum Detail gestaltet. Ein alter, knorriger Rebstock beispielsweise ist das Grundgerüst für einen Aufbau auf dem Absatz der Treppe zum Keller.

"Schauen Sie, da war noch ein kleines Loch an der Seite", deutet er mit dem Finger auf eine halbrunde Öffnung über dem Boden. Dort dort sind jetzt Maria, Josef und das Jesuskind als Miniaturen untergebracht. Und wenn man seinen Blick über das ganze Arrangement wandern lässt, findet man oben diese Szene noch einmal in klein. Und in der Mitte größer.


Felsen aus Kirschbaumrinde

Wo hat er das viele Moos her, das er als Unterlage braucht? "Ich kenne einige Stellen, wo ich immer wieder was holen kann. Das hält sich lange frisch. Und das getrocknete vom letzten Jahr lässt sich als Gestaltungselement auch gut einsetzen. Man muss ein bisschen Phantasie haben und erkennen, was sich aus Fundstücken machen lässt. Mit einem Stück Kirschbaumrinde beispielsweise kann man durchaus einen Felsen imitieren."

Überall und immer wieder: Tiere. Vor allem Schafe. "Meine Frau sagt manchmal, ich stell' zu viel hin", schmunzelt der 56-Jährige, der bei Bosch als Transporteur innerhalb des Werks arbeitet.

Was fehlt noch in seiner Sammlung? "Eine Schneelandschaft. Die würde ich gern bauen. Sie ist nicht unbedingt mein nächstes Projekt,denn man muss sich in dieser stressigen Zeit nicht auch noch Druck machen. Viel lieber mag ich es, wenn ich unerwartet etwas Interessantes entdecke und überlege, was sich daraus machen lässt. Dann möchte ich am liebsten sofort damit anfangen."