Lian wünscht sich, dass Deutschland Europameister wird. Frankreich ist sein zweiter Favorit. "Weil ich da geboren bin, und weil Frankreich ein schönes Land ist und weil die coole Fußballer haben. Paul Pogba ist cool." In der DFB-Elf findet er eigentlich Leroy Sané "am coolsten" und bedauert, dass Bundestrainer Löw insgesamt eher zu konservativer Mannschaftsaufstellung neigt.

Lian liebt Tricks im Fußball, das große Vorbild des elfährigen Bambergers ist Cristiano Ronaldo. "Der schießt schöne Tore, ist schnell, ein toller Athlet." Lian träumt davon, irgendwann selbst einmal wie der Portugiese Ronaldo für Real Madrid zu spielen. "Die Spanier haben ein schnelles Spiel. Das ist schöner Fußball. Zauberfußball."


Das Fußballwissen der Mutter

Ein bisschen teilt Lians Mutter Ricarda die Fußballbegeisterung ihres Sohnes und schaut die Spiele mit ihm zusammen an. Ob sie wirklich Ahnung vom Fußball hat? "Jaaa", Lian zögert, "ein wenig", fügt er dann in gnädigem Tonfall hinzu. Als er eineinhalb Jahre alt war, ist Ricarda Jürgens mit ihm von Frankreich zurück in ihre Wahlheimat Bamberg gezogen. Hier begann Lian als Vierjähriger, im Verein zu kicken. Heute ist er Stürmer in der D1-Jugend der TSG 05 Bamberg. "Das macht ganz stark Spaß", versichert er.


Lian darf gucken

Ricarda Jürgens akzeptiert, dass ihrem Sprössling Fußball wirklich wichtig ist. Bei einem der EM-Spiele musste der Gymnasiast in der Halbzeit ins Bett, weil am nächsten Tag eine Schulaufgabe anstand. Ansonsten darf er gucken - auch wenn's Verlängerung und Elfmeterschießen gibt. Ricarda Jürgens lacht: "Fußball geht vor Schule." Dabei hat die 40-Jährige normalerweise sehr strikte Prinzipien, was den Medienkonsum ihres Sohnes angeht: Ein Internethandy findet sie (anders als Lian...) für einen Elfjährigen absolut überflüssig und mit stundenlanger Dauerberieselung durch die Glotze kann sie gar nichts anfangen.


Auch das Familienministerium erklärt die EM zum Ausnahmezustand

Die Fernsehnutzung in Familien ist ein umstrittenes Thema. Das zuständige Ministerium rät, Kindern ab zehn Jahren höchstens eine Stunde täglich zu erlauben, und auch nicht jeden Tag fernzusehen. Ein wichtiges Fußballspiel sieht aber auch das Familienministerium als legitime Ausnahme, bei der Kinder mal länger zuschauen dürfen.

Weil Lian so fußballverrückt ist, herrscht während der gesamten EM im Hause Jürgens Ausnahmezustand. Dabei hat die Familie nicht einmal einen Fernseher. Fußball wird bei Freunden oder auf dem Computer geschaut. Das Gemeinschaftserlebnis steht im Vordergrund.


Ein Kindheitserlebnis

Mutter Ricarda weiß, dass Lian diesen Sommer nicht vergessen wird. Für den Elfjährigen ist es aufregend: Er hat die pauschale Fernsehschau-Ausnahmegenehmigung, und er darf an einem Ereignis teilhaben, bei dem ganz Europa mitfiebert. "Und Lian weiß auch noch von vergangenen Meisterschaften, wer da wann wie gegen wen gewonnen hat."

Anders als seine Mutter findet Lian selbstverständlich, dass "man sich merkt, wenn Deutschland Europa-, oder sogar Weltmeister wird. Da weiß man doch, wie im Finale das Tor erzielt wurde, wer abgespielt hat, wie die Spielzüge waren!" Der Nachwuchs-Fußballer schwärmt von Mario Götze und dem WM-Finale 2014. Lian kann sich noch genau an das Spiel gegen Argentinien erinnern.

Der Junge ist gespannt auf heute Abend - und darauf, welche Spieler, welche Spielzüge und Tore dieses Halbfinales sich vielleicht ins Gedächtnis aller Fußballverrückten einbrennen werden. Lian hofft auf eine ordentliche Portion Zauberfußball.


Unsere Serie: Jahresthema Familie

Die Serie Familien in Franken - ihre Interessen, Vorlieben und Probleme stehen 2016 redaktionell im Vordergrund. Am Beispiel dreier Familien und ihrer Themen berichten wir Aktuelles aus Politik und Gesellschaft und über alles, womit sie im Alltag konfrontiert werden.

Die Familien Die Redaktion hat für die Berichterstattung in der Serie drei unterschiedliche Familien ausgewählt: Die Raabs aus Burgebrach, die Türckes aus Dörfles-Esbach bei Coburg und die Jürgens aus Bamberg stehen stellvertretend für fränkische Familien Rede und Antwort.