Gerhard Öhlein wertete die diesjährige Ausschüttung aus der erzbischöflichen Familienstiftung "Kinderreich" als ein "deutliches Zeichen in der derzeitigen Neiddebatte, die Hilfen für Flüchtlinge und sozial Schwache aufrechnet". Der Diözesan-Caritasdirektor würdigte den "Fokus auf Familien", den Erzbischof Ludwig Schick mit seiner Stiftung richte. Diese leiste eine wertvolle Unterstützung von Kinderreichen und bedürftigen Familien.

Dank Zustiftungen und Spenden konnte der Erzbischof einen symbolischen Scheck über genau 39 385 Euro an Caritas-Mitarbeiter aus dem ganzen Erzbistum übergeben. Diese Vertreter des katholischen Wohlfahrtsverbandes sind es, die in ihrer täglichen Arbeit etwa in den Sozialen Beratungsstellen mit den Nöten von Familien mit vier und mehr Kindern sowie Alleinerziehenden konfrontiert werden. Sie wissen, dass trotz sparsamen Wirtschaftens mit dem Monatseinkommen das Geld knapp ist - vor allem wenn Arbeitslosigkeit, Scheidung, plötzliche Berufsunfähigkeit eines Alleinverdieners oder Krankheit finanzielle Probleme aufwerfen.


Ein wenig Licht und Wäre

"Es ist leidvoll, wenn Familien sich nicht mit dem Nötigsten ausstatten können", sagte Erzbischof Schick. Mit seiner Adventsaktion wolle er ein wenig Licht und Wärme in Dunkelheit und Kälte bringen. Die laufende finstere Neiddiskussion müsse vermieden werden: "Alle Menschen haben die gleichen Rechte und Würde, die Menschen, die hier leben und die, die zu uns kommen", betonte Schick. Auch Familien würden manchmal nur ihre eigene Notlage sehen und seien vor Neid nicht gefeit.

Mit seiner "Lobbystiftung Kinderreich" wolle er auch dazu beitragen, Familien aus der Schuldenfalle herauszuführen beziehungsweise sie erst gar nicht hineingeraten zu lassen, erklärte der Erzbischof. Die Caritasleute griffen das Stichwort Schulden auf und beklagten die oftmals verantwortungslose Praxis von Banken, trotz mangelnder Rückzahlungsmöglichkeiten von Kunden hohe Kredite zu gewähren. Die Folge sei prekäre Verschuldung bei wachsender Armut.

Und Armut bedeute für die Kinder oftmals geringere Bildungschancen und Stigmatisierungen, wenn etwa Unterrichtsmaterialien oder der schon in der vierten Klasse der Grundschule verlangte Computer samt Drucker nicht bezahlt werden könnten. "Armut, Bildung und Entwicklung hängen zusammen", bilanzierte Erzbischof Schick die Berichte der Caritas-Experten, über die er sich eifrig Notizen machte.

Überhaupt schaue er sich jeden Antrag an die Familienstiftung persönlich an, "um einen Einblick zu bekommen", sagte Schick. Die Anträge, die die Caritas-Mitarbeiter nach gründlicher Prüfung der jeweiligen Notlage einer Familie stellen, gehen zunächst gebündelt an Wolfgang Eichler, Diözesanreferent für Ehe und Familie.


31 Anträge bewilligt

In diesem Jahr wurden 31 Anträge auf Einzelfallhilfe mit einer Gesamthöhe von 32 385 Euro bewilligt, die Zuschüsse für Projekte in Forchheim und Coburg belaufen sich auf 7000 Euro. Zum Beispiel bekommt eine Familie mit zehn Kindern finanzielle Unterstützung für einen Kindersitz, Bettdecken, Winterschuhe oder eine Schultasche. Eine Alleinerziehende mit sechs Kindern kann aus der Zuwendung der Familienstiftung Betten und einen Kleiderschrank kaufen. Eine Familie mit fünf Kindern (2 bis 9 Jahre), deren Vater seinen Arbeitsplatz wegen einer Operation verloren hat, erhält Zuschüsse für den Kauf von Winterkleidung und einen Schreibtisch. Eine irakische Familie, die vor dem "Islamischen Staat" geflohen ist, bekommt Beihilfe für Möbel.

Die Familienstiftung "Kinderreich" kommt dann ins Spiel, wenn öffentliche Hilfen nicht mehr greifen. Als kinderreich bezeichnet die Stiftung in der Regel Familien mit vier oder mehr Kindern. Die Zuwendungen werden unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Herkunft gewährt. Die Betroffenen müssen allerdings im Bereich des Erzbistums Bamberg wohnen.

Auch Beratungsstellen anderer Träger wie Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt können Anträge an die Stiftung stellen.