Ob man das verschlafen will, sollte man sich gut überlegen: In den Morgenstunden des 28. September erwartet uns nicht nur eine totale Mondfinsternis, die man in ganz Franken in voller Länge beobachten kann. Die Nacht fährt mit weiteren Superlativen auf: Sie präsentiert Frühaufstehern einen Blutmond und den größtmöglichen Mond, den es überhaupt geben kann. Dieser "Supermond" ist ein Wahrnehmungsphänomen, das Bamberger Wissenschaftler intensiv erforschen.

Wer sich dazu aufrafft, mitten in der Nacht aufzustehen, braucht vor allem eines: gutes Wetter. Darauf hofft auch Michael Gräter, der gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen am 28. September in der Regiomontanus-Sternwarte Nürnberg eine nächtliche Führung anbietet. "Die Besichtigung ist aber nur bei klarem Himmel möglich", sagt Gräter, der einen ganz praktischen Tipp für Interessenten des Supermondes hat: "Man kann ihn von überall gut sehen, solange man nicht in einem Tal wohnt oder von hohen Gebäuden und störenden Lichtquellen umgeben ist."


Um 4.47 Uhr im Kernschatten

Selbst wenn man nicht sofort den besten Platz zur Beobachtung findet, könnte man noch einmal ins Auto steigen und ein paar Kilometer weiter fahren - die totale Phase wird gut 70 Minuten dauern, die Finsternis insgesamt gut fünf Stunden. Sie beginnt mit dem Eintritt des Mondes in den Halbschatten um 2.10 Uhr und endet mit dem Austritt aus dem Halbschatten um 7.24 Uhr.

Dazwischen liegen sechs "Kontakte" (Berührung, Eintauchen, Auftauchen) zwischen Mond und Kernschatten der Erde, die in der totalen Phase zwischen 4.11 Uhr und 5.24 Uhr gipfeln. Um 4.47 Uhr befindet sich der Mond vollständig im Kernschatten, Vollmond tritt um 4.50 Uhr ein. "Dann ist die Finsternis total", erklärt Klaus Herzig, Leiter des Nicolaus-Copernicus-Planetariums der Stadt Nürnberg.

Gleichzeitig bleibt der Mond auch während der totalen Phase in einem rötlichen Licht sichtbar - daher der Begriff "Roter Mond" oder "Blutmond". Die Färbung entsteht durch Streulicht der Sonne, das durch die Erdatmosphäre hindurch auf den Mond fällt. Nur die langwelligen, roten Anteile des Sonnenlichtes durchdringen die Lufthülle der Erde.
Die von einem glutroten Schein geprägte Dunkelheit ist aber nicht das einzig Besondere in den Morgenstunden des 28. September.

Weil der Mond in der Stunde seines Eintauchens in den Kernschatten mit 356 880 Kilometern in extreme Erdnähe kommt (sonst ist er über 400 000 Kilometer entfernt), hat er einen Auftritt als Super-Vollmond. "Das ist die geringste Distanz zwischen Mond und Erde im Jahr. Deshalb erscheint der Vollmond besonders groß", sagt Herzig.


Psychologisches Phänomen

Erscheint klingt nach gefühlt - liegt hier eine Sinnestäuschung vor? "Neben einer astronomischen Ausnahmesituation eines besonders nahen Mondes kommt ein spannendes psychologisches Phänomen hinzu", sagt Claus-Christian Carbon, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie an der Uni Bamberg. Er nahm mit seiner Forschungsgruppe im Nürnberger Planetarium den dort angezeigten Mond für ein Wahrnehmungsprojekt und stellte fest, dass er extrem klein erscheint, selbst dann, wenn man ihn mit einem sehr klein erscheinenden Mond am Sternenhimmel vergleicht. Sogar wenn man den Planetariumsmond um 250 Prozent vergrößerte, veränderte sich dieser Eindruck kaum.


Horizont und Hintergrund

"Die so genannte ,Mondtäuschung‘ ist also ein rein psychologisches Wahrnehmungsphänomen", sagt Carbon. "Es ist unabhängig von vermeintlichen Lichtbrechungen oder selektiven Wellenlängen. Prinzipiell gilt dabei: Der Mond erscheint besonders groß, wenn er sehr nahe am Horizont steht und wenn man zusätzlich noch in der Ferne Details der Landschaft erkennen kann."

Hinzu komme der physikalische Effekt, dass der Mond vom visuellen Winkel noch etwas größer erscheint. "Es ist also eine Art Super-Super-Mond zu erwarten, den man in ganz Franken gut beobachten kann", sagt Wahrnehmungspsychologe Carbon, der sich auf ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des bevorstehenden Ereignisses freut: "Das Besondere an einer Mondfinsternis ist ja gerade, dass man den Mond eben doch noch sieht, abgeschattet in einem tiefroten Ton."

Carbon wird sich das Spektakel nicht entgehen lassen und hofft auf eine klare Nacht zum Montag. "Den Mond
so knapp vor dem Horizont, so groß und rötlich bestrahlt zu sehen, das wird ein wunderbares Erlebnis."

Nachts in die Sternwarte

Freie Sicht
Die Mondfinsternis in der Nacht zum Montag ist im gesamten deutschsprachigen Raum und Mitteleuropa in voller Länge sichtbar. Wer sie bis zum Ende verfolgen möchte, braucht einen Platz mit freiem Blick zum West-Horizont. Im Flachland kann der beste Beobachtungsplatz das heimische Küchenfenster sein, ansonsten fährt man in eine ländliche Gegend ohne störende Gebäude und künstliche Lichtquellen.

Nächtliche Führungen In der Nacht zum Montag kann man - nur bei klarem Himmel! - in zwei fränkischen Sternwarten die Mondfinsternis beobachten: Die Sternwarte Nürnberg, Regiomontanusweg 1, hat von 3 bis 7 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht nötig, Info-Telefon 0911/9593538. In der Sternwarte Würzburg gibt es von 3 bis 4.30 Uhr eine öffentliche Führung zur totalen Mondfinsternis. Adresse: Joh.-Kepler-Straße, 97074 Würzburg, Info-Tel: 0931/7903242.

Fotografieren Die Mondfinsternis kann man mit einer normalen Digitalkamera fotografieren. Kameraeinstellung und Standort kann man schon am Vorabend testen, aber Achtung: Der Mond befindet sich dann etwa 50 Minuten früher dort, wo er zur MoFi sein wird.

Fernglas Die Mondfinsternis kann man mit bloßem Auge beobachten - jedoch macht der Blick durch ein Fernglas den Mond noch beeindruckender und man kann damit die schwachen Sterne sehen, an denen der Mond vorbeizieht. Bei der bevorstehenden MoFi hilft ein Fernglas außerdem dabei, Beginn und Ende der totalen Verfinsterung zu erkennen:
Die tatsächlichen Kontaktzeiten können wegen der unscharfen Begrenzung des Erdschattens um ein bis zwei Minuten von den erwarteten Zeiten abweichen.

Wetter Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes wird der Himmel in der Nacht von Sonntag auf Montag klar und wolkenlos sein.
Allerdings könne es aufgrund der Jahreszeit zu Bodennebel in Tal- und Flussniederungen kommen - das trübt natürlich die Sicht. Wer nicht aufstehen will oder Pech mit dem Wetter hat, muss sich gedulden: Die nächste totale MoFi findet am 27. Juli 2018 statt.

Erntemond Traditionell wird der September-Vollmond als "Erntemond" bezeichnet. Aus himmelsmechanischen Gründen geht der Mond im September ab dem Vollmondtermin über etwa eine Woche hinweg fast zur gleichen Zeit am frühen Abend auf. Das helle Mondlicht war früher sehr willkommen, weil es auch in der Nacht Erntearbeiten auf dem Feld ermöglichte.