Klavier, Spieluhr, ein Kanon singendes Publikum, ein internationales Buffet mit Spezialitäten aus Afghanistan und Russland sowie eine Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin, die ihren Zuhörern nahe brachte, dass Bamberg seit dem Mittelalter in vielerlei Hinsicht eine Stadt der Bücher, des Schreibens und des Druckens ist: Das waren die Ingredienzien einer kurzweiligen Auftaktveranstaltung, mit der die Städtische Volkshochschule am Samstag das Herbst-Winter-Semester eröffnete.

Der Buchfink war es, der - gelotst von Referentin Gudrun Schury - Platz nahm an den vielen (aber längst nicht allen) Orten der Stadt, die mit Büchern zu tun haben. Er saß auf dem Domberg, betrachtete die wertvollen mittelalterlichen Handschriften, die kaiserliche Bibliothek von Heinrich II. und die im 19. Jahrhundert von Heinrich Jaeck aus einem "Haufen zusammengeschleppter Bücher" geordnete königliche Bibliothek.

Dann hüpfte er hinunter, weil ihm "nach Kirchenkritik zumute" war, blätterte in Hans Wollschlägers Buch "Herzgewächse", dem bedeutendsten Bamberg-Roman.

Seine nächste Rast machte der Buchfink - dieses laut Schury "passendste Wahrzeichen unserer Stadt - auf der Katze des E.T.A.-Hoffmann-Denkmals und zog über den Buchhändler und Drucker Tobias Göbhardt her, der im 18. Jahrhundert mit Raubdrucken ein Vermögen verdiente und sich dafür kein bisschen schämte, sondern, im Gegenteil, mit seinem Reichtum unverhohlen protzte.

Nach seinem nächsten Ausflug zu den ersten Druckereien, die schon kurze Zeit nach Erfindung des Buchdrucks in Bamberg ab 1460 die Pressen heiß laufen ließen, landete der Buchfink zuletzt auf dem Dach der Stadtbücherei, die die lesehungrigen Bamberger jahrein jahraus mit Stoff versorgt - zum Beweis dafür, dass Bücher alles andere als eine staubige Angelegenheit sind, wie VHS-Leiterin Anna Scherbaum in ihrer Eingangsrede betont hatte. Franz Tröger setzte am Klavier die musikalischen Ausrufezeichen und bekam viel Applaus für die auf einer Spieluhr über Lochstreifen gespielten Stücke.

Sie waren nicht etwa willkürlich ausgewählt, sondern solche Lieder und Märsche, deren Noten als erste in jeweils unterschiedlichen Druckverfahren vervielfältigt worden waren, beispielsweise als Lithografien.

Das zu Beginn gegebene Versprechen von Bürgermeister Christian Lange, einen unterhaltsamen Nachmittag zu bieten, wurde auf jeden Fall erfüllt. Viel Applaus und Lob gab es für die beiden jungen Afghanen Elias und Rasul, die seit einem Jahr in Bamberg leben, bei der VHS Deutsch gelernt haben und die Gäste von ihren Kochkünsten überzeugten.

Sie hatten Hähnchenspieße und Lammfrikadellen nach Rezepten aus ihrem Heimatland zubereitet.