Thomas Spindler verspricht eine "kurzweilige Bamberger Geschichtsstunde mit Schalk": "Das wird keine Lehrveranstaltung", versichert das aktive Mitglied der Capella Antiqua Bambergensis und Organisator dieser Konzertlesung in der Klosterkirche St. Michael am kommenden Sonntag.

"Musik und Geschichten um Kaiser und Könige. Heinrich II. und das Kloster St. Michael" titelt die außergewöhnliche Veranstaltung. Damit solle "ein Fenster zum Mittelalter mit Bamberg Bezug geöffnet werden", erklärt Spindler. Anlass sei das 1000-jährige Domjubiläum und der "große Geschichtszyklus Benediktiner in Deutschland". Schließlich gehöre Bamberg mit dem Kloster St. Michael zu den "großen Benediktinerorten". 2015 werde es ja bekanntlich 1000 Jahre alt.

Die Capella Antiqua Bambergensis bietet nun musikalische Kostbarkeiten aus dem 11./12. Jahrhundert: Instrumentalstücke mit Sackpfeife, Fidel, Organetto, Nückelharpa und Stillem Zink. So heißen die speziell rekonstruierten Musikinstrumente aus jener Zeit, denen die Capella authentische Töne entlockt. Der Historiker Professor Bernd Schneidmüller - "eine Koryphäe vom wissenschaftlichen Standing her", so Spindler - liefert drei Wortbeiträge: "Dabei nutze ich den Genius loci, den einzigartigen Raum der Klosterkirche St. Michael", erklärt Schneidmüller, der von 1994 bis 2003 Professor für mittelalterliche Geschichte an der Uni Bamberg war, bevor er nach Heidelberg wechselte.

Fakt oder Fiktion?


Der Historiker will das Rätsel um den heiligen Benedikt, den Vater des europäischen Mönchtums und Vorbild auch für Bamberg, aufgeben: "Neuerdings wird heftig gestritten, ob es den heiligen Benedikt wirklich gegeben habe, oder ob er nicht eine fromme Erfindung Papst Gregors des Großen war", weiß Schneidmüller. In einer zweiten Erzählung geht er auf die Regel Benedikts ein, die den Tagesablauf jedes Mönchs bis in die Kleinigkeiten hinein ordnet: "Und doch verbinden sich auch mit ihr große Rätsel", wie der Historiker sagt.

Auch in der dritten Erzählung wird sich alles um ein weiteres Rätsel drehen: um die Entstehung des Klosters St. Michael. War Kaiser Heinrich II. oder der erste Bamberger Bischof Eberhard der Klostergründer? Warum stritten sich die Mönche so heftig um solche toten Gründer? Schneidmüller: "Ich will Licht in das Rätsel bringen, warum sich der Bamberger Bischof durchsetzte." Deshalb werde er auch die Bedeutung des Klosters für die Bamberger Geschichte skizzieren. Und die "historische Kraft, die von geistlichen Lebensgemeinschaften ausging".

Eingebettet in die Musik der Capella und die Erzählungen Schneidmüllers sind die Darbietungen zweier Solisten. Die Katalanin Arianna Savall, eine der bekanntesten europäischen Musikerinnen der Alten Musik, singt mystische Lieder der Hildegard von Bingen und begleitet sich selbst dabei auf ihrer gotischen Harfe. Der aus Oslo stammende Petter Upland Johansen, ebenfalls ein gefragter Interpret Alter Musik, bringt Stücke aus dem Nibelungenlied in dem originalen norwegischen Mittelalterdialekt zu Gehör.

Karten: "Musik und Geschichten um Kaiser und Könige" gibt es am Sonntag, 28. Oktober, um 17 Uhr in der Klosterkirche St. Michael. Karten zu 22 Euro (ermäßigt 15 Euro) sind beim BVD Bamberg und an der Abendkasse erhältlich.