Bei der Fronleichnamsprozession 1966 erlebte Fritz Geier seine Premiere. Dass aus dem Freundschaftsdienst für einen Kollegen von der Post ein Ehrenamt würde, das ihn nicht mehr los lassen würde, das ahnte der damals 21-Jährige freilich nicht. So "feiert" er heuer ein ziemlich einmaliges Jubiläum: Er ist seit 50 Jahren als "Himmelträger" im Einsatz.

Als Himmel wird der Baldachin bezeichnet, unter dem katholische Würdenträger an Prozessionen teilnehmen. Geiers Platz ist immer hinten rechts. Da habe er den nötigen Überblick und könne, so sagt er, seine Kollegen bei Bedarf dirigieren. Vier Mann werden zum Himmeltragen gebraucht. Im Idealfall haben alle in etwa die gleiche Körpergröße.

Geier, dem Mann aus der Pfarrei St. Heinrich, ist im Lauf der Jahre auch die Aufgabe zugewachsen, die Teams zu organisieren. Sobald am Ende eines Jahres die Prozessionstermine für das folgende bekannt sind, informiert er die Kollegen und Ersatzleute, damit sie die Einsatztage bei ihren Urlaubsplanungen berücksichtigen.

Das klappt alles wohl recht reibungslos. Auch verschlafen hat in all den Jahren angeblich noch kein "Himmelträger": "Auf denna Leut' ist Verlass!" sagt ihr Capo.

Nicht weniger als acht Einsätze zwischen Mai und November sind mit diesem besondere Ehrenamt verbunden. Bei der heutigen Urbaniprozession waren Geier und seine drei Kollegen erstmals gefordert.

Am Donnerstag sind sie bei der "großen" Fronleichnamsprozession dabei, am Sonntag darauf bei der "kleinen" von St. Gangolf. Am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt (15. August) begleiten die Vier dann die Muttergottesprozession.

Sie sind auch im Einsatz, wenn in St. Gangolf, St. Martin und der Oberen Pfarre die Prozessionen zum Anbetungsschluss ausziehen. Ihr letzter Termin im Kalenderjahr ist traditionell die "Lichterprozession" zu Christkönig: Sie zieht stets am Sonntag vor dem ersten Advent durch das Berggebiet.


Ehrensache für Post-Beschäftigte

Bis zum Zweiten Weltkrieg waren es die Häcker, Bambergs ehemalige Weinbauern, die den Baldachin bei Prozessionen trugen. Nachdem 1945 erstmals ein Briefträger eingesprungen war, Schwiegersohn eines Häckers, ging diese Aufgabe bald ganz auf Post-Beschäftigte über.

Bis jetzt sei es immer gelungen, Kollegen zu finden, berichtet Geier. Es werde aber immer schwieriger: Jüngere hätten oft keinen Bezug mehr zur Kirche, viele Kollegen wüssten schlichtweg nicht, dass es ein Privileg der Postbeschäftigten ist, den Himmel zu tragen.

Geiers großes Anliegen ist es, dass "die Posterer", wie er sie nennt, diese Tradition auch in Zukunft pflegen. So nach und nach möchte der 71-Jährige die Verantwortung für die Einsatzbereitschaft der "Himmelträger" und die Schlüsselposition rechts hinten gern in jüngere Hände legen.


Kaum Missgeschicke

Größere Pannen hat es in den 50 Jahren anscheinend keine gegeben. Geier erinnert sich an einen Wolkenbruch während einer Prozession in der Theuerstadt, bei dem das rote Dach des Baldachins so durchnässt wurde, dass rote Tropfen auf das Gewand des Priesters fielen. Kaum hatte der Chef der "Himmelträger" das erkannt, wurde der Himmel aus dem Verkehr gezogen.

Und bei einer Urbaniprozession musste einmal der Schnürsenkel des Mesners herhalten, um den Himmel zu fixieren: Auf dem Weg vom Stephansberg hinunter war die Befestigung des Stoffdachs an einem der Stäbe gerissen. Das Provisorium soll bis zum Ende der Prozession gehalten haben.

Was, außer Gottes Lohn, gibt es für die Himmelträger nach getaner Arbeit? Bratwürste seien obligatorisch, sagt Geier. Und eine kleine Aufwandsentschädigung bekomme jeder von ihnen auch. Aber das sei ihnen nicht wichtig: "Wir machen es aus Überzeugung. Das ist für uns eine Ehre!"