"Das Wichtigste ist, dass sie nicht ausbrechen." Frank Bauer meint damit nicht etwa die Gefangenen, die in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ebrach inhaftiert sind. Sondern deren lebende, vierbeinige Fleischversorgung: über 150 Galloways. Die dunklen Freilandrinder sind nicht nur Nahrungsmittel, sondern sie waren Anfang der 90er ursprünglich als Landschaftspfleger für die hügeligen Landwirtschaftsflächen angeschafft worden. Doch aufgrund der seit Wochen anhaltenden Trockenheit gibt es nicht nur nichts mehr von Bewuchs frei zu halten, sondern auch keinen Bewuchs an sich. Ein großes Problem.

Den anstaltseigenen Galloways stehen auf acht großen Koppeln rund 35 Hektar Weiden zur Verfügung. Die reichen in der Regel, um die Rinder satt zu kriegen. Weil man sie umsetzt, sie immer von abgefressenen Bereichen in bewachsene bringt. Das war's. Doch statt von Weiden spricht Bauer nun nur noch von "der Wüste".

"Seinerzeit ging es darum, eine robuste Rasse anzuschaffen, die keinen großen Arbeitsaufwand erfordert", bringt Frank Bauer in Erinnerung. Der Landwirtschaftsmeister ist Chef der JVA-eigenen Landwirtschaft. Die pflegt sozusagen das Erbe der Zisterzienser, aus deren Kloster nach der Verweltlichtung das Gefängnis geworden ist. Im Laufe der Jahre sind die Freilandrinder zum Blickfang gerade für Touristen geworden. Aus dem Landschaftsbild seien siemittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Freilich mit der Dürre hat sich der Aspekt mit dem geringen Arbeitsaufwand geradezu umgekehrt: "Ein Mann ist jeden Tag vier bis fünf Stunden damit beschäftigt, Futter auf die Koppel zu fahren." Bauer spricht hier von großen Mengen, die vor Ort geschafft werden müssen.Täglich sind das fünf bis sechs Pack mit Grassilage zu je 400 Kilo, zwei Strohballen mit je 250 Kilo und dazu pro Woche noch einmal zwei 250-Kilo-Heuballen.

Um die mächtigen Tiere bei Laune zu halten, lässt Bauer ihnen obendrein auch noch Zuckerrübenschnitzel reichen, "das ist wie ein Sahnehäubchen für sie." Warum dieser Aufwand? Damit die Galloways nicht auf die Idee kommen, sich in Bereichen außerhalb ihren Koppeln auf die Suche nach Futter zu machen. "Wir müssen sie volle Pulle durchfüttern, damit sie uns nicht durchgehen", macht Bauer deutlich. Einige Koppeln befinden sich in Straßennähe.Nicht auszudenken, wenn 500-Kilo-Tiere die Gegend rund um Ebrach unsicher machen würden.


Schlachten keine Lösung

Jetzt mehr von ihnen zu schlachten, macht Bauer zufolge wenig Sinn. Zumal auch der JVA-eigene Metzger noch in Elternzeit weilt. Jährlich werden etwa 28 Galloways im Alter zwischen zwei und drei Jahren (sie brauchen lange, bis sie ein attraktives Gewicht erreicht haben), im Bamberger Schlachthof getötet und in der Ebracher anstaltseigenen Metzgerei weiter verarbeitet werden.

Doch damit muss Bauer noch warten, bis der Metzger wieder zurück ist. In der Zwischenzeit hofft auch er auf den erlösenden Regen. Wenn die Trockenheit weiter so anhalten sollte, dann weiß auch er nicht weiter. Zwar habe man Stroh, wie er sagt, "gebunkert". Doch was er den vielen Tieren sonst noch vorsetzen wird, muss er sich dann erst einmal überlegen. "Wir hoffen auf einen feuchten Herbst." Feuchtigkeit und Schnee können den widerstandsfähigen Galloways weniger anhaben als aufgrund Trockenheit fehlendes Gras, das die Wiederkäuer ansonsten stets zur Verfügung haben sollen.

Damit bleibt es vorerst bei dem, was Bauer als Riesen-Aufwand bezeichnet. Aber das tägliche Füttern ist ihm ungleich sympathischer als das Risiko, sich mit Kollegen und den in der Landwirtschaft beschäftigten Gefangenen auf Galloway-Fang-Tour begeben zu müssen. "Das Wichtigste ist, dass sie nicht ausbrechen!"