Schon das Bohren der Löcher für die Sprengladungen im M 4, einem der alten Baumriesen entlang des Methusalempfades bei Ebrach, ist spannend. Und zunächst sieht auch alles sehr gut aus: Zwar herrschen am frühen Morgen noch eisige minus zehn Grad, doch die Sonne scheint und es ist trocken.

23 Mann vom Sprengkommando des Technischen Hilfswerks Forchheim sind bereits mit Fahrzeugen, Maschinen und Sprengstoff angerückt. Sie stellen eine spezielle Fachgruppe innerhalb des THW dar und kennen sich aus, betont Jochen Roß, neben Egbert Hebendanz einer der beiden Sprengberechtigten der Mannschaft.

Um 8.30 Uhr steht der erste von ihnen auf der Leiter und beginnt, ein Loch in den verletzten rechten Stamm des mächtigen Baumriesen zu bohren. Diese etwa 250 Jahre alte Rotbuche, M 4, steht entlang des Methusalempfads, der vom Forstbetrieb Ebrach angelegt wurde und interessierte Waldbesucher und Touristen auf einer Strecke von ca. zwei Kilometern an neun mächtigen alten Bäumen, genannt Methusaleme, entlang führt. Ein Teil des Pfades wird derzeit als Radweg ausgebaut, der von Würzburg über den Steigerwald nach Bamberg führt.

Die Sonne scheint in die Baumkronen, langsam steigt die Temperatur auf minus acht Grad, vielleicht sogar minus sechs Grad, der Bohrer fängt an zu quietschen, dann steckt er fest und muss mit einem Schraubenschlüssel umständlich aus dem Baum gedreht werden. Der nächste Bohrer ist ganz neu, hat einen Durchmesser von 35 mm. Da geht doch was.

Kurze Zeit später die Ansage: "Das Loch ist drin, der Bohrer auch!" Noch ist die Laune gut, doch auch dieser Bohrer muss langwierig per Hand und Schraubenschlüssel aus dem Baum geholt werden. Inzwischen ist auch die Bohrmaschine heiß gelaufen. Im Laufe des Vormittags wird aber nur einer Maschine der Motor durchbrennen, die anderen halten.

Insgesamt müssen sechs tiefe Löcher in geschätzter Höhe von fünf bis sechs Metern in den bei einem Sturm im Juni beschädigten Hauptstamm des M 4 gebohrt werden. Durch den langen, tiefen Riss im Holz besteht die Gefahr, das der Stamm, besonders unter viel Schnee, bricht und auf den Methusalempfad oder den geplanten Radweg stürzt.

Fällen wollte man den Baumriesen nicht, so Revierleiter Fabian Löchner, denn dann hätte der Pfad seine mit etwa 30 Metern Höhe mächtigste Rotbuche verloren. Den beschädigten Hauptstamm absägen? "Zu gefährlich, da der Stamm auf der einen Seite zieht, auf der anderen zu viel Druck ausübt", erklärt Löchner. Auch einen Hubsteiger kann man in dem Bereich nicht aufstellen und einen Mann aus der Baumkrone abseilen - ebenfalls viel zu gefährlich. Also entschieden sich die Mitarbeiter des Forstbetriebes unter Leitung von Ulrich Mergner für die Sprengung des rechten Stammes.

Immer wieder frieren die Bohrer in dem bis zehn Zentimeter unter der Rinde gefroren Baumstamm fest. Durch die beim Bohren entstehende Wärme taut das Holz, setzt das darin enthaltene Wasser frei, das sich mit dem Bohrmehl vermischt, festfriert und den Bohrer nicht mehr hergibt. "Das haben wir noch nie gehabt, dass wir die Löcher nicht reinbringen", stöhnt Egbert Hebendanz. Seit zehn Jahren, egal ob Sommer, ob Winter, egal welche Baumart oder Temperatur, bis jetzt hat das THW noch jeden Baum kleingekriegt.

Gegen elf Uhr ist Fabian Löchner noch optimistisch, fünf der sechs Löcher für den Sprengstoff sind gebohrt. Er hat die Genehmigung für die Sperrung der B22 für etwa 20 Minuten in einem Zeitfenster von zehn bis zwölf Uhr vorliegen. Niemand darf in der Nähe des M 4 sein, ein Sicherheitsabstand von 300 Metern muss unbedingt eingehalten werden.

Doch die Zeit ist gegen die Maßnahme. Kurz vor 12 Uhr mittags entscheidet der Sprengbeauftragte Egbert Hebendanz, die Aktion zu vertagen. Die Bohrlöcher sind nicht tief genug, die eingebrachte Menge Sprengstoff entspricht nicht den Berechnungen und die Gefahr, dass der Baumstamm in die falsche Richtung fällt oder nur zu einem Teil fällt, ist zu groß, so die Begründung. Fabian Löchner schätzt, dass "vor Mitte, Ende Januar" nichts mehr geht, denn allein die erneute Antragstellung für die Sperrung der Bundesstraße werde einige Wochen in Anspruch nehmen.

Die Enttäuschung ist den Männern des THW deutlich ins Gesicht geschrieben, aber auch eine gewissen Vorfreude, denn "aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Und so kann Methusalem M 4, so er nicht vorher unter den Schneemassen zusammenbricht, noch ein weiteres neues Jahr begrüßen.


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