25 Jahre hat es gedauert, ehe die Hochwasserschutzmaßnahme in Drosendorf abgeschlossen werden konnte. Gestern wurde die endgültige Fertigstellung feierlich eingeweiht.
"Was lange währt, wird endlich gut", betonte dabei Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU). Zwar habe man bereits nach dem großen Hochwasserereignis im Jahre 1988, bei dem auch der Wasserstand am Leitenbach in "beängstigende Höhen" stieg, eine Notwendigkeit der Bebauung zum Schutz vor den Wassermassen erkannt, sagte er. Dennoch seien noch etliche Jahre vergangen, ehe man im Jahre 1992 mit den ersten Planungen an der Dr.-Ritz-Straße in Drosendorf begann.

"Man ging damals davon aus, dass hier der Leiterbach am ehesten ausufern könnte und die Gefahr einer Überflutung am Größten sei", berichtete Denzler. Allerdings habe sich herausgestellt, dass eine punktuelle Lösung sich schwierig gestalte, da auch andere Ortsteile von Memmelsdorf an einer Gesamtlösung, also einem integrierten Hochwasserschutzkonzept Interesse zeigten. Zumal es nach Angaben des Bezirkstagspräsidenten auch Überlegungen gab, ein Hochwasser nicht einfach weiterzuleiten, sondern es auch zwischenzuspeichern. Aber um nur ein Drittel einer hundertjährlichen Flut zu speichern - bei Hochwasser fließen rund 800 gefüllte Badewannen voll Wasser in einer Sekunde den Leiterbach hinab -, hätte man ein Rückhaltebecken mit einem Volumen von einer Viertelmillion Kubikmeter gebraucht. Die Kosten hierfür wären im höheren einstelligen Millionenbereich gelegen.

"Die Planung sah deshalb für den Ortsteil Drosendorf eine Kombination von Gewässerausbau, Hochwasserschutzmauern und Deichen gegen eine direkte Überflutung vor", erinnerte sich Denzler.

Auch an die Fische gedacht

Begonnen wurde im Jahre 2004 mit dem Bau am linksseitigen Ufer. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt betrugen rund 1,2 Millionen Euro. Durch die Maßnahme sind rund sieben Hektar bebaute Fläche vor einem Jahrhunderthochwasser geschützt worden. Gleichzeitig konnte mit dem Bauwerk auch die ökologische Situation des Leitenbaches verbessert werden. Es entstanden neue ruhige Räume für Flora und Fauna, und der Leitenbach wurde auf einer Länge von 15 Kilometern von seiner Mündung in den Main bis Wiesengiech vernetzt, sodass Fische die Strecke ungehindert passieren und neue Laichplätze finden können.

"Nicht verschweigen darf man aber, dass die notwendige 230 Meter lange Betonmauer im Vergleich zu einer natürlichen Böschung mit alten gewachsenen Bäumen einen gewissen Eingriff darstellt", unterstrich Denzler. Es sei jedoch das Möglichste getan worden, um diesen Eingriff wieder auszugleichen.

Der erste Bauabschnitt des Hochwasserschutzes konnte 2006 fertiggestellt werden. Dennoch dauerte es weitere acht Jahre, ehe die gesamte Maßnahme vollendet werden konnte. "Schließlich", so schilderte Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning "galt es zu klären, ob nach der Herausnahme des Bahndamms eine Hochwasserschutzmauer für die rechte Seite des Leitenbaches noch notwendig war." Man sei doch zu der Erkenntnis gekommen, dass auf einen technischen Hochwasserschutz bei einem Abfluss von 80 Kubikmetern pro Sekunde nicht verzichtet werden könnte. Daher begann man mit den Planungen im Jahre 2011 und im Herbst 2013 mit den Bauarbeiten.

Nach nur einjähriger Bauzeit wurden zu den 230 Metern aus der ersten Bauphase noch einmal rund 450 Meter Hochwasserschutzmauern und weitere knapp 200 Meter Deiche sowie ein Pumpwerk zur Entwässerung der rechten Binnenseite fertig gestellt. Die Kosten des zweiten Bauabschnitts beliefen sich laut Wenning auf rund 1,8 Millionen Euro. Während noch beim ersten Bauabschnitt der Bezirk rund ein Viertel der Kosten neben dem Freistaat Bayern und der Gemeinde Memmelsdorf übernahm, mussten die Memmelsdorfer und der Freistaat sich im zweiten Bauabschnitt die Kosten alleine aufteilen. Auch Landrat Johann Kalb (CSU) und Memmelsdorfs Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) freuten sich über den fertigen Hochwasserschutz. "Die jährliche Zitterpartie, dass ein Hochwasser die Gemeinde überschwemmt, hat nunmehr in Drosendorf ein Ende gefunden", bekräftigte Landrat Kalb.
Den kirchlichen Segen bekam das Bauwerk von den beiden Pfarrern Jens Hans und Peter Barthelme.