Die "Fränkische Toskana" hat sich als Begriff etabliert. Aber wer kennt die "Fränkische Camargue"? Die Idee dazu wurde 2005 geboren, als das bayerische Wirtschaftsministerium zusammen mit acht Städten und Gemeinden (Bamberg, Hallstadt, Bischberg, Oberhaid, Viereth-Trunstadt, Stettfeld, Ebelsbach und Eltmann) ein "Raumordnerisches Entwicklungskonzept (ROEK) Zukunftsplan Maintal" in Auftrag gab. Ziel des Konzepts war es, "einen gemeinsamen Zukunftsplan für die Freizeit-, Natur-, Siedlungs- und Verkehrsentwicklung zu erstellen".

Bis Juli 2006 wurde der Zukunftsplan von vier Planungsbüros in Zusammenarbeit mit Fachbehörden und Ämtern auf Regierungs-, Kreis- und Gemeindeebene, Kommunalpolitikern, Kiesunternehmen, Fischereiverbänden, Wassersportvereinigungen, Bürgervereinen und Fremdenverkehrsverbänden erarbeitet. Herausgekommen sind knapp 70 Vorschläge für Maßnahmen und Projekte, darunter acht so genannte Leuchtturm-Projekte. Neben dem "Aueerlebnispark Fränkische Camargue" - gemeint ist damit die Anlage von Feuchtwiesen um den "Porzner-See" auf dem Gebiet von Viereth-Trunstadt - sind dies: Ausflugsschifffahrt auf dem Main ("Bamberger Flotte"), kommunaler Badesee Stettfeld, "Freizeitland Pfister", Wassersportzentrum Bischberg-Oberhaid, "Wilde Aue" und "Erlebnis am Fluss" Hallstadt sowie die Landesgartenschau 2012 in Bamberg.


Was ist aus den Plänen geworden?



Gerade die Vernetzung mit der Landesgartenschau war eines der erklärten Ziele der Planer. Inzwischen sind gut fünf Jahre vergangen und die Gartenschau steht vor der Tür. Zeit, nachzufragen, was aus den - teils hochfliegenden - Zukunftsplänen für das Maintal im nordwestlichen Landkreis Bamberg und im südöstlichen Landkreis Haßberge geworden ist. Federführend in der Koordination der Projekte ist der Verein Flussparadies Franken. Doch der kann von sich aus bei der Realisierung einzelner Projekt nicht aktiv werden, sondern ist stets auf Partner angewiesen. "Wir können die Themen bringen und Möglichkeiten aufzeigen. Und wo wir Partner finden, da bewegt sich auch was", beschreibt Flussparadies-Geschäftsführerin Anne Schmitt die Rolle des Vereins.

Was wurde nun realisiert, was ist auf den Weg gebracht? Welche Projekte sind weiterhin nur Visionen? "Wenn man nur flüchtig auf die ,großen Ziele' schaut, könnte man sagen, es ist nichts passiert", räumt Schmitt ein. "Aber es wurden viele kleine Bausteine verwirklicht." Wenn man nur die acht Leuchtturm-Projekte nimmt, so steht - mit Ausnahme der Landesgartenschau - keines unmittelbar vor der Realisierung. Wahr geworden sind dagegen etwa der Lückenschluss im Mainradweg zwischen Bischberg und Hallstadt, der Weinradweg, das Nordic-Walking-Zentrum, ein Beoachtungs turm und die Autobahnbeschilderung. Vorangegangen ist es bei der Mainpromenade in Eltmann oder beim Wasserwanderweg für Paddler. Die Flussparadies-Geschäftsführerin ist aber hoffnungsvoll, dass sich auch bei den Leitprojekten bald etwas bewegt. "Wenn ich drei Wünsche frei hätte, dann wären das die Ausflugsschifffahrt, die Mainaue in Hallstadt und ein Badesee", sagt Schmitt.


Einklang von Mensch und Natur



Dabei gelte es nicht nur die Bedürfnisse von Mensch und Natur in Einklang zu bringen. Es muss auch die Finanzierung gesichert und es müssen Genehmigungen erteilt werden. Letzteres ist bei acht beteiligten Kommunen, zwei Landkreisen, zwei Regierungsbezirken und zahlreichen Fachbehörden, wie etwa der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes oder dem Wasserwirtschaftsamt, nicht immer einfach. So steckt etwa das "Freizeitland Pfister" nach fast einem Jahrzehnt noch immer im Genehmigungsmarathon der Bauleitplanung. Ganz zerschlagen hat sich etwa das Zukunfts-Projekt Nr. 32.3: eine Schiffsanlegestelle am P+R- und Wohnmobilparkplatz Bamberg.

Wunsch und Wirklichkeit unter einen Hut zu bringen klappt also nicht immer. Badeseen sind zum Beispiel so "ein zähes Thema", weiß Schmitt. Das Flussparadies will einerseits Räume schaffen, in denen sich die Natur ungestört entwickeln kann, andererseits Flächen für eine geordnete Freizeitnutzung. "Ohne die entsprechende Infrastruktur suchen sich die Leute halt ihre Plätze", sagt Schmitt.


"Langfristig erstrebenswert"



Dem Leuchtturm-Projekt Badesee Stettfeld erteilte jedoch der dortige Gemeinderat postwendend bereits 2006 eine Absage. Nach den Entwürfen der Planer sollte der bestehende Badesee vor den Toren Stettfelds unter Naturschutz gestellt und ein neuer nahe des Ortes angelegt werden. "Die anderen haben die Vorteile und wir die Biotope", schimpfte Bürgermeister Alfons Hartlieb (CSU) damals und forderte zehn bis 15 Jahre Zeit für die Gemeinde, um neue Möglichkeiten auszuloten und eventuell in die Tat umzusetzen.

Und die Fränkische Camargue? Auch die bleibt Zukunftsmusik. Viereth-Trun stadts Bürgermeister Edwin Mahr (BG/ÜWG) war schon vor der offiziellen Vorstellung des Zukunftsplans skeptisch. "In nächster Zeit sind solche Pläne nicht durchführbar", sagte er im März 2006 im Gemeinderat und verwies auf die wirtschaftliche Nutzung durch Kiesabbau und Landwirtschaft. In einer langfristigen Planung, so Mahr, seien derartige Vorhaben jedoch durchaus erstrebenswert.