"Träum ich? Wach ich? Bin ich bei Sinnen?- was ist denn das für ein Theater" - frei nach Heinrich von Kleist staunten viele der rund 2500 Fans bei einem besonderen Konzert der US-Prog-Rock-Band "Dream Theater" über die musikalischen Fertigkeiten der fünf Akteure.

Immer nahe am Schwer-Metal bot das New Yorker Starensemble eine dreistündige Show der Superlative. Getreu dem Einstiegsmotto "The enemy inside" kämpften sie gegen den Gegner von innen an, der 1000 wahren Geschichten entsprungen ist, so die Erklärung auf der Leinwand, wo Panzer rollen und Menschen leiden. Die spektakuläre Light- und Videoshow übertrumpften die Musiker mit einem Wettlauf auf Saiten und Tasten, Trommelfellen und Becken.

Kaum ein Song unter zehn Minuten

Bin ich bei Sinnen? Wahnsinnsläufe auf der Gitarre von John Petrucci konterte Jordan Rudess mit einem Tanz um seine Keyboards und Sounds, die immer wieder mal an die britische Avantgarde-Band "YES" erinnerten, und John Myung an seinem sechssaitigen Bass, der sich in atemberaubenden Tempo die Finger wund zupft. Phämonemal und doch keine leichte Kost: Kein Song dauert unter zehn Minuten, weist jede Menge an Soli und Tempi-Wechsel auf, wobei Drummer Mike Mangini, stets lächelnd, was Dutzende von Kameras in Szene setzten, Schwerstarbeit verrichtete . Er sitzt in einer "Schießbude", die locker die Maße eines Gartenhäuschens umfasst.

Ein einziger Genuss: Es erklingen Adaptionen von John Gershwin ebenso wie von "Pink Floyd". Eine Passage erinnert an den "Hummelflug" von Nikolai Rimski-Korsakow. Allerdings schwirrt kein Insekt durch den Saal, sondern Plektrum und Finger über Saiten und Bünde.

Neben aktuellen Titeln des Albums "Dream Theater" kündigte Sänger James LaBrie, der noch am ehesten in das Klischee des Metalrockers erfüllt, auch einige Werke an, die schon 20 oder 15 Jahre alt sind (die Band existiert seit 1985). Höhepunkt indes blieb die opulente "Illumination theory", die schon symphonische Züge aufweist, und den Gig beendete, ehe noch mehrere Zugaben folgten.