Im Rahmen des Bamberger Literaturfestivals "BamLit" liest die amerikanische Schriftstellerin, die seit Jahren in Venedig lebt, am 26. Januar Amüsantes über Gondeln. Begleitet wird sie musikalisch vom Ensemble "Il Pomo d'Oro". Die Lesung wird in englischer Sprache stattfinden, die deutsche Übersetzung übernimmt Tanja Kinkel

Commissario Brunetti ist nicht so wie die Polizisten, denen wir in vielen der modernen Thriller begegnen. Er ist gebildet, hat eine Familie, mit der er oft zu Mittag isst. Wie haben Sie ihn entworfen?
Donna Leon: Ich habe versucht, ihn als ganz normalen italienischen Mann darzustellen. Er ist gebildet, glücklich verheiratet, ein ehrlicher und kluger Mann, der seine Intelligenz einsetzt, um Verbrechen aufzuklären und Verbrecher zu überführen. Es wäre mir unangenehm, über einen Mann zu schreiben, der nicht so normal ist.

Mir gefällt an Ihren Büchern besonders, dass sich die Figuren - allen voran Brunettis Familie - über die ganzen 24 Geschichten hinweg entwickeln. Wie stellen Sie sicher, dass die Geschichte in sich stimmig ist?
Wenn Sie den Erzählstrang, den Plot, meinen, dann weiß ich nicht, wie das passiert. Er (Brunetti) bleibt immer ehrlich und intelligent durch die ganzen Bücher hinweg. Er wird nur älter und denkt mehr über das Leben nach. Eigentlich hat er sich nicht sehr verändert - außer, dass er nur etwas trauriger ist über die Welt an sich, aber sind wir das nicht alle?

In Ihrem neuesten Buch "Endlich mein" gibt es mehr Hinweise auf London und England, mehr als nur Paolas Lieblingsbücher und Lieblingsschriftsteller. Flavia Petrellis so genannter Fan war offenbar in London und Brunettis Familie schaut die englische Fernsehserie "Downton Abbey". Wird es mehr englisches Flair in den nächsten Romanen geben?
Im nächsten wird die Handlung meistens in Venedig spielen und es wird keine Ausflüge nach England oder die englische Kultur geben. Das liegt daran, dass ich die Bücher nicht vorbereite. Ich warte ab, was passieren wird und dann mache ich mit der Geschichte weiter. Es gibt keinen übergreifenden Plan.

Sie unterstützen barocke Musik und werden hier in Bamberg ein Konzert von "Il Pomo d'Oro" begleiten. Warum lieben Sie die Musik so?
Sie können mich genauso fragen, weshalb ich Eis mit Kaffeegeschmack mag. Es ist das, das mir am besten schmeckt. Mit Barock-Musik fühle ich mich am wohlsten. Ich mag die Ordnung, die Zurückhaltung. Zumindest bis sich die Leidenschaft Bahn bricht, bis zu den Arien. Leider bin ich kein Musiker und kann es deshalb nicht genauer ausdrücken.

Lesung

Ort Die konzertante Lesung findet am 26. Januar ab 20 Uhr in der Konzerthalle Bamberg, Mußstraße 1, statt.

Karten gibt es ab 21 Euro auf tickets.infranken.de.

Weitere Infos zum Literaturfestival gibt es auf bamlit.de

Bücher Der neueste Fall für Guido Brunetti "Endlich mein" ist seit November erhältlich. "Gondola" widmet sich den venezianischen Gondeln. Beide Bücher sind im Diogenes Verlag erschienen.