Eigentlich sollte Anton Hepple, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken, im Rahmen des 26. Landwirteforums der Sparkasse Bamberg über sterbende Dörfer im Landkreis referieren. Doch das lehnte er aus zweierlei Gründen ab, wie er eingangs seiner Rede betonte. Zum einen wollte Hepple nicht der Grabredner der fränkischen Dörfer sein, zumal alle Redner der letzten 25 Jahre beim Landwirteforum das Positive der ländlichen Dörfer und Dorfgemeinschaften hervorhoben. Und zum anderen, aber das wurde erst zum Ende seines rund einstündigen Vortrages deutlich, ist der Amtleiter für Ländliche Entwicklung fest davon überzeugt, dass zumindest im Landkreis Bamberg der ländliche Raum eine Zukunft hat.

Zunächst jedoch einmal stellte Hepple dar, wie idyllisch das Dorfleben in den Köpfen der (Stadt-)Bevölkerung verankert ist und wie verklärt Hochglanzmagazine wie die Zeitschrift "Landlust", deren Auflage in den letzten drei Jahren auf über eine Million Exemplare angestiegen ist, das Landleben schildern: frische Luft, Ruhe, grüne Gärten und auf den Wiesen grasende Milchkühe. So wird gerne damals wie auch heute noch das Bild der bäuerlichen Welt verklärt. Doch wie sieht die Realität aus?

"In Frankreich werden inzwischen ganze Ortschaften, wie etwa Courbefy, für 350 000 Euro verkauft, weil sie ausgestorben sind. Aber auch in Deutschland, besonders im Osten, wird es immer schwieriger, junge Menschen zu halten", erläuterte Hepple. Auch eine Kampagne der Caritas dieses Jahres zeige mit zwei Slogans wie "Wer das Land liebt, kommt nicht mehr weg. Zumindest nicht mit dem Bus" oder "Stress ist hier ganz weit weg. Genau wie der nächste Arzt" Probleme der ländlichen Gegenden auf.


Junge Menschen auf dem Land

Oberfranken und insbesondere die Region Bamberg hingegen glänzt, wie der Referent darlegte, mit einer niedrigen Arbeitslosigkeit, was wiederum auch junge Menschen in die Dörfer ziehe. Denn man lasse sich natürlich gerne dort nieder, wo man Arbeit findet. Einzig die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe hätte sich in den letzten zwei Jahrzehnten halbiert. "Dagegen kann man aber auch immer wieder im Landkreis beobachten, dass Menschen das Schicksal ihrer Dorfgemeinschaft selbst in die Hand nehmen und initiativ werden", so der Amtsleiter. Dabei würden Dorfläden entstehen oder ganze Dorfgemeinschaften würden gemeinsam die letzte verbleibende Gastwirtschaft betreiben. Hinzu komme noch, dass ganze Kommunen enger zusammenarbeiten und gemeinsam ihre Entwicklung vorantreiben.

Aber auch in Sachen Dorferneuerung floss und fließt viel Geld. In den letzten vier Jahren kamen alleine dem Landkreis knapp 20 Millionen Fördergelder zugute. Hinzu kommen noch zahlreiche Privatinvestitionen. "Damit wurden viele Ortschaften richtig attraktiv gestaltet und das Ganze trägt zur Erneuerung der Dorfgemeinschaften bei", schilderte Anton Hepple. Eine gute Zukunftschance für Dörfer sieht der Amtsleiter auch in Sachen Tourismus. So würde der Trend vieler Familien derzeit zu zwei Urlauben im Jahr gehen: einmal in die weite Welt und im zweiten auf dem Bauernhof zum Urlaub mit Kühen und Schweinen.

Insgesamt stünden sicherlich, wie Hepple bilanzierte, auch einige Dorfgemeinschaften im Landkreis Bamberg vor großen Herausforderungen - Stichwort Ärztemangel oder die immer älter werdende Gesellschaft. Dennoch sei er sich sicher, dass, wenn alle sich zusammentun und gemeinsam anpacken, anstatt nur zu jammern, dann werde der ländliche Raum auch eine gute Zukunft haben.