Wird es künftig möglich sein, dass wir im Seniorenheim von einem Roboter gepflegt werden, dessen Aussehen und Geschlecht im Vorfeld nach unseren Wünschen gestaltet worden ist? Und welche Rolle spielt die zunehmende Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft? Diese und andere Themen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung in der Caféteria des Bamberger Klinikums, zu dem die IHK Oberfranken eingeladen hatte.

"Sicherlich fragen sich jetzt viele: Was hat die IHK mit Gesundheit zu tun? Um es mal krass zu sagen: Wenn im Dorf der Laden schließt, finden wir sicherlich noch eine Lösung. Wenn aber der Arzt fehlt, dann wird es schwer für unsere Unternehmen", erläuterte IHK-Präsident Heribert Trunk. Rund 350 IHK-Mitglieder seien im Gesundheitsbereich und 270 von ihnen als Apotheker tätig.

Auch Xaver Frauenknecht, Vorstand der Sozialstiftung, schilderte, dass in den nächsten 30 Jahren der Gesundheitsbereich der größte Wirtschaftswachstumsmarkt sein werde - national wie auch international. "Schon jetzt ist die Sozialstiftung mit ihren 3950 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in der Stadt Bamberg", sagte Frauenknecht. Allerdings halte auch immer mehr die Digitalisierung Einzug in den Klinikalltag. So sei man gerade in der Testphase einer App, die Besucher wie auch Patienten mittels Smartphone gezielt zum Zimmer oder durchs Haus führt. Aber auch sonst werde bereits im gesamten Bamberger Klinikum neueste Technik eingesetzt.

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sprach sich generell für den Einsatz moderner Technik in der medizinischen und pflegerischen Versorgung aus. "Klar ist für mich, dass wir die Chancen der modernen Technik auch nutzen sollten. Digitalisierung und Telemedizin können zum Beispiel helfen, maßgeschneiderte Therapien zu finden oder das Leben mit einer Krankheit selbstbestimmter zu führen. Verwaltungsabläufe können vereinfacht und Pflegende unterstützt werden. So bleibt mehr Zeit für den Dienst am Menschen", unterstrich die Ministerin. Ferner könnten moderne Datenverarbeitungssysteme unzählige Möglichkeiten für die Forschung eröffnen und bei Krankheiten wie Krebs sei es möglich, dass diese Daten Aufschluss über erfolgreiche Behandlungsmethoden geben.


Menschlichkeit oberstes Gebot

Allerdings, so schränkte sie ein, dürfe eine zunehmende Technisierung nicht bedeuten, dass die Menschlichkeit verdrängt werde. Daher sei ihre oberste Prämisse, dass die Gesundheitsversorgung immer ein menschliches Gesicht behalten müsse.

Zum Ärztemangel äußerte sich die Gesundheitsministerin, dass die Region Bamberg noch eine vergleichsweise hohe Versorgungsdichte aufweise. "Fachärzte sind jedoch in der Regel mehr in der Stadt zentriert als auf dem Lande. Aber ich denke, hierfür sind die Menschen auch bereit, ein paar Kilometer zu fahren. Nur der Hausarzt vor Ort, der darf nicht aussterben", berichtete Huml. Um auch den Hausärztebedarf künftig besser analysieren zu können, werde die Region Bamberg nunmehr in fünf Bereiche aufgeteilt. Denn nur so könne man sehen, ob es wirklich eine hausärztliche Überversorgung gebe beziehungsweise wo noch Lücken zu füllen seien.

Abschließend betonte IHK-Präsident Heribert Trunk, dass die Gesundheitsbranche die Zukunft der Region sei und sich immer mehr zum harten Faktor entwickle für Unternehmen, die sich neu an einem Standort niederließen. "Die Erweiterung des Medical Valley in Richtung Bamberg ist der einzig richtige Weg. Und auch die Digitalisierung im Gesundheitsbereich wird mit großen Schritten voranschreiten", sagte Trunk. Obwohl in den nächsten zehn bis 15 Jahren so viel an Entwicklung passieren werde wie in den letzten hundert Jahren, werde die künftige technische Entwicklung aber weitaus weniger sichtbar sein.