In einem Seitental südlich des Maines zwischen Limbach und Eltmann fließt der sogenannte Lochbach. Läuft man in das Tal hinein, so zweigt sich der Weg nach einem guten Kilometer am Fuße eines Bergsporns. Diese Anhöhe trägt einen sehr gut erhaltenen Burgstall (Burgstelle), wie man vor Ort unschwer an den deutlichen Gräben und Wällen erkennen kann. Die Anlage war einst über 200 Meter lang und man vermutet bis heute einen frühmittelalterlichen Ursprung, da bisher noch kein Dokument gefunden wurde, wo etwas über Zeitstellung, Namen oder Herren dieser Befestigung zu erfahren wäre.

Es könnte sich um eine "ungarnzeitliche" Fliehburg handeln, wie sie im 10. Jahrhundert in großer Zahl entstanden waren. Hintergrund waren die schweren Verluste unter der Bevölkerung durch die wiederholten Überfälle der berittenen "Magyaren". Erst nach der "Schlacht auf dem Lechfeld" anno 955 hatten diese Überfälle der Ungarn ein Ende und so manche Fliehburg verfiel wieder bis zur Unkenntlichkeit, denn sie bestanden lediglich aus Gräben und Erdwällen, die mit Holzpalisaden zusätzlich verstärkt wurden. Im Inneren gab es meist nicht mehr als einen hölzernen Wachturm und wenige Holzhäuser zur Lagerhaltung und für denjenigen, der zur Bewachung und Instandhaltung auserwählt wurde.

Manchmal blieben die Burgen jedoch in Benutzung und wurden Amtssitz eines Ritters oder anderer Ministerialer, die durch den Landesherren hier eingesetzt worden waren. Diese Burgherren begannen alsbald ihren Wohnsitz standesgemäß nach und nach in Stein auszubauen; auch der Burgstall bei Eltmann weist einige Indizien für einen beginnenden Ausbau in Stein auf und könnte demnach auch über die Ungarnzeit hinaus genutzt worden sein.

Nähere Informationen sind zu erwarten, wenn die Grabungsfunde des verstorbenen Heimatforschers Paul Hinz, die derzeit im Archiv der Gemeinde Knetzgau liegen, unter wissenschaftlicher Anleitung aufgearbeitet werden.

Viele offene Fragen

Doch wem sollte die Burg eigentlich Schutz bieten? Eltmann, Oberschleichach oder Limbach liegen viel zu weit entfernt und kommen somit kaum in Frage. Zudem ist nur für Eltmann eine Existenz im 10. Jahrhundert gesichert, was jedoch selbst ein "Castellum" war und seine eigene Burg, nämlich die Wallburg besaß.

Sollte vielleicht hier, zu einer Zeit als selbst die Wallburg noch nicht aus Stein bestand, sogar der neue Standort des regionalen Amtsherren entstehen, da der hiesige Bergsporn aus militärischer Sicht wesentlich wehrhafter war ? Oder gab es eine Siedlung an der Rodungsinsel oberhalb des Aurachtales? Gab es vielleicht im Lochbachtal eine Siedlung, die längst gefallen und uns heute nicht mehr bekannt ist ? Viele Indizien und neue Erkenntnisse der Heimatforschung sprechen dafür.

Gelände einst intensiv genutzt

Eine Analyse elektronischer Bildaufnahmen und historischer Karten brachte zu Tage, was mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen wäre: Heutige Waldflächen waren großflächig einstiges Kulturland. Im gesamten Tal wurden einst etwa 60 Hektar landwirtschaftlich genutzt - genug für drei bis vier Gehöfte - wovon heute nur noch zwei Drittel genutzt werden. Die Wiederentdeckung historischer Weinberge und Trockenmauern an den Süd-Ost-Hängen des Lochbachtales ist ebenfalls der Kartenanalyse zu verdanken.

Alte Flurnamen deuten auf sehr frühe Nutzung hin, wie z. B. "Der alte Grund", der von den Bayrischen Katasterbeamten des 19. Jahrhunderts zum "Eulengrund" verfälscht wurde. Die mundartliche Bezeichnung des Tales als "die Looch" zeugt noch von der regionalen Aussprache des Wortes "Lage" für Weinanbaugebiet. (zum Vergleich: Waage = Wooch oder Frage = Frooch).

Weitere Flurbezeichnungen, wie z. B. die "Schreckenswiese" haben äußerst urbanen Charakter.
Zudem sind noch längst nicht alle Wüstungen in der Umgebung entdeckt, bzw. lokalisiert. So vermutet man z. B. im 1303 erwähnten "Hirzawe" (= Hirschau) eine Wüstung bei Eltmann, deren Lage bislang jedoch völlig unbekannt ist.

Doch muss hier eine Ortschaft "versunken" sein ? Nicht unbedingt - vielleicht ist sie auch nur "umgezogen". Zu jener Zeit, also im frühen und hohen Mittelalter, war es durchaus keine Seltenheit, dass Orte "wanderten". Ohne Betonfundamente, Wasser-, Kabel-, Kanal- und Straßennetz, konnte der Wohnort den sich verändernden Umständen wesentlich leichter angepasst werden als heute - manchmal sogar freiwillig.

Wegziehen fiel leicht

Zudem hatten die einfachen Menschen jener Tage kaum "Eigentumsrechte" an Grund und Boden wie heute. Die wenigen Ansprüche, die sich ein Bauer damals erwerben konnte, waren durch den Grundherren in der Regel räumlich veränderbar. Zudem waren die Gebäude aus Holz und Lehm sehr vergänglich und mussten sowieso alle 30 bis 40 Jahre ersetzt werden - warum nicht dann woanders bauen, wenn es vorteilhaft, erlaubt oder gar gewünscht ist?

Vielleicht stammen die Vorfahren von Limbach oder Schleichach ja aus dem Lochbachtal ? Egal wie: Burgstall, Kulturland und Flurnamen sind da . Eine Siedlung, die vermutet werden darf, harrt noch ihrer Entdeckung.

Vereine bitten um Hilfe

Der Verein für Heimatgeschichte in Eltmann und der Historische Verein des Landkreises Haßberge sind dankbar für jede noch so kleine Information zum Lochbachtal und Burgstall. Wer noch Fakten liefern kann, wird gebeten sich beim Historischen Verein des Landkreises Haßberge, Wolfgang Jäger, unter der Telefonnummer 09521/952547 oder per E-Mail an info@historischervereinlandkreishassberge.de zu melden. Mark Werner