Für ihren "Tag des offenen Bauernhofes" haben sich Bernhard und Manuela Gumbrecht heuer etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Am Sonntag bestreiten sie für den Kreisverband Bamberg des Bauernverbandes diese traditionelle Veranstaltung, mit der einmal pro Jahr am lebenden Objekt über das aktuelle Geschehen in der Landwirtschaft informiert werden soll. Auf die Besucher des Geflügelhofes in Sambach warten aber nicht nur ein Streichelzoo und das Schauschlüpfen von Küken aus Hühnereiern hinter Plexiglas - auch ausgemachte Exoten sind zu sehen: Strauße aus Afrika, Emus aus Australien und Nandus aus Südamerika haben erstmals im Bamberger Land eine Bleibe gefunden.

Fünf ausgewachsene Strauße, angeführt vom stolzen Hahn "Goliath", hat Bernhard Gumbrecht in den letzten Monaten auf seinem Hof versammelt. Hinzu kommen etwa 30 "Küken", die ebenfalls die Größe von mehr oder weniger ausgewachsenen Hühnern haben. Vier kleinere Emus gehören schon seit einigen Jahren zum Bestand des Hofes, seit etwa einem Jahr sind auch Nandus dazu gekommen. Ebenso eine Handvoll südamerikanischer Lamas, die sich im Gehege nebenan tummeln.

Aber die Familie Gumbrecht nennt nicht nur die exotischen Laufvögel ihr Eigen. In den letzten Monaten hat sich der gelernte Metzger auch ein spezielles Schlachthaus für Strauße eingerichtet, alles nach den neuesten Normen der Europäischen Union. Damit erfüllt sich Bernhard Gumbrecht vor allem seinen Hobby-Traum: Nicht nur das gängige deutsche Geflügel wie Hähnchen, Enten und Gänse zu schlachten und zu vermarkten, sondern sich auch an größere Einheiten wagen zu können. Geld, das sagt er von vornherein, wird er damit wohl nicht verdienen. Vor allem reizt den Mann, der sich mit Tieren auskennt wie selten einer, das Neuland, das er damit betreten kann. Denn Straußenbraten aus eigener Herstellung - den hat nicht ein jeder. "Von der Farbe und der Verarbeitung her ähneln sie Rindfleisch", meint Gumbrecht.

Gehirn nicht leicht zu treffen

Die Investition im fünfstelligen Bereich für das Schlachthaus wird er mit den geringen Mengen nicht "herein" bekommen. Vor allem Höhe war dabei gefragt, denn Strauße haben nicht nur lange Beine, sondern auch lange Hälse, und den Boden dürfen die Tiere bei der Schlachtung nicht berühren, sagt Amtstierärztin Gabriele Pflaum. Sie zu erschießen, sei vor allem wegen ihres sehr kleinen Gehirns, "das nicht größer ist als eine Daumenkuppe", nicht ratsam. "Trifft der Schuss nicht richtig, ergreift der Strauß die Flucht auf Nimmerwiedersehen", so Gumbrecht. Deshalb werden sie zunächst mit Strom betäubt.

Etwa 20 bis 25 Kilo Fleisch gibt einer der Riesenvögel - keine Brust, nur Keule und Rücken. Auf der anderen Seite legen Straußenhennen pro Jahr bis zu 50 Eier, eines so schwer wie 25 bis 30 Hühnereier. Preis: 25 Euro pro Stück. Von einigem Wert ist außerdem die Haut, die den Straußen bei der Schlachtung abgezogen wird: Etwa 700 Euro kostet eine Handtasche aus Straußenleder, eine Laptop-Tasche etwa 1500 Euro.
Um die Tiere sachgerecht schlachten zu können, hat Bernhard Gumbrecht eigens einen fünftägigen Lehrgang absolviert. "Bewegt" werden die Strauße mit übergestülpter Hau be und rückwärts "dann sind sie damit beschäftigt, das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

"Alle Achtung" für die Bereitschaft der Familie Gumbrecht, neue Wege zu gehen, zollte bei der Vorstellung der Kreisobmann des Bauernverbandes Bamberg, Heiner Faatz. "An sowas muss man Freude haben, sonst wird's nix", meinte er und Armin Schätzlein von der Geschäftsstelle des Bauernverbandes zeigte sich zuversichtlich, dass die Familie Gumbrecht für das neue Angebot Abnehmer finden wird. Der Zweite Bürgermeister von Pommersfelden, Helmut Schleicher, freute sich, dass die Gemeinde jetzt "eine Attraktion mehr hat".

Zunächst aber können die Tiere am kommenden Sonntag von 10.30 Uhr bis 17 Uhr genügend bestaunt werden. Etwa um 13 Uhr wird die neue Landesbäuerin Anneliese Göller aus dem benachbarten Wingersdorf zu den Besuchern sprechen.