Waschsalons haftet ja allgemein ein sehr romantisches Image an. Spätestens seit dem Film ‚40 Tage und 40 Nächte‘ in dem Josh Hartnett als geläuteter Schwerenöter, zwischen rotierenden Trommeln und dreckigen Socken seine Traumfrau entdeckt und erobert.

Als Student - weit weg von Mutter und Maschine - hat man oft keine andere Möglichkeit als auch im Salon zu waschen. Den erotischen Kick, diesen knisternden Blick, der schon nach einer Sekunde ewige Unzertrennlichkeit verspricht, habe ich dort allerdings noch nicht erleben dürfen.

Mir haben sich Waschsalons lediglich als Ort des Verfalls und des Niedergangs in den Kopf gebrannt. Waschsalons und ich hatten allerdings auch einen schwierigen Start.

Das erste Mal betrat ich einen im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Ich fühlte mich dort überhaupt nicht wie in einem romantischen Hollywood-Film, sondern eher wie in der Bronx - bevor Bürgermeister Giuliani mit seiner Nulltoleranzpolitik die Kriminalitätsrate auf den Straßen drastisch senkte.
Alles war dreckig, einige Maschinen funktionierten nicht und waren mit Zetteln beklebt, auf denen in großen Buchstaben ‚kabut‘ (kaputt) stand.

Zudem hausten dort sehr seltsame Gestalten. Ich erinnere mich an einen dicken Kroaten, der mir 20 Euro zahlen wollte, wenn ich ihm für eine halbe Stunde eine weibliche Bekanntschaft vermitteln würde. Von Romantik keine Spur! Einmal wurde mir jedoch ein Kompliment für meine Frisur gemacht. Allerdings von einem Mann Mitte 50, der eine halbvolle Flasche Fusel in der Hand hielt und unentwegt lallte, dass Deutschland ein Gurkenland sei und darauf bestand, dass überhaupt alles den Bach runterginge.

Wenige Monate nach diesen Ereignissen besuchte ich das erste Mal einen Bamberger Waschsalon. Ich war überrascht, wie ordentlich er war. Es gab einen Kaffeeautomaten und sogar ein Regal voller Schmöker.
Die Klientel war auch deutlich jünger und verwechselte mich weder mit einem Zuhälter noch mit einem Kummerkasten. Ich schlenderte also beruhigt und gemütlich zwischen den Trommeln umher und wollte schon mein negatives Bild von Waschsalons revidieren, bis mir ein Zettel an der Wand auffiel. Er zeigte Bilder einer Überwachungskamera auf denen Jugendliche zu erkennen waren. Über den Bildern stand in fetter Schrift, dass diese Jugendlichen widerrechtlich im Salon genächtigt, Schmutz und Dreck hinterlassen sowie die Türen manipuliert hätten.

Es ist also doch überall dasselbe und ich blieb letztendlich bei meiner Ansicht: Waschsalons sind nicht romantisch und egal ob in Bayern oder Hessen offenbar ein Habitat für skurrile Gestalten und Kleinverbrecher. Und natürlich waschen auch ‚normale‘ Leute und Studenten dort ihre Wäsche - dafür sind diese Örtlichkeiten recht wohl geeignet.

Ich hörte ein paar Maschinen weiter ein Pärchen heftig darüber streiten, ob man die fertige Wäsche einfach in die Tasche stopft oder schon vor Ort zusammenlegt. Ich hätte die beiden gerne gefragt, ob sie sich wenigstens im Waschsalon kennengelernt haben, aber sie waren schon wütend abgerauscht. Ich stand also alleine da und schaute in die Trommel...






Unser Mitarbeiter Tarek J. Schakib-Ekbatan ist mit Beginn des Semesters von Frankfurt nach Bamberg gezogen. Er ist Student an der Otto-Friedrich-Universität und berichtet regelmäßig im Frä über das Leben der Studenten.