Maria Roßkopf gehört auch dazu. Sie ist eine von 7930. Sie ist damit in der Überzahl. Also nicht Maria, sondern die Gruppe, zu der die Studentin gehört. Die weiblichen Studierenden sind nämlich an der Universität Bamberg haushoch in der Mehrheit. Das bleibt auch im Sommersemester so. Wenn die Vorlesungen am heutigen Tag wieder beginnen, dann haben die männlichen Studierenden erneut das Nachsehen: Von den insgesamt 12 843 Studenten (Stand 9. April) sind nur 4913 männlich. Das sind gerade mal 38 Prozent. "Das merkt man schon, wenn ich mich so umschaue, dann sind die meisten meiner Kommilitonen weiblich", sagt auch Maria, die Gymnasiallehramt Französisch, Englisch und Sport studiert.

Das, was die 31-Jährige studiert, trägt auch dazu bei, dass das Geschlechterverhältnis an der Bamberger Hochschule so ungleich verteilt ist. "An der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften studieren fast nur Mädels", sagt die Oberbayerin, die ursprünglich aus Neuburg an der Donau kommt, und die es nach einer Ausbildung zur Reisekauffrau hierher nach Bamberg gezogen hat.

Profil der Uni

"Die Universität Bamberg hat einen Schwerpunkt auf Sozial- und Geisteswissenschaften, sowie Lehramt, alles Bereiche, die traditionell häufiger von Studentinnen gewählt werden", bestätigt auch Samira Rosenbaum von der Pressestelle der Universität.
Studiengänge wie Maschinenbau oder ähnliche Fächer, die häufiger von Männern studiert werden, gibt es an der Universität nicht: "Das spiegelt sich im Geschlechterverhältnis der Studierenden." Zum Vergleich: An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, wo unter anderem auch die Fächer Maschinenbau, Chemie und Physik angeboten werden, liegt das Geschlechterverhältnis ungefähr bei 50 Prozent.
So eindeutig waren die Frauen an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg aber auch nicht immer in der Mehrheit. Ein Blick auf die Statistik der 90er Jahre zeigt, dass es noch vor 20 Jahren im Wintersemester 1995/96 "nur" rund 54 Prozent waren (vergleiche Grafik). Was auch daran liegen mag, dass mehr Schülerinnen inzwischen Abitur machen.

Interesse an Informatik

Doch gibt es auch in sonst typisch männlich dominierten Fächern einen Wandel, wie Samira Rosenbaum bestätigt: An der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WIAI) studieren inzwischen immer mehr Frauen: Seit dem Wintersemester sei der Anteil der Studienanfängerinnen in dem Bereich auf über 30 Prozent angestiegen.
Im Vergleich zum Sommersemester 2014 ist die Studierendenzahl im Übrigen zurückgegangen. Damals waren 12 928 Studenten eingeschrieben. Der Rückgang sei erwartungsgemäß, heißt es von der Uni, was mit den Abiturzahlen zu tun habe.
Große Beliebtheit genießt weiterhin das Masterstudium. Hier haben sich nach Angaben der Universität 626 Studenten neu eingeschrieben. Im Sommersemester 2014 waren es noch 569. Insgesamt starten in diesem Semester 988 Studierende (598 Frauen) neu an der Uni - mehr als noch im Jahr zuvor.
Die höchste Nachfrage gibt es in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (4303), gefolgt von den Geistes- und Kulturwissenschaften (4304), dort wo auch der Studiengang von Maria Roßkopf angesiedelt ist.