Das Geläut der Domglocken, gespenstische Tubatiefen und ein Gnom, der aus der Gruft nach oben steigt: "Wundert euch nicht, meine Herren und Frauen / hier oben mich auf dem Theater zu schauen!" Mit der Publikumsbeschimpfung des Gnoms alias Martin Neubauer und mit Mussorgsky für Tuba solo, großartig gespielt, wie alles an diesem Abend, von Heiko Triebener, beginnt die fünfte Auflage der Hans-Sachs-Spiele im Hof des Schwertfegerhäuschens.

Der frühe Romantiker Karl Friedrich Gottlob Wetzel hat diese Verse geschrieben, die mit Bamberg eng verbunden sind. Wetzel war Redakteur des "Fränkischen Merkur", liegt auf dem Stephansberg begraben. Martin Neubauer, wie Triebener ein Großmeister seines Fachs, versteht sich bestens darauf, Kuriosa und Juwelen aus der Raritätenecke zu heben und sie mit treffender Stimme und expressiver Gestik aufblühen zu lassen. Erstmals ist auch der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs auf Bamberger Stippvisite.

Als Ostinatobass zieht sich durch "Lideradurzeuch mid Duba zwaa" bis hin zur allerletzten Zugabe eine wahre Geschichte aus dem Leben des Brentano-Theater-Mannes. Was Neubauer-Neumann-Nürnberscher auf seinem Anrufbeantworter zu hören bekommt (Plätze nur unter der Rufnummer 0951/54528) ist von umwerfender Komik und aberwitziger Skurrilität. Gelungen sind auch die Bemerkungen zum Tagesgeschehen, die beispielsweise einen kunstsinnigen Pathologen betreffen.

Ein ehemaliger und der derzeitige Oberbürgermeister versuchen sich als - freilich scheiternde - Dichter. Da kann sich jeder seinen Reim darauf machen. Oder eben nicht.

Die vier Temperamente, die Neubauer in wechselnder Robe und mit unterschiedlichen Bieren verkörpert, geben herrliche Einblicke, wie der Bamberger mit dem Verlust der Allerliebsten umgeht, gleich ob sie gestorben ist oder davongelaufen. Triebener, Tubist der Bayerischen Staatsphilharmonie, bläst dazu Variationen über ein Thema des Oberpfälzers Christoph Willibald Gluck. Dass Triebener, der fleißig arrangiert hat, Bernsteins "Maria" zitiert, bringt eine weitere Liebesart mit ins Spiel. Statt bei den Symphonikern Takte zu zählen, wird der Tubist an diesem Abend gefordert. Enorme Kondition ist gefragt, wenn am Ende auch noch der "Csárdás" von Vittorio Monti erklingt. Atemberaubend!

Bei Regen zieht man kurzerhand in den Vorraum um. Der Premiere von "Lideradurzeuch mid Duba zwaa" hat das am Fronleichnamsabend nicht geschadet. Ein noch lange nachhallendes Erlebnis, dessen Besuch empfohlen sei. Gelegenheit dazu bietet sich am heutigen Freitag, am Samstag sowie am Montag und Donnerstag der kommenden Woche, jeweils von 20 Uhr an. Außerdem vier Vorstellungen in der ersten Juliwoche. Plätze nur unter der Rufnummer (0951) 54528.